20.12.12

Narendra Modi

Islam-Feind greift in Indien nach der Macht

Der Hindunationalist Modi ist zum dritten Mal Regierungschef des indischen Bundesstaats Gujarat – 2014 könnte er Premier des ganzen Landes werden. Berüchtigt ist er wegen seiner Muslimfeindlichkeit.

Von Doreen Fiedler
Foto: dpa

Narendra Modi verzeichnet in seinem Bundesstaat zweistellige Wirtschaftswachstumsraten: „Der Lotus blüht wie nie zuvor in Gujarat“
Narendra Modi verzeichnet in seinem Bundesstaat zweistellige Wirtschaftswachstumsraten: "Der Lotus blüht wie nie zuvor in Gujarat"

Sieben Auftritte an einem Tag sind nicht genug für Narendra Modi. Unermüdlich tourte er im Wahlkampf von Bühne zu Bühne. Doch um noch mehr Menschen zu erreichen, ließ er sich bei seinen Reden in 3D filmen, damit er auf Dutzenden weiteren Bühnen als Hologramm zu den Massen sprechen konnte.

Sein Einsatz hat ihn gerade zum dritten Mal in den Chefsessel des westindischen Bundesstaates Gujarat katapultiert. Nun spekuliert Indien, ob Modi bald den Platz des Premierministers einnehmen wird.

Kaum jemand spaltet die Nation der 1,2 Milliarden mehr als Modi. Anhänger, die mit Modi-Masken zu seinen Auftritten pilgern, sehen in ihm eine charismatische Führungsfigur.

Die Gegner des 62-Jährigen spielten im Wahlkampf kaum eine Rolle – er hat sie mit Missachtung, starrsinniger Entschlossenheit und einer riesigen PR-Maschine aufs Abstellgleis gezwungen.

Modi ignoriert Aufarbeitung von Massaker

Im Frühjahr 2014 wird in Indien landesweit gewählt. Die regierende Kongresspartei ist geschwächt: Sie ist in mehrere Korruptionsskandale verwickelt und Kronprinz Rahul Gandhi tritt nur widerwillig nach vorn.

Experten trauen der hindu-nationalistischen Volkspartei (BJP) zu, dann die Führung zu übernehmen – mit Modi an der Spitze. Bei dieser Vorstellung schlagen viele Kritiker die Hände über den Kopf.

Denn mit Hartnäckigkeit ignoriert Modi die Aufarbeitung des Massakers an Muslimen, das im Jahr 2002 unter seiner Regierung in Gujarat geschah. Nach einem Anschlag auf einen Zug mit hinduistischen Pilgern brach damals die Gewalt los: Unter den Augen der Sicherheitskräfte metzelten radikale Hindus mehr als 1000 Männer, Frauen und Kinder nieder.

Der Regierung Modi wird vorgeworfen, das Töten nicht nur nicht verhindert, sondern die Massen auch noch aufgehetzt zu haben.

"Der Lotus blüht wie nie zuvor"

Nach seiner Wiederwahl sagte Modi dazu nur: "Vergebt mir, wenn ich Fehler gemacht haben sollte." Verurteilt wurde er bisher nicht. Staaten wie die USA und Deutschland verweigern ihm aber seitdem die Einreise.

Bei diesem Wahlkampf sprach Modi keine lautstarken Anti-Muslim-Tiraden mehr aus. Doch im ganzen Bundesstaat stellte die BJP nicht einen einzigen Muslim als Kandidaten auf, obwohl diese laut letztem Zensus elf Prozent der Bevölkerung Gujarats ausmachen.

Vielmehr verweist Modi auf die wirtschaftlichen Erfolge seines Bundesstaates: Während Indien unter der hohen Inflation und einem sich abschwächenden Wirtschaftswachstum leidet, konnte er in seinem Bundesland massenhaft Industrie anlocken und verzeichnet zweistellige Wachstumsraten.

Oder, wie er es in seinem Blog sagt: "Der Lotus blüht wie nie zuvor in Gujarat."

Modis Verwaltung arbeitet zügig

Dass dabei der größte Teil der Landbevölkerung zurückbleibt und nicht genug Geld für Lebensmittel hat, ignoriert Modi. Vielmehr attestiert er sich selbst eine "gute Regierungsführung".

Als ihn das "Wall Street Journal" fragte, warum die Hälfte der Kleinkinder in Gujarat unterernährt sei, antwortete Modi: Die Mittelklasse ist mehr auf ihre Figur als auf ihre Gesundheit bedacht.

Ajay Dandekar, Professor an der Universität Gujarat, meint, gerade die wachsende Mittelklasse sei überall in Indien von Modi fasziniert. Denn seine Verwaltung arbeite zügig und relativ sauber – im Gegensatz zu vielen anderen Teilen Indiens.

Kommentatoren: Führungsstil problematisch

Auch können sich die Aufsteiger mit seiner Geschichte identifizieren. Modis Vater verkaufte Tee an einem Bahnhof, sagt sein Biograf Nilanjan Mukhopadhyay.

Deswegen sei der Junggeselle auch nicht in einem der Familienklüngel gefangen, die in der indischen Politik eine so große Rolle spielen.

Modis autoritärer Führungsstil und Personenkult könnten ihm allerdings auch zum Verhängnis werden, meinen Beobachter. "Solch ein Mann wird als Kopf einer Koalition in Neu Delhi armselig scheitern", meint ein Kommentator der "Times of India".

An der Spitze eines breit gefächerten Bündnisses führten seine Muskelspiele unweigerlich ins Verderben, schätzen die Experten: "Er wird von seinen Koalitionspartnern tagtäglich gedemütigt und in Stücke gerissen werden und wahrscheinlich mit eingezogenem Schwanz verschwinden müssen."

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