28.12.12

General Schwarzkopf †

Stormin' Norman – der Bär, der sich als Eule sah

US-General Norman Schwarzkopf hat in Vietnam gedient und als Oberbefehlshaber den Irak-Feldzug "Operation Wüstensturm" geleitet. Jetzt ist er mit 78 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben.

Von Michael Stürmer
Quelle: Reuters
28.12.12 0:44 min.
General Norman Schwarzkopf ist gestorben. Er befehligte 1991 die Koalitionstruppen, die die Armee des irakischen Präsidenten Saddam Hussein mit der Operation "Desert Storm" aus Kuwait vertrieben.

Wer erinnert sich nicht an General Norman Schwarzkopf? Er war für die Weltöffentlichkeit das Gesicht und für die Operationen zu Wasser, zu Lande, in der Luft und im Weltraum das Gehirn des Zweiten Golfkriegs 1990/91. Anfang August 1990 – die deutsche Einheit war noch nicht im Trockenen – hatte der irakische Tyrann Saddam Hussein das Öl-Fürstentum Kuwait überfallen, das er als 19. Provinz des Irak in Anspruch nahm.

Wenig später begriff er, dass er damit eine breite Koalition, geführt von den Vereinigten Staaten, gegen sich mobilisierte. Das amerikanische Central Command in Tampa, Florida, dessen Befehlsbereich vom östlichen Mittelmeer bis Pakistan alles umfasst, was seit dem Golfkrieg als "Greater Middle East" firmiert, hatte die Leitung der Operationen. Oberbefehlshaber war "Stormin' Norman". Er starb am Donnerstag im Alter von 78 Jahren in seinem Haus in Tampa nach langem Leiden an einer Lungenentzündung.

Ziel und Ende der Kampfhandlungen bedacht

Schwarzkopf war nicht nur, wie die Amerikaner sagen, "a generals' general". Er war auch ein Militär, der seinen Clausewitz studiert hatte – will sagen, der im Zusammenspiel von Militär und Politik seinen Platz kannte und von den Politikern verlangte, Ziel und Ende militärischer Kampfhandlungen zu bedenken.

So kam es, dass nach fünf Monaten des Aufmarschs am Golf und zermürbender Luftangriffe auf die eingegrabenen Truppen des Saddam Hussein der Krieg auf dem Boden nach genau 100 Stunden beendet wurde: Entsprechend dem internationalen Mandat war Kuwait befreit, die irakischen Verbände waren in heilloser Flucht.

Präsident George Herbert Walker Bush (der Senior) konnte in der großen amerikanischen Tradition die "Neue Weltordnung" verkünden, gegründet auf Demokratie, Rechtsstaat und Völkerrecht.

Dass daraus nicht viel geworden ist, war nicht dem Oberbefehlshaber des US Central Command in Tampa, Florida, anzulasten. Es war auch nicht seine Schuld, dass die Amerikaner die aufständischen Schiiten im Süden des Zweistromlandes im Stich ließen – mit fatalen Folgen.

Denn was den amerikanischen Militärs entgangen war, ebenso wie deren politischen Meistern in Washington, war die Tatsache, dass Saddam seine Elitetruppen der Republikanischen Garden geschont hatte, um das Regime zu verteidigen, und die Liniendivisionen geopfert hatte.

Auch Schwarzkopfs Vater war General

Der General entstammte einer militärischen Familie, schon der Vater hatte es zum General gebracht und dabei auch internationale Verwendungen durchlaufen, die dem Sohn an Weltkenntnis zugutekamen. Der Sohn wollte Offizier werden.

Er machte die amerikanische Offiziersausbildung in West Point durch und schloss unter den Jahrgangsbesten ab. Er diente in Vietnam, wurde mehrfach ausgezeichnet und übernahm 1988 den Oberbefehl über das Central Command.

Damit hatte er auch die Zuständigkeit für das Zweistromland und die militärischen Gegenmaßnahmen, als Saddam Hussein seine Divisionen gen Süden in Marsch setzte.

Militär und Diplomat

Schwarzkopf musste nicht nur den militärischen Aufmarsch in Gang setzen, sondern auch die überaus komplizierte Nahost-Diplomatie meistern. Dazu gehörte, dass die Saudis die Stationierung westlicher Verbände auf ihrem Territorium gestatteten – es half, dass die Herren des Öls, als Saddam Kuwait besetzte, um ihre eigene Macht ins Zittern geraten waren.

Politisch war es wichtig, zu verhüten, dass aus dem Konflikt Araber gegen Araber ein Konflikt des Westens gegen die muslimische Welt wurde. Endlich und vor allem: Bush senior durch die große Diplomatie und Schwarzkopf durch die Operationen auf dem Terrain mussten alles tun, den Staat Israel, den Saddam mit Raketen und Terror bedrohte, aus den Kämpfen herauszuhalten, damit nicht, wie Saddam plante, aus dem Konflikt Araber gegen Araber ein muslimisch-jüdischer Krieg entstand.

Persönlicher Freund von Bush senior

Bush senior nannte den General in einer sehr persönlichen Würdigung nicht nur einen "personal friend", sondern auch einen der größten militärischen Kommandeure seiner Generation.

Leon Panetta, gegenwärtig noch Chef des Pentagons, nannte den General "one of a kind" – einsame Klasse – und fügte hinzu, "Stormin' Norman" habe der Truppe einen unvergänglichen Stempel aufgedrückt.

Schwarzkopf war kein Freund großer Worte und theoretischer Übungen. Was von ihm bleibt, ist Mitwirkung an einem Kapitel Weltgeschichte, das bis heute weiter wirkt. Die Truppe sah in ihm einen Bären, was mit seiner massigen Gestalt zu tun hatte.

Er selbst sah sich eher als Eule: "Weise genug, zu wissen, dass alles unternommen werden muss, um Krieg zu vermeiden. Aber auch wild genug, um alles, was möglich ist, für den Sieg zu tun, wenn es zum Krieg kommt."

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