12.12.12

Pier Luigi Bersani

"Italiener werden ihr Urteil über Berlusconi fällen"

Der Spitzenkandidat des italienischen Mitte-Links-Bündnisses geht davon aus, dass sich die Italiener für Europa und gegen Berlusconi entscheiden werden. Zugleich fordert er mehr Solidarität ein.

Foto: REUTERS

Pier Luigi Bersani zieht für die Demokratische Partei (PD) in den Wahlkampf
Pier Luigi Bersani zieht für die Demokratische Partei (PD) in den Wahlkampf

Während Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi mit lauter, antideutscher Polemik den italienischen Wahlkampf eröffnet, gibt sich der Spitzenkandidat des Mitte-Links-Bündnisses eher leise: Pier Luigi Bersani (61) will die Reformpolitik und die Konsolidierung fortführen, die der gerade zurückgetretene Mario Monti begonnen hat. "Jedes Glück hat seinen Preis", sagte der Spitzenkandidat der Demokratischen Partei PD für das Mitte-Links-Bündnis der Berliner Morgenpost zu der schwierigen Aufgabe, Italien aus der Krise zu führen.

In den Umfragen liegen Bersani und seine Partei weit vor dem rechten Lager. Bersani beteuerte seinen Willen, Montis Reformen entschieden voranzutreiben, aber auch mehr europäische Integration, gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik und Solidarität einzufordern: "Wir sitzen alle im selben Zug. Der stärkste Kontinent der Welt darf nicht zu einem Problem für die ganze Welt werden!"

Keine Angst vor einem Berlusconi-Comeback

Ein Comeback seines mutmaßlichen Konkurrenten Silvio Berlusconi fürchtet Bersani nicht: "Er ist nicht zurück, er versucht es. Aber er wird es nicht schaffen!" sagte Bersani. "Die Italiener werden ihr Urteil über ihn fällen und sie werden sich für Europa entscheiden."

Die Erneuerung der italienischen Demokratie sei jetzt das Thema und sie habe mehrere Gegner: den Populismus, Berlusconi, die Lega Nord und den ehemaligen Humoristen Beppe Grillo. Das seien die eigentlichen Herausforderungen dieser Wahlen.

"Wir wollten Mario Monti an der Regierung. Nun wollen wir die Agenda Monti nicht nur fortführen, sondern noch mehr Reformen anschieben. Ich werde den Italienern einen weiteren Kraftakt abfordern, um Italien in Europa einen festen Platz zu sichern." Die Bürokratie solle verschlankt, Justiz und Verwaltung effizienter werden. Alte Übel wie Steuerhinterziehung, Korruption und Kriminalität will Bersani noch entschiedener bekämpfen.

Appell für mehr gemeinsame Politik

Der Euro sei "eine große Chance für alle" gewesen. Dass sie in den ersten zehn Jahren nicht genutzt wurde, sei Berlusconis Schuld. Aber auch die Deutschen müssten einsehen, dass ihnen der Euro eine einmalige Chance verschafft habe.

"Nun, wo der Euro unter Beschuss geraten ist, brauchen wir mehr gemeinsame Politik. Wir brauchen eine, wenigstens teilweise, europäische Wirtschaftspolitik, gemeinsame Kontrollsysteme bei Haushalt und Finanzen mit einer Auflage: Koordinieren sollen Regierungen und Parlamente, nicht Europa-Bürokraten."

Man müsse Schulden jedenfalls zum Teil gemeinsam tragen, etwa in Form von Eurobonds, um die Zinsen zu senken und Wirtschaft und Arbeitsmarkt anzukurbeln. "Denn in Italien zahlen wir auch für eine Krise, für die wir nicht die gesamte Verantwortung tragen."

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