29.12.12

Chile

Haftbefehl gegen Militärs wegen Mord an Víctor Jara

39 Jahre nach dem gewaltsamen Tod des chilenischen Sängers Víctor Jara hat die Justiz Haftbefehle gegen acht Ex-Militärs erlassen. Die Bluttat markierte den Beginn der Pinochet-Diktatur in Chile.

Foto: dapd

Victor Jara wird bis heute als einer bedeutendsten politischen Sänger Lateinamerikas verehrt
Víctor Jara wird bis heute als einer der bedeutendsten politischen Sänger Lateinamerikas verehrt

In Chile bekommt die Ermordung des Sängers und Gitarristen Víctor Jara zu Beginn der Pinochet-Diktatur fast vier Jahrzehnte später ein juristisches Nachspiel. Die Justiz des Landes ordnete die Festnahme von acht tatverdächtigen Ex-Militärs an. Einer der mutmaßlichen Täter wird mit internationalem Haftbefehl gesucht, weil er in den USA lebt.

Der Richter Miguel Vázquez vom Berufungsgericht in Santiago verfügte, dass sich zwei ehemalige Soldaten wegen Mordes und sechs weitere wegen Beihilfe verantworten müssen.

Als Haupttäter werden demnach Hugo Sánchez Marmonti und Pedro Barrientos Núñez gesucht, Letzterer mit internationalem Haftbefehl. Der Anwalt von Jaras Angehörigen, Nelson Caucoto, zeigte sich "zufrieden" mit der Gerichtsentscheidung.

Mord bislang nicht restlos aufgeklärt

Der bislang nicht restlos aufgeklärte Mord an dem prominenten Künstler beschäftigt wie kaum ein anderer Vorgang der Militärdiktatur von Augusto Pinochet bis heute die Gemüter. Jara wurde einen Tag nach dem Putsch vom 11. September 1973 in der Technischen Universität von Santiago festgenommen, wo er als Dozent arbeitete. Zusammen mit 5000 anderen Gefangenen wurde er im Stadion von Santiago interniert.

Dort wurde der linksgerichtete Liedermacher, der auch Schauspieler, Theaterregisseur und Tänzer war, wenige Tage später kurz vor seinem 41. Geburtstag getötet. Vor seiner Erschießung wurde Jara geschlagen und gefoltert, mit Gewehrkolben und Stiefeltritten wurden seine Hände zerquetscht.

Laut den Ermittlungen der Justiz wurde Jara am 16. September 1973 mit "mindestens 44 Kugeln" erschossen. Das Stadion, das von der Junta als Folterlager genutzt wurde, trägt seit 2003 Jaras Namen. Unter Pinochets Herrschaft (1973 bis 1990) wurden in Chile mehr als 3000 Menschen getötet oder verschwanden spurlos.

"Víctor lebt im Herzen seines Volkes"

Im Dezember 2009 wurden Jaras Gebeine feierlich beigesetzt, rund 3000 Menschen begleiteten den Sarg in einem Trauermarsch durch die Hauptstadt zum Zentralfriedhof. Viele trugen Nelken, rote Fahnen und Bilder des Sängers und riefen: "Víctor lebt im Herzen seines Volkes."

Die würdevolle Bestattung in Santiago war der Höhepunkt eines dreitägigen Gedenkens an Jara. 1973 hatte ihn seine Witwe, die britische Choreografin Joan Turner, nahezu heimlich begraben müssen.

Jara war Mitglied der Kommunistischen Partei Chiles und Unterstützer der von den Militärs gestürzten Volksfrontregierung des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende.

Zu seinen über Lateinamerika hinaus bekannten Liedern, die von Liebe und Sozialprotest handeln, gehören "Te recuerdo Amanda", "El cigarrito" und "El derecho de vivir en paz". Mit seiner britischen Frau hatte Jara zwei Töchter, Manuela und Amanda. Das Stadion in Santiago wurde 2003 nach Víctor Jara benannt.

Quelle: AFP/epd/mcz
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