25.12.2012, 15:44

Indonesien Islamisten bewerfen Christen mit Urin und Jauche


Muslimische Fanatiker in Bekasi machen Stimmung gegen die Christen. Die indonesische Stadt ist eine Islamistenhochburg

Foto: ADEK BERRY / AFP

Muslimische Fanatiker haben im indonesischen Bekasi einen christlichen Gottesdienst gestört, indem sie die Teilnehmer mit Urin, und Jauche bewarfen. Die Polizei soll die Täter unterstützt haben.

Mit Gewalt haben rund 200 radikale Muslime im indonesischen Bekasi Christen bei der Feier des Weihnachtsgottesdienstes angegriffen. Die Demonstranten bewarfen die Christen nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) mit faulen Eiern, Jauche und Urinbeuteln.

Die Muslime seien dabei von Polizisten unterstützt worden, sagte der HRW-Repräsentant in der nahe gelegenen Hauptstadt Jakarta, Andreas Harsono, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die Polizei weigerte sich demnach auch, eine Anzeige aufzunehmen. Der Leiter der Wache sei abwesend, habe es zur Begründung geheißen.

Da den Christen der Weg zu ihrer Kirche versperrt war, mussten sie ihren Gottesdienst unter freiem Himmel abhalten.

Bogor: Gottesdienst auf dem Bürgersteig

Im benachbarten Bogor, etwa 60 Kilometer südlich von Jakarta, blockierten muslimische Demonstranten und die Polizei Christen den Zugang zu einer Kirche. Im zweiten Jahr in Folge musste die protestantische Yasmin-Gemeinde ihren Weihnachtsgottesdienst am ersten Weihnachtstag auf dem Bürgersteig vor ihrer Kirche feiern, wie ein Gemeindesprecher der KNA mitteilte.

Anders als in Bekasi sei es in Bogor jedoch nicht zu Gewaltaktionen gekommen. "Es gab ein paar erhitzte Debatten mit der Polizei, aber dann haben wir unseren Gottesdienst auf der Straße gefeiert", so der Sprecher.

Am Dienstagnachmittag hielten den Angaben zufolge Mitglieder beider Gemeinden vor dem Präsidentenpalast in Jakarta einen Gottesdienst ab. Staatspräsident Susilo Bambang Yudhoyono und seine Gattin seien eingeladen gewesen, jedoch nicht erschienen.

90 Prozent gehören dem Islam an

Trotz höchstrichterlicher Urteile verweigern die Stadtregierungen von Bekasi und Bogor den christlichen Gemeinden die Benutzung ihrer Kirchen. Die beiden Millionenstädte in der Metropolenregion Jakarta sind Hochburgen radikaler islamischer Gruppierungen.

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Angriffe auf Christen und Anschläge auf Kirchen durch Islamisten stark zugenommen. Zu hohen christlichen Feiertagen wie Ostern und Weihnachten soll eine erhöhte Polizeipräsenz die Sicherheit von Kirchen und Gottesdiensten sicherstellen.

Knapp 90 Prozent der 240 Millionen Indonesier gehören dem Islam an. Damit ist der Inselstaat das bevölkerungsreichste muslimisch geprägte Land der Welt.

(KNA/jw)
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