23.12.2012, 13:15

Warnung aus Südkorea Kims Raketen könnten US-Westküste erreichen


Nordkoreas Diktator Kim Jong-un lobt bei einer Ansprache seine Raketentechniker

Foto: TT**TOK** KAJ**TOK** / dapd

Experten aus Südkorea warnen, dass nordkoreanische Raketen mehr als 10.000 Kilometer überbrücken können – sie könnten die USA erreichen. Den Diktator Kim Jong-un lassen mögliche Sanktionen kalt.

Nordkorea hat nach Einschätzung Südkoreas bei seinem jüngsten Raketenstart ein Trägersystem benutzt, das theoretisch einen Gefechtskopf bis an die US-Westküste tragen kann.

Simulationen hätten ergeben, dass "die Rakete mit einem Sprengkopf von 500 bis 600 Kilogramm über 10 000 Kilometer weit fliegen kann", berichtete ein Experte des Verteidigungsministeriums. Das sei weit genug, um den Westen der USA zu erreichen.

Die USA und Südkorea werfen dem kommunistischen Land vor, mit dem Start einer Weltraumrakete am 12. Dezember einen verdeckten Waffentest unternommen zu haben. Nordkorea spricht von einem Satellitenstart zu friedlichen Zwecken. Der UN-Sicherheitsrat hatte den Raketenstart aufs Schärfste verurteilt.

Bestückung mit Atomsprengköpfen möglich

Grundlage für die Vermutungen der südkoreanischen Experten ist die Untersuchung eines Trümmerteils von der abgetrennten ersten Stufe der nordkoreanischen Unha-3-Rakete. Zwei Tage nach dem Start der Rakete hatte Südkoreas Militär einen Tank aus dem Gelben Meer geborgen.

Bei dem Fundstück handelt es sich den Angaben zufolge vermutlich um einen Behälter für sogenannte rot rauchende Salpetersäure – ein Oxidationsmittel, das als Raketentreibstoff benutzt wird.

Das in Raketen der ehemaligen Sowjetunion eingesetzte Mittel finde in Ländern mit moderner Raumfahrttechnologie sehr selten Verwendung, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Spezialisten.

Daraus habe das Untersuchungsteam geschlossen, dass der Start der Unha-3-Rakete in Wirklichkeit ein Test zur Entwicklung von Interkontinentalraketen (ICBMs) gewesen sei, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können.

Diktator Kim Jong-un lobt Techniker

Es habe jedoch nicht geklärt werden können, ob die Rakete nach dem Flug ins All fähig gewesen wäre, wieder in die Erdatmosphäre einzudringen, hieß es weiter. Das wäre eine Bedingung für den Angriff mit einer ICBM.

Am Sonntag konnte die südkoreanische Marine drei weitere Trümmerteile der Unha-3-Rakete aus dem Gelben Meer bergen.

Trotz der Gefahr verschärfter internationaler Sanktionen will Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un noch leistungsstärkere Trägerraketen bauen lassen.

Kim habe die Techniker geehrt, denen der geglückte Raketenstart zu verdanken sei, berichteten am Samstag die Staatsmedien. "Ihr müsst eine Vielfalt von Satelliten mitsamt Kommunikationssatelliten und Trägerraketen von größerer Kapazität entwickeln und einsetzen", sagte Kim dem Bericht zufolge am Freitag bei einem Bankett.

(dpa/jw)
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