11.12.2012, 16:11

Ägypten Mursi-Gegner stürmen Sperren am Präsidentenpalast


Ein Mursi-Gegner versucht, die Barrikaden vor dem Präsidentenpalast zu überwinden. Später wichen die Soldaten vor Demonstranten, die die Sperren stürmten, zurück

Foto: MARCO LONGARI / AFP

Ägyptens Islamisten und ihre politischen Gegner wollen neue Gewalt verhindern – doch die Lage ist angespannt. Am Nachmittag stürmten Demonstranten die Absperrungen vor Mursis Palast.

Im ägyptischen Verfassungsstreit haben sich Islamisten und ihre politischen Gegner auf einen neuen Schlagabtausch vorbereitet. Den Ausbruch neuer Gewalt wollen sie aber vermeiden. Die Gegner von Präsident Mohammed Mursi trafen in Kairo und Alexandria Vorbereitungen für Massenproteste gegen das an diesem Samstag geplante Verfassungsreferendum.

Die Organisatoren erklärten, sie hätten die Routen für ihre Protestmärsche so gewählt, dass Zusammenstöße mit den Islamisten vermieden würden. Die Islamisten versammelten sich unterdessen in Kairo in zwei Moscheen zu Solidaritätskundgebungen für Mursi.

Am Nachmittag haben mehrere Hundert Mursi-Gegner die Absperrung zum Präsidentenpalast durchbrochen. Es gab keine gewaltsame Auseinandersetzung mit den anwesenden Soldaten, die vor den Demonstranten zurückwichen.

Richter sind sich nach wie vor uneins

Vor dem Verfassungsreferendum sind sich die Richter nach wie vor uneins: Nach Angaben aus Justizkreisen entschieden sich einige Berufsverbände für einen Boykott. Andere, unter ihnen der Verband der Richter des Staatsrates, erklärte sich bereit, den Urnengang zu überwachen.

In der Stadt Luxor hatten die Islamisten bereits am Montagabend demonstriert. Sie riefen: "Das Volk will die Einführung der Scharia." Außerdem forderten sie die Passanten auf, bei der Volksabstimmung für die Verfassung zu stimmen.

Die säkularen Parteien in der südlichen Stadt Assiut beschlossen, ihre für den Abend geplante Protestaktion um einen Tag zu verschieben. Nach Angaben lokaler Medien wollen sie damit gewaltsame Zusammenstöße mit dem politischen Gegner vermeiden.

Schießerei auf dem Tahrir-Platz

Bei einer Schießerei auf dem von Demonstranten besetzten Tahrir-Platz in Kairo wurden am frühen Morgen neun Menschen verletzt. Staatliche Medien berichteten, nach einem Streit zwischen Demonstranten und Straßenhändlern seien Schüsse gefallen.

Das Nachrichtenportal "youm7" meldete, ein Islamist sei an den Folgen von Verletzungen gestorben, die er sich bei der Straßenschlacht zwischen Mursi-Gegnern und Muslimbrüdern vor dem Präsidentenpalast am Mittwoch vergangener Woche zugezogen hatte.

(dpa/AFP/mcz)
So, 09.12.2012, 11.37 Uhr

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi streicht nach tagelangen Ausschreitungen seine umstrittenen Sonderrechte. Das Referendum über eine neue Verfassung soll aber wie geplant am 15. Dezember stattfinden.

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen
Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter