06.12.12

Kairo

Vor Ägyptens Präsidentenpalast gehen Panzer in Stellung

Bei Straßenschlachten in Kairo sterben mindestens drei Menschen, 300 werden verletzt. Präsident Mursi kündigt eine Rede an.

Foto: REUTERS

Polizeikräfte vor dem Präsidentenpalast in Kairo trennen Islamisten und Mursi-Anhänger. Bei den Zusammenstößen sterben mindestens drei Menschen
Polizeikräfte vor dem Präsidentenpalast in Kairo trennen Islamisten und Mursi-Anhänger. Bei den Zusammenstößen sterben mindestens drei Menschen

Nach Krawallen in Kairo ist die Republikanische Garde am Donnerstag mit Panzern vor dem Präsidentenpalast aufgefahren. Das verlautete aus Sicherheitskreisen in der ägyptischen Hauptstadt.

Ein Sprecher betonte, es handele sich nicht um Soldaten der Armee. Nach den Ausschreitungen zwischen Oppositionellen und Anhängern der regierenden Islamisten-Parteien war in Ägypten über einen möglichen Militärputsch spekuliert worden.

In der Nacht sind bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Mohammed Mursi nach Angaben des Innenministeriums mindestens drei Menschen getötet worden. Zudem habe es bei den Straßenschlachten vor dem Präsidentenpalast 276 Verletzte gegeben, hieß es. Es waren die bislang schlimmsten Unruhen seit Beginn der jüngsten Krise am 22. November, als sich Mursi mit Dekreten fast unbeschränkte Machtbefugnisse sicherte.

10.000 Islamisten versammeln sich vor Präsidentenpalast

Bei Sonnenuntergang am Mittwoch hatten sich etwa 10.000 Islamisten vor dem Präsidentenpalast versammelt. "Möge Gott Ägypten und seinen Präsidenten schützen", war auf einem Transparent zu lesen. "Wir sind gekommen, um den Präsidenten zu unterstützen", sagte der Ingenieur Rabi Mohammed. "Es gibt Leute, die mit ihrem rücksichtslosen Vorgehen demokratische Prinzipien verletzen."

Die Krawalle begannen am Mittwoch, als Tausende Islamisten die Gegend um den Palast stürmten, wo 300 Gegner Mursis einen Sitzstreik abhielten. Am Vorabend hatten sich mehr als 100.000 Ägypter an einem Protestmarsch zum Amtssitz des Staatschefs beteiligt und ihrer Verärgerung über die Machtausweitung Mursis Luft gemacht.

Die Protestaktion unter dem Motto "Die letzte Warnung" richtete sich auch gegen die Übermacht der Islamisten und ihren im Eilverfahren durchgeboxten Verfassungsentwurf.

Mursi kündigt via Twitter eine Rede an

In den Städten Ismailija und Suez zogen nach Angaben von Zeugen hunderte Menschen vor Büros der Muslimbruderschaft, Mursis politischer Heimat, und steckten diese in Brand.

Vier Politiker aus dem unmittelbaren Umfeld des Präsidenten erklärten ihren Rücktritt. Amtlichen Angaben zufolge handelt es sich um die Mitglieder seines Beraterstabs Amr al-Leithi, Seif Abdel Fattah, Aiman al-Sajjad und Esmat Seif Eddawla.

Die Muslimbrüder kündigten über den Kurznachrichtendienst Twitter an, dass Mursi am Donnerstag zur Nation sprechen werde. In der Rede werde es unter anderem um Wege zur Beilegung der derzeitigen Krise gehen.

Al-Baradei weist Angebot von Mursis Stellvertreter zurück

Vizepräsident Mahmud Mekki rief die Opposition zum Dialog über die umstrittene Verfassungsreform auf. Bei seinem Appell handele es sich um eine persönliche Initiative, sagte er. Der oppositionelle Aktivist und Friedensnobelpreisträger Mohamed El-Baradei wies das Angebot von Mursis Stellvertreter zurück.

"Bei allem nötigen Respekt – wir beschäftigen uns nicht mit privaten Vorstößen. Wenn es einen echten Wunsch nach einem Dialog gibt, muss das Angebot von Präsident Mursi kommen", sagte der prominente Oppositionelle.

Am Rande eines Treffens der Nato-Außenminister in Brüssel forderte US-Außenministerin Hillary Clinton von den ägyptischen Konfliktparteien einen "beiderseitigen Dialog". Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und der britische Außenminister William Hague erklärten, die Vorgänge in Ägypten bereiteten ihnen "Sorge".

Quelle: dpa/dapd/bee
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