19.12.12

Nach Bus-Vorfall

Gruppenvergewaltigungen schüren Wut der Inder

In Indien bricht sich nach der Vergewaltigung in einem Bus die Wut Bahn. Während Menschen auf der Straße demonstrieren, finden die Behörden die nächsten Opfer von Massenvergewaltigungen.

Foto: dapd

Nach der Gruppenvergewaltigung einer 23-Jährigen gingen in Neu Delhi Demonstranten auf die Straße, um für eine härtere Bestrafung der Täter zu kämpfen
Nach der Gruppenvergewaltigung einer 23-Jährigen gingen in Neu Delhi Demonstranten auf die Straße, um für eine härtere Bestrafung der Täter zu kämpfen

Stunden dauerte die Qual. Die junge Frau liegt mit schweren inneren Verletzungen im Krankenhaus.

Doch während Wut und Empörung unzählige Demonstranten auf die Straße treiben, melden die Behörden schon die nächsten Opfer von Gruppenvergewaltigungen: In Bihar wurde am Mittwoch die Leiche einer misshandelten Zehnjährigen aus einem Kanal gefischt und eine 14-Jährige war nach abscheulichen Übergriffen in kritischem Zustand.

"Es ist krank, was in diesem Land passiert. Es ist absolut krank und muss aufhören!" fordert eine Demonstrantin in Neu-Delhi. Vor Polizeigebäuden, vor dem Parlament und vor der Universität strömen aufgebrachte Menschen zusammen und verlangen ein Durchgreifen der Behörden, um Mädchen und Frauen wirksam zu schützen.

Mit Straßensperren versuchen die Protestierenden, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. "Wir wollen die Menschen aufrütteln, die gemütlich in ihren Autos sitzen. Wir wollen, dass die Menschen den Schmerz nachempfinden, den Frauen jeden Tag erleiden müssen", sagt die Studentin Aditi Roy.

Eine Welle der Wut schwappt über ein Land, in dem Verbrechen gegen Frauen häufig nicht geahndet werden. Die "Times of India" widmete dem Fall am Mittwoch vier Seiten und verlangte, an den Tätern ein Exempel zu statuieren. Oppositionsabgeordnete fordern, Vergewaltigungen zum Kapitalverbrechen zu erklären, und die Regierung kündigt besseren Schutz, bessere Ausbildung der Polizei und stringente Strafverfolgung an.

Justiz kann nicht schrecken

Greifen können politische Maßnahmen nach Ansicht von Beobachtern aber nur, wenn die Stellung der Frauen sich ändert. Zuerst müssten Frauen als den Männern ebenbürtig geachtet werden, sagt die Soziologin Ranjana Kumari vom Zentrum für Gesellschaftsforschung in Neu-Delhi. Alle bisherigen Bemühungen hätten nicht gefruchtet, beklagt die Aktivistin Sehba Farooqui. "Wir haben uns heiser geschrien mit der Forderung nach mehr Sicherheit für Frauen und Mädchen. Aber die Regierung, die Polizei und andere, die für die öffentliche Sicherheit verantwortlich sind, haben die tägliche Gewalt gegen Frauen ignoriert."

Vielfach werden Vergewaltigungen erst gar nicht gemeldet – aus Angst, dass das Opfer mitsamt seiner Familie stigmatisiert wird. Oder aus Frust über Gängelungen durch die Polizei und die zu erwartenden Verzögerungen bei der Justiz. "In verschiedenen Gerichten des Landes sind Tausende Vergewaltigungsfälle anhängig", sagt Kumari.

Weil nichts vorangehe, hätten potenzielle Täter auch keine Furcht vor der Justiz. "Dieser Fall muss innerhalb von 30 Tagen behandelt werden", fordert sie mit Blick auf die Tortur der 23-Jährigen in Neu-Delhi. Vier der mutmaßlich sechs Täter, die die Frau vergewaltigten sowie sie und ihren Freund zusammenschlugen, sind festgenommen worden, nach den beiden anderen wird noch gefahndet.

Quelle: dapd/sara
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