22.12.12

Bürgerkrieg

Islamisten bedrohen Christen in Syrien per Video

Im Syrien-Konflikt melden sich zunehmend Islamisten zu Wort. Per Video drohen sie Christen mit einem Angriff, sollten sie Assad-Kämpfer nicht ausliefern. Die Not des Volkes verschärft sich.

Foto: AFP

Abendmesse in der Kirche St. Joseph in Damaskus. Islamisten haben Christen in Syrien jetzt per Video gedroht
Abendmesse in der Kirche St. Joseph in Damaskus. Islamisten haben Christen in Syrien jetzt per Video gedroht

Radikale Islamisten wollen in Syrien nach einem Sturz von Präsident Baschar al-Assad einen Gottesstaat errichten. In einem Internetvideo verkündeten sie am Samstag die Bildung einer Islamistenfront, deren Ziel der Gottesstaat sei. Die Bundesregierung will ihre Hilfen zur Versorgung der syrischen Flüchtlinge in den Nachbarländern verstärken. Bei einem Kurzbesuch im Libanon sagte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) zusätzliche knapp 15 Millionen Euro an Unterstützung zu.

Im Internet meldete sich eine weitere Rebellengruppe zu Wort: Sie drohte zwei christlichen Ortschaften in der Unruheprovinz Hama. In dem Video sind sieben bewaffnete Männer zu sehen, die schwarze Stirnbänder mit dem islamischen Glaubensbekenntnis tragen. Aus deren Mitte verliest ein bärtiger Mann eine Warnung an die Christen. Sollten sie Assad-Kämpfer nicht ausliefern, würden sie angegriffen.

Die Notlage der Menschen in Syrien wird durch Winter und Kälte verschärft. "Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sind in Syrien unzählige Familien auf der Flucht", erklärte Wilfried Vyslozil von den SOS-Kinderdörfern. "Vor allem die Kinder leiden schrecklich. Wir müssen jetzt handeln, um sie durch den Winter zu bringen."

Kritik von Hilfsorganisationen

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen, die im Norden des Landes in drei Kliniken Patienten behandelt, beklagte, dass die Hilfsleistungen angesichts der Notlage vor Ort längst nicht ausreichten. Wegen der heftigen Kämpfe seien große Teile des Landes nur schwer zu erreichen.

Minister Niebel, der am Rande der libanesischen Hauptstadt Beirut ein Flüchtlingslager besuchte, sagte der dpa: "Der Druck auf die Menschen in Syrien ist enorm groß, aus den Gefechtshandlungen herauszukommen. Deswegen haben wir uns als Bundesregierung in Jordanien und jetzt auch im Libanon bereiterklärt, dazu beizutragen, dass die Grenzen auch in Zukunft offen bleiben."

Kritik an Niebel kam von den Grünen und der Organisation Pro Asyl. "Geld und Zelte reichen nicht. Wer erreichen will, dass die Grenzen offen bleiben, muss selbst Flüchtlinge aufnehmen", sagte Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl. Grünen-Chefin Claudia Roth forderte: "Wenn Minister Niebel sein Engagement für die Flüchtlinge aus Syrien ernst meint, dann müsste die Bundesregierung auch endlich bereit sein, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen."

Berlin hat bisher 75 Millionen Euro für Flüchtlinge außerhalb Syriens zur Verfügung gestellt und weitere 20 Millionen Euro in Form von humanitärer Hilfe für die Flüchtlinge innerhalb des Landes. Das deutsche Geld fließt über internationale Organisation wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) oder das UN-Kinderhilfswerk Unicef.

Halbe Million Syrer ins Ausland geflohen

Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingswerk UNHCR sind 500.000 Syrer ins benachbarte Ausland geflohen. Im Land selbst seien 1,2 Millionen Menschen auf der Flucht vor den Kämpfen. Der Aufstand gegen das Assad-Regime geht im kommenden Frühjahr bereits ins dritte Jahr. Dem im März 2011 begonnenen Konflikt sind seither mehr als 42.000 Menschen zum Opfer gefallen.

Russland betonte derweil, dass die syrische Regierung die Kontrolle über die Chemiewaffen im Land habe. "Die syrischen Behörden haben diese Vorräte in ein oder zwei Zentren konzentriert. Vorher waren sie über das ganze Land verteilt", sagte Außenminister Sergej Lawrow am Samstag der Agentur Interfax zufolge. Die Führung tue alles, um die Waffen zu sichern. Auch die USA hätten zugestanden, dass Chemiewaffen in Händen der Regierungsgegner die größte Gefahr in Syrien seien, sagte Lawrow. Russland ist ein Partner Assads.

Quelle: dpa/sara
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