09.01.2013, 11:37

Diktaturerfahrung Araber wollen Stasi-Aufarbeitung kopieren


Tunesische Bürgerrechtler demonstrieren am 1. Dezember 2012 in Tunis gegen Polizeiübergriffe vor dem Innenministerium , zu Diktaturzeiten eine Zentrale des Geheimdienstes

Foto: Hassene dridi / dapd

Die Aufarbeitung der SED-Diktatur wollen Tunesier und Ägypter als Vorbild für ihre Demokratisierung nehmen. Die deutsche Expertise sei in diesen Ländern gefragt, stellt die Bundesregierung fest.

Tunesien und Ägypten – zwei Länder das Arabischen Frühlings – wollen sich bei der Aufarbeitung ihrer Geschichte an den Erfahrungen in Deutschland orientieren.

Das geht nach Informationen der "Rheinischen Post" aus dem Bericht der Bundesregierung zum Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur hervor, den das Kabinett am Mittwoch beschließen will.

Die Auseinandersetzung mit dem kommunistischen Erbe genieße Achtung in der Welt und sei Vorbild nicht nur in Ostmitteleuropa, sondern auch in Nordafrika, heißt es der Zeitung zufolge in dem Bericht. "Ägypten und Tunesien suchen bei der Auseinandersetzung mit ihrer jüngsten Geschichte die Expertise deutscher Aufarbeitungseinrichtungen."

Millionen-Entschädigung für DDR-Heimkinder

In Deutschland bleibe die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur eine "für Staat und Gesellschaft notwendige und herausragende Aufgabe", heißt es in dem Bericht weiter. Bund und Länder hätten bislang 40 Millionen Euro an Entschädigungen für Menschen zur Verfügung gestellt, die als Kinder und Jugendliche in DDR-Heimen bis 1990 schwere physische und psychische Schäden erlitten hätten.

In mehr als 1000 Fällen habe die Justiz wegen Tötungsdelikten an der innerdeutschen Grenze, Körperverletzungen und Freiheitsberaubung im DDR-Strafvollzug Anklage erhoben. Außerdem sei eine "breite gesellschaftliche Aufarbeitungslandschaft" mit Fördervereinen von Gedenkstätten oder privaten Archiven entstanden.

(dpa/UC)
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