26.12.12

Referendum

Neue Verfassung - Ägyptens Islamisten triumphieren

Die Ägypter haben für die neue Verfassung und damit für einen größeren Einfluss des Islam gestimmt. Allerdings stimmt nur jeder dritte mit.

Foto: dapd

Nur jeder dritte Wahlberechtigte ging zur Wahl - und unterstüzte dann meist Mursi
Nur jeder dritte Wahlberechtigte ging zur Wahl - und unterstüzte dann meist Mursi

Triumph für Ägyptens Präsident Mohammed Mursi und die religiösen Kräfte am Nil: Nach Angaben der Wahlkommission ist der islamistisch geprägte Verfassungsentwurf bei zwei Volksabstimmungen erwartungsgemäß mit 63,8 Prozent gebilligt worden. Die heftig umstrittene Vorlage räumt nach Ansicht von Kritikern den Islamisten einen deutlich größeren Einfluss etwa bei der Gesetzgebung ein und beschneidet die Rechte von Frauen und Minderheiten.

Mit der Annahme der Verfassung würden die Ägypter fortfahren, dem Rest der Welt "eine Lehre zu erteilen", erklärte der Chef der Muslimbrüder, Mohammed Badie, über den Kurznachrichtendienst Twitter. "Lasst uns alle beginnen, am Wiederaufbau unseres Landes mit freiem Willen, guten Absichten und Entschlossenheit mitzuwirken – Männer, Frauen, Muslime und Christen", hieß es weiter.

Wie die Kommission am Dienstag weiter mitteilte, hatten sich lediglich knapp 33 Prozent der Wähler an den Referenden am 15. und 22. Dezember beteiligt. Das offizielle Resultat kommt den Prognosen von Mursis Muslimbruderschaft über das Abstimmungsergebnis sehr nahe. Der Entwurf hatte in den vergangenen Wochen teils gewaltsame Massenproteste von Gegnern des Präsidenten ausgelöst.

Es wird nun erwartet, dass Mursi zur Neuwahl des Parlaments binnen zwei Monaten aufruft. Experten gehen davon aus, dass dabei ebenfalls islamistische Kräfte die Oberhand behalten werden.

Opposition zieht erneut Votum in Zweifel

Die Opposition zog abermals die Gültigkeit des Votums in Zweifel. "Wegen der geringen Wahlbeteiligung sind wir der Meinung, dass dies nicht die Verfassung ist, auf die das ägyptische Volk gehofft hat", sagte Sprecher Khaled Dawud. "Dies ist keine Verfassung, die lange überdauern wird." Er kündigte für den anstehenden Wahlkampf weiteren Widerstand gegen die Verfassung an.

Der Chef der Wahlkommission, Richter Samir Abu al Maati, wies Kritik zurück, die Referenden sein nur unzureichend von der Justiz überwacht worden. "Wir haben alle Beschwerden ernsthaft geprüft", sagte Al Maati. Die ägyptische Opposition hatte nach der zweiten Runde des Verfassungsreferendums in der vergangenen Woche erhebliche Zweifel am fairen Ablauf der Abstimmung angemeldet und eine unabhängige Untersuchung gefordert.

Eine Billigung des Entwurfs gilt als ein Sieg für Mursi und seine Muslimbrüder. Kritiker bemängeln, dass der Verfassungsentwurf keinen ausreichenden Schutz für Rechte von Frauen und Minderheiten wie etwa die Christen im Land vorsieht und mehr Macht für islamische Geistliche bei der Gesetzgebung bedeutet.

In der ersten Runde der Volksabstimmung am vorvergangenen Samstag hatten sich inoffiziellen Ergebnissen zufolge rund 57 Prozent der Wähler für den Verfassungsentwurf ausgesprochen.

Mursi ruft für Mittwoch Oberhaus des Parlaments zusammen

Der Präsident hatte bereits für Mittwoch das Oberhaus des Parlaments, den Schura-Rat, zusammengerufen. Am Sonntag hatte Mursi 90 weitere Mitglieder des von den Islamisten dominierten Rats ernannt, darunter mindestens 30 Islamisten und ein Dutzend Christen. Der Schura-Rat hat nun 270 Mitglieder, zwei Drittel von ihnen wurden gewählt. Allerdings beteiligten sich an der Wahl im vergangenen Winter weniger als zehn Prozent der Berechtigten.

Die neue Verfassung sieht vor, dass das Gremium bis zur Wahl eines Unterhauses in den kommenden zwei Monaten die gesetzgebende Gewalt am Nil ausübt. Seit der Auflösung des Parlaments durch ein Gericht im Juni hatte der Präsident die Gesetzgebung inne.

Der Oberste Gerichtshof des Landes soll nach einem Bericht des Fernsehsenders Sender Al Dschasira neu besetzt und die Zahl seiner Mitglieder von 19 auf 10 verringert werden. Mursi wolle den neuen Vorsitzenden des Gremiums in Kürze bekannt geben.

Quelle: dpad/ap
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Mit der S-Bahn kommen die Berliner am Wochenende vielerorts nur im Schneckentempo voran
18:09Berliner Nahverkehr
Hälfte aller S-Bahn-Linien am Wochenende eingeschränkt

Auch an diesem Wochenende wird an vielen Berliner Bahnstrecken kräftig gebaut. Besonders betroffen sind die Fahrgäste der S-Bahn. Auf sieben Linien fahren bis Montagfrüh Pendelzüge oder Busse. mehr...


Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bei der Vorbereitung seiner Aussage im BER-Untersuchungsausschuss
16:45Untersuchungsausschuss
Klaus Wowereit erklärt seine Sicht auf das BER-Debakel

Berlins Regierender hat dem Untersuchungsausschuss zum BER-Debakel Rede und Antwort gestanden. Viktoria Solms und Christian Mutter waren live dabei. Das Minutenprotokoll der Sitzung. mehr...

Typhoon escorts plane into Stansted
Aktualisiert vor 22 MinutenBritischer Luftraum
Kampfjet leitet Flugzeug um – Zwei Festnahmen

Dramatischer Zwischenfall in Großbritannien: Ein Kampfjet hat ein pakistanisches Flugzeug mit 297 Menschen an Bord umgeleitet. Zwei Männer wurden wegen Gefährdung des Luftverkehrs festgenommen. mehr...


An den Kassen zum Zoo soll es trotz Streik keine längeren Schlangen als sonst geben
18:15Tarifstreit
Ver.di ruft für Sonntag zu Warnstreik in Tierpark und Zoo auf

Am Sonntag sind die Beschäftigten von Zoo und Tierpark in Berlin zum Streik aufgerufen. Zwei Stunden lang sollen sie die Arbeit niederlegen. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Finale in London

Das tippen die Berliner Fans von Bayern und BVB

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote