25.12.12

Indien

Vergewaltigungsopfer kämpft um sein Leben

Die von mehreren Männern vergewaltigte und fast totgeprügelte Studentin schwebt weiterhin in Lebensgefahr. Ein bei den gewalttätigen Protesten in Neu-Delhi verletzter Beamter starb im Krankenhaus.

Foto: AFP

Indische Mädchen fordern in Neu-Delhi Gerechtigkeit für das Opfer
Indische Mädchen fordern in Neu-Delhi Gerechtigkeit für das Opfer

Die 23 Jahre alte Studentin, die in Indien von mehreren Männern vergewaltigt und danach fast totgeprügelt wurde, schwebt immer noch in Lebensgefahr, sagten ihre Ärzte.

Ihr Zustand sei "sehr ernst und sehr kritisch", sagten die Mediziner der "Times of India". Sie leide weiter an inneren Blutungen, die infolge einer Blutvergiftung – Sepsis – erfolgten. Sepsis könne zum Organversagen führen.

Schwerer Vorwurf gegen Polizei

In dem Fall zeichnet sich eine Verwicklung der Polizei ab: Die Regierungschefin von Delhi, Sheila Dikshit, reichte eine Beschwerde bei Innenminister Sushilkumar Shinde ein, der zufolge ranghohe Polizeibeamte Druck auf eine Richterin ausgeübt haben sollen, als sie das Opfer nach der Tat befragte, wie die "Times of India" berichtete.

Demnach sollen die Polizisten die Richterin aufgefordert haben, die Befragung nicht auf Video aufzunehmen sowie einen von ihnen vorbereiteten Fragebogen zu verwenden. Als sie sich weigerte, sollen die Polizisten ungehalten gewesen sein.

Die Polizei wies die Vorwürfe zurück. Aus Ministeriumskreisen verlautete, wahrscheinlich werde wegen der Vorwürfe eine Ermittlung eingeleitet, die von einer Frau geführt werden solle. Das Ministerium nehme die Vorwürfe sehr ernst, sagte ein Mitarbeiter.

Polizei verhindert Marsch aufs Parlament

Die Studentin war am 16. Dezember in einem fahrenden Bus von mehreren Männern vergewaltigt und fast zu Tode geschlagen worden. Nach Angaben von Ärzten erlitt sie schwere innere Verletzungen.

Nach der Tat wurden acht Verdächtige festgenommen. Ihnen sei zunächst versuchter Mord vorgeworfen worden, nun sollten sie wegen Mordes angeklagt werden, sagte ein ranghoher Polizeivertreter.

Am Wochenende war es zu gewaltsamen Protesten mit zahlreichen Verletzten in Neu-Delhi gekommen. Am Sonntag lieferten sich wütende Demonstranten heftige Straßenschlachten mit der Polizei, die Tränengas und Wasserwerfer einsetzte.

Die Proteste in Neu-Delhi hielten weiter an. Die Polizei riegelte Straßen im Stadtzentrum ab, um zahlreiche Demonstranten an einem Marsch zum Parlament zu hindern.

Bislang zwei Tote bei Protesten

Ein Polizist, der bei gewaltsamen Protesten am Wochenende in Neu-Delhi schwer verletzt worden war, starb am Dienstag in einem Krankenhaus, wie die Polizei mitteilte. Er war 47 Jahre alt.

Zuvor war bei den Protesten ein Fernsehjournalist von einer Polizeikugel getroffen worden und gestorben, rund 150 Menschen wurden verletzt.

Die Polizei machte "Unruhestifter" für die gewalttätigen Auseinandersetzungen verantwortlich.

Präsident verurteilt die Unruhen

Indiens Präsident Pranab Mukherjee verurteilte die gewaltsamen Ausschreitungen. Der Ärger über den widerlichen Vorfall sei gerechtfertigt, aber Gewalt sei keine Lösung, sagte er bei einem Empfang im Norden des Landes.

Mukherjee äußerte sein Mitgefühl für das Opfer und bezeichnete die Studentin als ein "tapferes junges Mädchen".

In seiner Ansprache ging er auf die schwierige Situation der Frauen in Indien ein. Alle Mitglieder der Gesellschaft müssten Frauen den höchsten Respekt entgegenbringen, forderte er. Frauen müssten von den Männern "mehr als gleiche Partner" anerkannt werden.

Quelle: dapd/jw
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