12.12.12

Tschechien

Vaclav Klaus, sein Vize und der Diener des Teufels

Petr Hajek, Vize des tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus, hat ein Buch über Ex-Präsident Havel als Satan und den Endkampf gegen das Völkergefängnis EU geschrieben – sein Chef ist begeistert.

Von Hans-Jörg Schmidt
Foto: privat

Petr Hajek hält die EU für „Satanswerk“, die Evolutionstheorie lehnt er ab
Petr Hajek hält die EU für "Satanswerk", die Evolutionstheorie lehnt er ab

Tschechen, die bislang so gar keine Idee für ein passendes Weihnachtsgeschenk hatten, können aufatmen: Präsident Vaclav Klaus hat ihnen auf die Sprünge geholfen und ihnen das neue Buch seines Vizekanzlers und Chefs der Presseabteilung, Petr Hajek, ans Herz gelegt.

Hajek, 61, gelernter Journalist, gründete und leitete nach 1989 ein beliebtes Prager Wochenblatt, bis es ihn in die Politik an die Seite von Klaus zog. Das hat ihn aber nie wirklich ausgefüllt, weshalb er sich immer wieder in Büchern über Gott und die Welt ausließ.

In seinem neuen Werk hat er nun sogar den Satan verortet – in Gestalt des vor Jahresfrist verstorbenen früheren Präsidenten Vaclav Havel, den er "Diener des Teufels" nennt. "Vaclav Havel – ob bewusst oder unbewusst, aber in jedem Fall aktiv - war ein Instrument der Kräfte des Bösen und des Hasses."

Die EU als Völkergefängnis

Havel sei ein "Moralist in der Theorie" gewesen, der in der Praxis jedoch nie von moralischen Skrupeln befallen worden wäre. Havels Konzeption habe direkt zu einem "faschistischen korporativen Staat" geführt – der Bürgergesellschaft.

Der von Havel befürwortete und von Klaus abgelehnte EU-Vertrag von Lissabon sei nichts anderes als "die Verfassung eines neuen Völkergefängnisses", ein "Satanswerk". Viel Zeit für den "Endkampf" dagegen bleibe nicht mehr.

Klaus hat jetzt das Werk aus der Feder seines Vorzimmerlöwen gelesen und ist des Lobes voll: "Das ist ein bemerkenswertes Buch, das sich toll liest und Pflichtliteratur werden sollte."

Ritterschlag vom Chef

Auch wenn er manche Worte anders gewählt hätte als Hajek, habe dieser doch die historische Rolle Havels in einer treffenden Weise beschrieben, die er "im Grundsatz" teile. Mehr Ritterschlag vom Chef geht nicht.

Hajek hat wiederholt für Aufsehen gesorgt. So bezweifelte er unter anderem die Existenz Osama Bin Ladens: "So, wie er geboren und gestorben ist – unter fast mystischen Umständen – das ist ein modernes Märchen für Erwachsene über Gut und Böse." Auch die Terrorangriffe vom 11. September 2001 mit mehreren Tausend Toten haben Hajek zufolge die USA "selbst inszeniert".

Schlagzeilenträchtig war auch seine Verurteilung von Homosexuellen. Die nannte er "abartig, abweichend von der Norm". Hajek lehnt zudem Darwin und die Evolutionstheorie ab. Er jedenfalls, so der Vizekanzler, stamme "mit Sicherheit nicht vom Affen ab".

Tschechische politische Folklore

Tschechische Kommentatoren haben Präsident Klaus lange Zeit immer wieder nahe gelegt, sich von Hajek zu trennen. Doch für die ist er mittlerweile längst zum "Hofnarren" mutiert, zu einem festen Bestandteil der "seltsamen tschechischen politischen Folklore".

Die Amtszeit von Hajek – wie auch die seines Dienstherrn Klaus – endet im kommenden Frühjahr. Dann hat Hajek noch mehr Zeit, neue "Pflichtliteratur" zu verfassen.

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