25.12.12

Weihnachtsbotschaft

Papst ruft zum Ende des Blutvergießens in Syrien auf

In seiner Weihnachtsbotschaft betet der Papst für Frieden in Nahost. Vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz spendete er den Segen "Urbi et Orbi".

Quelle: dapd
25.12.12 1:03 min.
Das katholische Kirchenoberhaupt, Papst Benedikt XVI., hat die Christmette mit Tausenden Gläubigen im Petersdom gefeiert.

Papst Benedikt XVI. hat am ersten Weihnachtsfeiertag ein Ende der Gewalt im Bürgerkriegsland Syrien und Mut zu neuen Verhandlungen im Nahen Osten gefordert. Die Bevölkerung Syriens sei zutiefst verletzt und geteilt durch einen Konflikt, der nicht einmal die Wehrlosen verschone und unschuldige Opfer hinwegraffe, sagte Benedikt. "Noch einmal rufe ich dazu auf, das Blutvergießen zu beenden, die Hilfeleistungen für die Flüchtlinge und Evakuierten zu erleichtern und auf dem Weg des Dialogs eine politische Lösung für den Konflikt zu verfolgen", sagte der 85-Jährige am Dienstag.

Im syrischen Bürgerkrieg wurden nach jüngsten Angaben binnen 21 Monaten mindesten 42 000 Menschen getötet, Millionen mussten fliehen. Zuletzt berichteten Oppositionelle sogar vom Einsatz "giftiger Gase" in der Unruheregion Homs.

An die Konfliktparteien im Nahen Osten appellierte der Papst, den Mut zu finden, allzu vielen Jahren der Kämpfe und Spaltungen ein Ende zu setzen und mit Entschiedenheit den Verhandlungsweg einzuschlagen.

Israel forciert Siedlungsbau

Auch in Bethlehem stand der Nahost-Friedensprozess im Mittelpunkt: Der lateinische Patriarch Fuad Twal hofft nach der Aufwertung Palästinas zum Beobachterstaat durch die Vereinten Nationen auf neue Impulse in dem Konflikt. Allein Gerechtigkeit und Frieden im Heiligen Land könnten zu einem regionalen und globalen Gleichgewicht führen, sagte der höchste Repräsentant des Vatikans im Heiligen Land bei der Mitternachtsmesse in der Geburtskirche in Bethlehem.

Ungeachtet internationaler Kritik forciert Israel derzeit den Siedlungsbau. Die Palästinenser befürchten, dass dadurch die Bildung eines zusammenhängenden Palästinenserstaates im Westjordanland erschwert und ein Ausbau Ostjerusalems zu ihrer künftigen Hauptstadt unmöglich gemacht werden könnte.

Nach der Weihnachtsbotschaft erteilte der Papst den apostolischen Segen "Urbi et Orbi" – der Stadt und dem Erdkreis. Vor Zehntausenden Menschen auf dem Petersplatz und Millionen Fernsehzuschauern in aller Welt verlas er in 65 Sprachen Weihnachtsgrüße. Auf Deutsch sagte das Oberhaupt von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle Euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade; sein Friede möge in Euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!"

Segen als Quotenrenner

Die Zeremonie auf dem Petersplatz ist für alle Gläubigen mit einem Sündenablass verbunden. Zehntausende versammelten sich auch diesmal unter wolkenverhangenem Himmel auf dem weiten Areal vor der Basilika. Der Segen ist auch ein Quotenrenner: Millionen verfolgten das Geschehen weltweit über Radio, Fernsehen oder Internet.

In der Christmette am Heiligen Abend hatte Benedikt die Gottvergessenheit in westlichen Ländern beklagt. "Je schneller wir uns bewegen können, je zeitsparender unsere Geräte werden, desto weniger Zeit haben wir", sagte er. Das betreffe auch unser Denken und Fühlen. "Wir sind mit uns selbst vollgestellt, so dass kein Raum für Gott bleibt. Und deshalb gibt es auch keinen Raum für die anderen, für die Kinder, für die Armen und Fremden."

Die Christmette, die in 60 Länder und live im Internet übertragen wurde, war wie in den Vorjahren früher als sonst angesetzt, um dem 85 Jahre alten Pontifex mehr Ruhe vor der Weihnachtsbotschaft zu gönnen. Benedikt fuhr wie im Vorjahr auf einer rollenden Plattform mit Haltestange im Mittelgang zum Altar.

Kirchen warnen vor Spaltung der Gesellschaft

In Deutschland warnten beide großen Kirchen vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich und forderten mehr Solidarität mit Schwächeren. Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch prangerte die zunehmende Gewalt in Schulen und Fußballstadien an. Eine Ursache dafür sieht er in den Unterhaltungsmedien, die sogar zu Weihnachten stundenlang Action-Streifen und brutale Thriller ausstrahlen.

Der Berliner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, rief zur Solidarität mit verfolgten Christen in aller Welt auf. "Christen sind heute die weltweit am meisten diskriminierte und verfolgte Glaubensgemeinschaft", sagte er.

Quelle: dpa/sara
Quelle: dapd
10.10.12 0:57 min.
Zum ersten Mal hat Papst Benedikt XVI. bei der wöchentlichen Generalaudienz auf Arabisch gebetet. "Der Papst betet für alle Arabisch sprechenden Menschen. Gott segne euch alle", sagte der Pontifex.
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