13.12.12

Pakistan

Malalas Mitschülerinnen fürchten Taliban-Terror

Im Swat-Tal protestieren Schülerinnen gegen die Umbenennung ihrer Schule nach der Kinderrechtsaktivistin Malala Jusafzai. Sie fürchten, wie die 15-Jährige Opfer eines Taliban-Anschlags zu werden.

Foto: REUTERS

Nachdem der Umbenennung der Schule nach Malala Jusafzai reißt eine Mitschülerin das Foto der Kinderrechtsaktivistin von der Mauer des Gebäudes
Nachdem der Umbenennung der Schule nach Malala Jusafzai reißt eine Mitschülerin das Foto der Kinderrechtsaktivistin von der Mauer des Gebäudes

In Pakistan haben rund 150 Schülerinnen gegen die Umbenennung ihrer Schule nach der bei einem Taliban-Angriff schwer verletzten Aktivistin Malala Jusafzai protestiert.

Die Schülerinnen fürchteten, dass die Schule im Swat-Tal wegen des Namens zur Zielscheibe der Taliban werden könnte, sagte ein örtlicher Regierungsvertreter.

Die Mädchen blieben am Mittwoch dem Unterricht fern und zerrissen Fotos der 15-jährigen Namensgeberin ihrer Schule.

Nach Angaben des örtlichen Regierungsvertreters waren die Mädchen "sehr wütend und aggressiv". Sie hatten wiederholt von der Schulleitung die Entfernung der Namensplakette vom Schulgebäude gefordert, um nicht die Aufmerksamkeit der Taliban auf sich zu ziehen.

Malala wurde in den Kopf geschossen

Die Kinderrechtsaktivistin Malala war Anfang Oktober im Schulbus von zwei Mitgliedern der radikal-islamischen Taliban angegriffen und von Kugeln in Kopf und Schulter getroffen worden.

Sie überlebte knapp und erholt sich derzeit im Queen-Elizabeth-Krankenhaus im britischen Birmingham. Malala hatte vor drei Jahren damit begonnen, auf einer Blog-Seite der britischen Rundfunkgesellschaft BBC über Gräueltaten der Taliban im Swat-Tal zu schreiben. Sie setzte sich vor allem auch für das Recht auf Bildung für Mädchen ein.

Die Taliban hatten die Region im Nordwesten Pakistans im Jahr 2007 unter ihre Kontrolle gebracht und zahlreiche Mädchenschulen geschlossen und zerstört. Sie wurden zwar von der Armee vertrieben, doch die Anwohner trauen dem fragilen Frieden nicht.

Großteil der Mädchen ohne Schulbildung

Ein Bericht der Vereinten Nationen und der pakistanischen Regierung zeigt, dass in Pakistan allerdings immer noch der Großteil der Mädchen keine Schulbildung bekommt. Nahezu drei von vier Mädchen im entsprechenden Alter gingen nicht in die Grundschule, heißt es. Zudem sei die Zahl der Kinder, die das fünfte Schuljahr abschließen, gesunken.

Dass Mädchen das Recht auf Bildung verwehrt werde, sei der Anfang einer Reihe von Diskriminierung, Ausbeutung und Missbrauch der pakistanischen Frauen, heißt es in dem Bericht.

Hälfte der Kinder besucht keine Schule

Der Schulbesuch wird Mädchen in Pakistan den Angaben zufolge wegen traditioneller Familienpraktiken, Armut oder der Zerstörung von Schulen durch militante Kämpfer verwehrt.

Doch auch viele Jungen erhalten keine Bildung. Insgesamt gehe fast die Hälfte aller Kinder nicht in die Grundschule, heißt es in dem Bericht. Demnach sind 55 Prozent aller pakistanischen Erwachsenen Analphabeten, bei Frauen liegt der Anteil bei fast 75 Prozent.

Erst am Montag hatte Staatschef Asif Ali Zardari staatliche Gelder in Höhe von umgerechnet rund 7,7 Millionen Euro versprochen, damit bis 2015 alle Mädchen Zugang zu Bildung haben. Der Betrag soll in einen Fonds gehen, der im Namen von Malala Jusafzai eingerichtet wurde.

Quelle: afp/sogi
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