20.12.12

Nordkoreas Diktator

Ein Kind passt gut in Kim Jong-uns Strategie

Kim Jong-uns Frau Ri Sol-ju ist anscheinend schwanger. Ein Kind würde die Fortsetzung der weltweit einzigen kommunistischen Dynastie bedeuten – und die Macht des Jungdiktators festigen.

Foto: dapd

Der Diktator und seine schwangere Frau: Ri Sol-ju und Kim Jong-un bei der Gedenkfeier am Todestag von Kim Jong-il
Der Diktator und seine schwangere Frau: Ri Sol-ju und Kim Jong-un bei der Gedenkfeier am Todestag von Kim Jong-il

Kurz, nachdem sie über 50 Tage aus der Öffentlichkeit verschwunden gewesen war, besuchte Ri Sol-ju mit ihrem Mann, Nordkoreas Junior-Diktator Kim Jong-un, am 5. September eine Arbeiterfamilie. Fotos der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zeigen die junge Frau, wie sie hinter ihrem Mann mit einer Plastiktüte in der Hand – angeblich mit Lebensmitteln als Gastgeschenk – die Treppen eines neuen Apartmentblocks hochsteigt.

Sie trägt eine elegante Bluse mit pink-schwarzem Leopardenfellmuster über dem schwarzen Rock. In der auffällig leeren, modern wirkenden Wohnung sitzt das erste Ehepaar des verschlossenen Staates dann mit der vierköpfigen Arbeiterfamilie nicht auf der Couch an der Wand hinter ihnen, sondern lässig auf dem Boden davor. Kim Jong-un strahlt übers ganze Gesicht und hält einen der beiden Söhne im Arm.

Wollte er schon ein bisschen üben? Einiges deutet darauf hin, dass der einzigen kommunistischen Dynastie der Welt Nachwuchs ins Haus steht.

In einem beiläufigen Nebensatz erwähnt

Weltweit wurde darüber spekuliert, warum Ri Sol-ju bald nach den Aufnahmen so plötzlich von der Bildfläche verschwand. Dabei hatte sie sich seit Sommer zum Liebling der Staatsmedien – neben ihrem Mann – gemausert, sogar schon vor ihrer offiziellen Vorstellung als seine Ehefrau Ende Juli, ohne Brimborium, nur beiläufig in einem Nebensatz der Fernsehnachrichten.

Gerüchten nach sind sie schon seit 2009 verheiratet, haben womöglich bereits ein Kind. Hatten sie und ihr Mann ein wenig zu viel Lässigkeit für ein Diktatoren-Ehepaar demonstriert?

Es wurde vermutet, dass dies den Militärs ein Dorn im Auge war. Außerdem verzichtete sie oft auf den Pin mit den Bildern der Kim-Vorgänger am Revers, der für Offizielle in Nordkorea Pflicht ist.

Erst hielt man sie für die Schwester

Über Ri Sol-ju ist wenig bekannt. Die Medien von Südkorea und Japan hielten sie anfangs sogar für eine noch unbekannte Schwester des Junior-Diktators. Sie soll etwa Mitte 20 sein und aus einem Akademiker-Elternhaus stammen. Früher sei sie als Sängerin aufgetreten; womöglich sah sie ihr Mann – oder aber sein Vater – damals auf der Bühne.

Stets trug sie figurbetonte, westliche Kleidung wie eine grüne Bluse und einen schwarzen engen Rock, als sie, locker untergehakt bei ihrem Mann, einen Vergnügungspark besuchte.

Nach der langen Abwesenheit tauchte sie erst am 29. Oktober unvermittelt wieder auf. Mit Kim Jong-un, der ebenfalls bis dahin zwei Wochen in der Versenkung verschwunden war, besuchte sie ein Konzert an dessen Alma Mater, einer Militärakademie.

Die südkoreanische Zeitung "The Chosun Ilbo" bildete ein Foto ab, das sie in einer langen, gelben Jacke zeigt, ihr Gesicht rundlicher als noch im Sommer, die Leibesmitte füllig.

Bei der Trauerfeier mehrten sich die Anzeichen

Am 17. Dezember, als Nordkorea den einjährigen Todestag ihres Schwiegervaters mit einer feierlichen Zeremonie beging und Hundertausende Soldaten in der Hauptstadt Pyongyang aufmarschierten, mehrten sich die Anzeichen für freudige Nachrichten aus dem Hause Kim.

Dieses Mal trat sie in traditioneller Kleidung auf. Das lange Kleid fällt praktischerweise etwa ab Brusthöhe in weiten Falten nach unten. Doch aufmerksamen Beobachtern entging nicht, dass sich ihr Bauch darunter verdächtig wölbte.

Die Schwangerschaft wäre eine gute Nachricht für den jungen Diktator, der entschlossen erscheint, die prekäre Phase des Machtübergangs auf die nächste Generation zu meistern.

Nach dem schwachen Start mit einem fehlgeschlagenen Raketenversuch im April überraschte er die Welt am 12. Dezember mit einem erneuten Test, dieses Mal deutlich erfolgreicher. US-Angaben zufolge erreichte das Flugobjekt, das als "Satellit" deklariert wurde, den Orbit.

Kims Ex-Koch: Sol-ju ist warmherzig

Damit habe er vor allem seinem Vater Tribut zollen wollen, sagte Kenji Fujimoto, der ehemalige Sushi-Koch von Kim Jong-Il auf einer Pressekonferenz in Tokio am 6. Dezember. Er dürfte der einzige Japaner sein, der der nordkoreanischen "First Lady" bereits die Hand geschüttelt hat.

Er beschreibt sie als warmherzig. Sie soll ihm gesagt haben, dass ihr Mann oft von Fujimoto geredet und auf seine Rückkehr gehofft habe. Denn der japanische Koch, der mit Kim Jong-un früher spielte, war vor elf Jahren von einem Einkaufstrip nach Japan nicht mehr in das abgeriegelte Land zurückgekehrt, das von massiven Hungersnöten heimgesucht wird und auf internationale Hilfe angewiesen ist.

Kim Jong-un, der am 8. Januar 30 Jahre alt wird, lud im Sommer den ehemaligen Spielgefährten ein und vergab ihm großmütig. Fujimoto habe vor Rührung geweint und ihn lange umarmt. Von dem weiteren Kind, das dem Paar unterstellt wird, erzählte er nichts.

Vergebungsakte dieser Art zelebriert Kim Jong-un südkoreanischen Medien zufolge auch gerne öffentlichkeitswirksam mit Nordkoreanern, die erst nach Südkorea flohen und dann reumütig wieder zurückkehrten.

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