08.01.13

Kenia

Wie zwei falsche Polizisten ein ganzes Land narren

Kenia gilt als besonders korrupt. Doch neue Vorfälle übertreffen alles: Ein Student soll sich als Polizist verkleidet und von Politikern Geld gefordert haben. Ein anderer wurde sogar Polizeichef.

Foto: AFP/Getty Images

Kenianische Polizisten bei einer Rede von Präsident Mwai Kibaki. Ihr Ruf ist nun in Gefahr
Kenianische Polizisten bei einer Rede von Präsident Mwai Kibaki. Ihr Ruf ist nun in Gefahr

Das ostafrikanische Land Kenia ist schwer korrupt – das ist bereits bekannt. Doch wie groß das Problem wirklich ist, zeigen jüngst zwei Fälle "falscher Polizisten", die unabhängig voneinander teils über Jahre im Beamtendienst arbeiteten, jetzt aber immerhin vor Gericht stehen

Kenianer wissen, dass sie ein Problem haben: Laut einer Untersuchung der Universität Nairobi sagen knapp siebzig Prozent der kenianischen Bevölkerung, dass ihre Polizisten korrupt seien. Auch Transparency International stuft das Land im globalen Ranking mit insgesamt 176 Teilnehmern auf einem schlechten Platz 139 ein.

Gleichzeitig kann man der kenianischen Polizei nicht vorwerfen, sie versuche das Problem zu vertuschen. Bereits im Jahr 2005 wurde erstmals der Rekrutierungsprozess für neue Polizisten abgebrochen, weil eine interne Untersuchung ergeben hatte, dass achtzig Prozent aller Bewerbungen mit bezahltem Bestechungsgeld einhergegangen waren.

Kampf um öffentliches Vertrauen

2011 untersuchte schließlich eine Anti-Korrruptions-Kommission 1600 Polizeibeamte und überprüfte eventuelle Korruptionsvorwürfe gegen jeden einzelnen. Es gehe darum, das öffentliche Vertrauen in die Polizei wieder herzustellen, hatte die kenianische Polizei damals erklärt.

Doch wie sehr das Korruptionsproblem die Behörde weiter im Griff hat, zeigen jetzt zwei Fälle "falscher" Polizisten, die sich unabhängig voneinander als Beamte ausgegeben haben sollen.

Zuerst machte der Kenianer Joshua Waiganjo vor einigen Tagen in den Landesmedien Schlagzeilen, da er offenbar über fünf Jahre unentdeckt als lokaler Polizeichef agiert haben soll. Der Mann soll in seiner ermogelten Position sogar andere Polizisten rekrutiert und gefeuert haben, wie verschiedene Medien berichten.

Während eines Fluges in einem Polizeihelikopter soll er jetzt überführt worden sein. Der Verdächtigte selbst widerspricht den Anklagen.

Polizist soll kein Lohn erhalten haben

Immerhin soll er für sein angeblich erschlichenes Amt weder Lohn erhalten noch den Fahrdienst von Regierungsfahrzeugen beansprucht haben, dementieren die Behörden weitere Gerüchte in den Medien.

Doch kaum war Waiganju angeklagt, meldeten kenianische Medien einen weiteren Fall eines "falschen" Polizisten. Ein Student soll sich als Beamter verkleidet und von Abgeordneten Geld gefordert haben. Auch er steht jetzt vor Gericht, wie verschiedene kenianische Nachrichten-Webseiten melden.

Jetzt reicht es offenbar selbst dem kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki. Er selbst soll eine Untersuchung der Fälle angeordnet haben, berichtet die BBC.

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