07.01.13

China

Peking kapituliert vor Gelbe-Ampel-Shitstorm

Das chinesische Verkehrsministerium will die Verkehrsregeln verschärfen: Geldbuße und sechs Punkte bei der Fahrt über eine gelbe Ampel. Das ist dem Volk deutlich zu viel: Es protestiert. Mit Erfolg.

Foto: dapd

In Peking solle es teuer werden, bei gelbem Ampellicht über die Kreuzung zu fahren. Aber bei den Chinesen hört der Spaß beim Autofahren auf
In Peking sollte es teuer werden, bei gelbem Ampellicht über die Kreuzung zu fahren. Aber bei den Chinesen hört der Spaß beim Autofahren auf

Massenproteste gegen die polizeiliche Obrigkeit können sogar in China zum Erfolg führen. Zumindest dann, wenn es um die Verkehrspolizei geht, und wenn das gesamte Volk der Autofahrer den Aufstand probt. So geschah es gerade im Reich der Mitte, wo zum 1. Januar die Strafen für 52 Verstöße im Straßenverkehr drastisch verschärft wurden.

Vor allem ein Punkt ließ die 257 Millionen Führerscheinbesitzer des Landes auf die Barrikaden gehen: Wer weiterfährt, wenn die Ampel auf Gelb springt, wird mit einer Geldbuße und sechs Punkten bestraft.

Das sind die Hälfte der maximal erlaubten zwölf Strafpunkte, bevor der Führerschein einkassiert wird und sich der Fahrer einer Eignungsprüfung unterziehen muss.

Maß der Bevormundung war voll

Chinas Polizei wollte auf diese Weise Ordnung in das Verkehrschaos bringen und die jährliche Zahl von 60.000 Verkehrstoten senken. Für die Bürger aber war das Maß der Bevormundung voll. Die Zeitungen nannten die Behörden farbenblind, weil sie das Warnlicht Gelb nicht vom Stopplicht Rot unterscheiden könnten.

Anwälte sprachen von einer Farce im Verkehrsrecht. Blogger verhöhnten die weltfremde Bürokratie der Gesetzgeber, die sich in Dienstwagen kutschieren lassen, aber nie selbst fahren.

Nach einer Woche des Internetsturms machte das Ministerium für Öffentliche Sicherheit einen Rückzieher und veröffentlichte eine Erklärung: Ein "Teil des Volkes" habe "ziemlich konzentriert" die neue Verordnung für Gelb-Phasen kritisiert.

Ministerium bedankt sich "für Sorge um Verkehrsregeln"

Das Ministerium "achtet ihre Ansichten und bedankt sich bei den breiten Volksmassen für die Sorge um die Verkehrsregeln." Es werde "vorläufig" keine Strafen mehr für Weiterfahren bei Gelb geben. Die Polizei setze stattdessen auf Erziehung.

Wer künftig als Fahrer die Ampel umspringen sieht, sollte tunlichst langsamer fahren. Das Einknicken der Verkehrsbehörden vor der Vox populi feierten Chinas Montagszeitungen in Schlagzeilen auf ihren Titelseiten.

Die Moral von der Geschichte: Wer dem Volk der Autofahrer auf den Bleifuß tritt, stellt sich selbst ein Bein – auch in China.

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