19.12.12

Patriot-Einsatz

Deutsche Soldaten gegen Assads Scud-Raketen

2013 werden zwei deutsche "Patriot"-Raketenabwehrstaffeln im Südosten der Türkei stationiert. An der syrischen Grenze wartet auf die Bundeswehr eine explosive Situation mit einem nervösen Diktator.

Quelle: Reuters
18.12.12 2:11 min.
Ab dem kommenden Jahr sichert die Bundeswehr die türkische Grenze mit Abwehrraketen des Patriot-Systems gegen Angriffe aus Syrien. In Mecklenburg-Vorpommern wurde das Waffensystem vorgestellt.

Sieben große Lastwagen rauschen heran, Soldaten springen heraus. Jeder Handgriff sitzt, binnen weniger Minuten ist das Flugabwehrraketensystem "Patriot" einsatzbereit. Die Offiziere scheinen zufrieden, die jahrelange Ausbildung zeigt Früchte.

Das in Warbelow (Mecklenburg-Vorpommern) vorgestellte Übungsszenario der "Patriot"-Soldaten des Flugabwehrraketengeschwaders 1 kann bald Realität werden. Denn zwei "Patriot"-Staffeln aus den mecklenburgischen Kleinstädten Sanitz und Bad Sülze werden in Kürze in den türkischen Südosten verlegt. Dort sollen bis zu 400 deutsche Soldaten im Auftrag der Nato die Türkei gegen mögliche Raketenangriffe aus Syrien schützen.

"Wir sind gut auf den Einsatz vorbereitet", sagt der 31-jährige Hauptfeldwebel Timo R. "Und wenn der Bundestag entscheidet, uns irgendwohin zu entsenden, dann machen wir das." Dem Familienvater, den es vor einigen Jahren aus dem Sauerland ins Mecklenburgische verschlagen hat, gehen Worte wie Hilfe oder Bündnissolidarität leicht über die Lippen.

Aber: "Sicherlich ruft man nicht "Hurra", denn gerade auf die Familie kommt in den nächsten Monaten doch eine erhebliche Belastung zu." Nach Bundeswehrangaben sind für Soldaten zunächst drei Monate Einsatz beim Nato-Partner vorgesehen. "Meine Familie steht zu 100 Prozent hinter mir, das macht es mir relativ einfach", betont Timo.

Erst Afghanistan, jetzt Syrien

Bei ihm wie bei vielen anderen Soldaten ist Unsicherheit eines der beherrschenden Gefühle. Dabei geht es aber nicht um Angst vor einer unkalkulierbaren Eskalation des Konflikts in Syrien und eine Ausweitung auf die Türkei. Einige der Soldaten haben schon Einsätze in Afghanistan hinter sich. Eine derartige Konfliktsituation sieht derzeit niemand. Bei den meisten geht es eher um praktische Fragen des Lebens in den kommenden Monaten: Unterkunft, Verpflegung, Kontakte nach Hause zu Frauen und Kindern.

In der Türkei hat Timo zusammen mit dem gleichaltrigen Oberleutnant und Feuerleitoffizier Dan einen der wohl entscheidendsten Jobs in der Staffel. Beide sitzen in dem auf einem Lastwagen angebrachten Leitstand. "Bei uns laufen die Fäden zusammen."

Im Leitstand kommen alle Informationen an, das Radarbild ist zu sehen. "Wir führen den Feuerkampf", sagt der groß gewachsene Oberleutnant Dan. Damit will er sagen: Timo und er sind verantwortlich dafür, wenn "der Knopf" gedrückt werden muss. Unter bestimmten Umständen reagiert das System selbstständig, zum Beispiel wenn ein taktischer Flugkörper naht, der automatisch sein Ziel erkennt.

"Ich hoffe natürlich nicht, dass es soweit kommt", sagt Dan. Er sei zwar nicht "einsatzgeil", aber dennoch verspüre er einen gewissen Stolz, im ersten Einsatzkontingent dabei zu sein.

Es ist für die "Patriot"-Staffeln überhaupt das erste Mal, dass sie in einen realen Einsatz geschickt werden. Da wird viel die Routine helfen, die in zahlreichen Übungen der vergangenen Jahre erworben wurde.

Bisher nur Übungen

Erst vor wenigen Monaten hatten die Soldaten auf Kreta geübt und dabei die gewaltige Feuerkraft der "Patriot"-Flugabwehrraketen erlebt. "Auf Kreta weiß man aber, da fliegt man nach dem Üben wieder nach Hause", sagt der 34-jährige Hauptmann Steffen. Nun aber ist der Ernstfall angesagt.

Und der hält unter Umständen ziemlich unangenehme Ziele für die "Patriots" parat. Erst vor kurzem hat Machthaber Assad erstmals Scud-Raketen auf die Rebellen in Aleppo abfeuern lassen. Die Raketen russischer Bauart gelten zwar unter westlichen Militärs als veraltet, nur in den Händen des syrischen Diktators könnte aus dieser antiken Technik trotzdem eine Bedrohung werden. Denn es reicht eine Kurzschlussreaktion des isolierten Despoten und es könnte einen massiven Angriff geben.

Auf die Rebellen, auf Nachbarländer wie die Türkei und schlimmstenfalls mit chemischen Kampfstoffen an Bord einer Scud-Rakete.

Quelle: dpa/mac
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
title
Aktualisiert vor 5 MinutenLiveblog
Obama in Berlin – 100 Menschen mit Kreislaufproblemen behandelt

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia sind in Berlin und absolvieren ein eng getaktetes Tagesprogramm. Der Tag der Obamas im Liveblog. mehr...

U.S. first lady Michelle Obama and her daughters Sasha and Malia place flowers as they visit the Berlin Wall memorial in Bernauer Strasse in Berlin
Aktualisiert vor 8 MinutenFirst Lady
Michelle Obama in Berlin - Siesta im Hotel Ritz-Carlton

Michelle Obama absolviert mit den beiden Töchtern zum Teil ein eigenes Programm. Dabei könnte es einige Überraschungen geben. Der Tag der First Family in Liveblog. mehr...

Obama in Berlin
14:40Obama in Berlin
Michelle Obama und die Farben des Sommers - eine Stilkritik

Besonders Michelle Obama zieht mit ihrem Outfit die Blicke auf sich. Ihre Töchter Sasha und Malia stehen ihr da in nichts nach. Wir zeigen, wie stylish der Berlin-Ausflug der Präsidentenfamilie ist. mehr...


Absperrungen in Berlin
06:42Straßensperrungen
Die Verkehrslage in Berlin während des Obama-Besuchs

Straßen sind gesperrt, Busse werden umgeleitet, Bahnen fahren eingeschränkt: Berlin ist wegen des Staatsbesuches von Barack Obama im Ausnahmezustand. Eine Zusammenfassung der Verkehrseinschränkungen. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Berlin-Besuch Absperrungen und Hitze am Brandenburger Tor
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
Berlin-Besuch Obama von Bundespräsident Gauck empfangen
Berlin US-Präsident Obama erreicht das Ritz-Carlton
 
Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Eigenes Programm

First Lady Michelle Obama in Berlin

First Lady

Das ist die Stilikone Michelle Obama

Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote