07.01.13

Anglikaner

Schwule in der Kirche sind okay, Frauen nicht

Die Church of England entscheidet, dass künftig auch homosexuelle Männer zum Bischofsamt zugelassen werden. Allerdings gilt für diese ein Sexverbot – die Entscheidung ärgert Liberale wie Konservative.

Von Katja Heise
Foto: AFP

Anglikanische Priester bei einem Gottesdienst in der Westminster Cathedral in London
Der ehemalige anglikanische Bischof John Broadhurst (Mitte) bei einem Gottesdienst in der römisch-katholischen Westminster Cathedral in London. Er konvertierte am 1. Januar 2011

Die Entscheidung kam überraschend: Künftig sind in der Church of England auch bekennend homosexuelle Männer zum Bischofsamt zugelassen. Das habe die Kirche bereits vor Weihnachten entschieden, teilte die Zeitung "Church Times" mit. Die Begründung: "Es ist ungerecht, jemanden vom Bewerbungsprozess für das Bischofsamt auszuschließen, der sich in voller Übereinstimmung mit den Kirchenlehren verhält", erklärte der Bischof von Norwich, Graham James, in einer Stellungnahme im Namen des Hauses der Bischöfe.

Dies gilt jedoch offenbar nicht für Frauen. Ihnen hatte die Generalsynode der Kirche von England erst vor wenigen Wochen abermals den Zugang zum Bischofsamt verweigert. Ein entsprechender Gesetzentwurf war nach einem mehrjährigen Gesetzesverfahren endgültig gescheitert.

Kritik an Pflicht-Zölibat

Doch auch die schwulen Bischöfe haben in Zukunft nicht alle Freiheiten. Sie dürften – wie ihre heterosexuellen Kollegen – zwar auch in einer eingetragenen Partnerschaft leben. Doch anders als jene, die mit einer Frau verheiratet sind, dürfen sie mit ihrem Mann keinen Sex haben. Denn das entspricht nicht der anglikanischen Sexualmoral. Entsprechend müssten Kandidaten vor ihrer Kür zum Bischof das Versprechen ablegen, sich an den Zölibat zu halten und die Partnerschaft nicht körperlich zu leben, erklärte die Bischofsversammlung.

Insbesondere dieser Punkt hat in Großbritannien sowohl bei liberalen als auch bei konservativen Christen Kritik ausgelöst. Wie die BBC berichtete, begrüßten Vertreter anglikanischer Homosexuellen-Gruppen grundsätzlich den Schritt. Allerdings sollten schwule Bischöfe nicht gezwungen werden, zölibatär zu leben.

Die anglo-katholische Gruppe "Anglican Mainstream" kritisiert diesen Punkt der Entscheidung ebenfalls. "Die meisten Leute gehen davon aus, dass eingetragene Partnerschaften sexuelle Beziehungen sind. Es ist spitzfindig anzunehmen, dass sie es nicht sind", teilte die traditionalistische Gruppe in einer Stellungnahme mit. "Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Geistliche in solchen Partnerschaften sich oftmals weigern, ihren Bischöfen die Zusage zu geben, dass ihre Beziehung eine nicht-sexuelle ist", hieß es in der Stellungnahme weiter.

Konservative fürchten die Spaltung

Konservative Anglikaner befürchten dagegen, die Entscheidung treibe die Spaltung innerhalb der anglikanischen Weltkirche mit rund 80 Millionen Mitgliedern weiter voran. Der Vorsitzende der evangelikalen Gruppe "Reform", Rod Thomas, sagte der BBC, Leute in eingetragenen Partnerschaften als Bischof einzusetzen, fände weder Zustimmung in großen Teilen der Kirche noch sei über das Thema ausreichend debattiert worden. Es handele sich um eine grundlegende Änderung der Kirchendoktrin und sei daher nichts, was man einfach als Nachricht mitteilen könne.

"Es ist etwas, das durch die Generalsynode überdacht werden muss", sagte Thomas. Er befürchte eine Spaltung innerhalb der Kirche, wenn es tatsächlich homosexuelle Bischöfe geben sollte.

Der ehemalige Bischof von Worcester, Peter Selby, bedauerte den Konflikt um Homosexualität innerhalb der anglikanischen Kirche. Auf BBC Radio 4 sagte er "es ist wirklich traurig, dass wir uns alle darüber einig sind, dass es keine unterschiedlichen Kriterien bei der Auswahl von Pfarrern und Bischöfen geben sollte und dennoch handeln wir gegen diesen weit verbreiteten Glauben." Das sei auch schon bei der Entscheidung gegen Frauen im Bischofsamt der Fall gewesen.

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