06.12.12

Militärplanung

Syrien soll Fliegerbomben mit Nervengift vorbereiten

Das syrische Militär ist laut amerikanischen Regierungsbeamten für den Einsatz von Chemiewaffen bereit. Es fehle nur noch der Befehl von Präsident Assad, die Waffen gegen Rebellen einzusetzen.

Foto: AFP

Noch sollen die Chemiewaffen nicht an Bord syrischer Kampfflugzeuge sein – doch die Bomben sollen bereits vorbereitetet sein
Noch sollen die Chemiewaffen nicht an Bord syrischer Kampfflugzeuge sein – doch die Bomben sind nach US-Informationen offenbar vorbereitetet

Das syrische Regime soll nach Informationen des US-Fernsehsenders NBC den Einsatz von Fliegerbomben mit tödlichem Nervengift vorbereiten. Das Militär warte auf den Befehl von Präsident Baschar al-Assad, solche Chemiewaffen gegen aufständische Bürger einzusetzen, meldete der Sender unter Berufung auf namentlich nicht genannte amerikanische Regierungsbeamte.

Die vorbereiteten Bomben seien aber noch nicht an Bord syrischer Kampfflugzeuge. Sollte Assad den Einsatzbefehl geben, könne die Welt nach Aussage eines US-Beamten "wenig unternehmen, um das zu stoppen." Die Nato hatte Assad bereits mit Konsequenzen gedroht, sollte er zu Chemiewaffen greifen.

US-Außenministerin Hillary Clinton warnte Assad am Mittwoch erneut vor einem solchen Schritt. "Unsere Sorge ist, dass ein zunehmend verzweifelter Assad auf Chemiewaffen setzt oder die Kontrolle über diese Waffen an eine der vielen Gruppen verliert, die jetzt in Syrien operieren", sagte sie in Brüssel nach Beratungen der Nato-Außenminister.

Die Nato-Staaten seien sich "absolut einig in der unmissverständlichen Botschaft, dass damit eine rote Linie überschritten würde und dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden".

Kräfteverhältnis hatte sich etwas verschoben

Die Befürchtungen hinsichtlich eines Chemiewaffeneinsatzes waren in den vergangenen Tagen angesichts militärischer Erfolge der syrischen Opposition gewachsen. Die Truppen Assads geraten im Kampf gegen die Aufständischen zunehmend in die Defensive.

Die Rebellen erklärten am Mittwoch, sie hätten nach sechstägiger Belagerung einen Militärflughafen im Umland der Hauptstadt Damaskus eingenommen. Das Kräfteverhältnis hatte sich etwas verschoben, nachdem sich die Rebellen vor einigen Wochen Luftabwehr-Waffen beschaffen konnten.

Am Mittwoch starben landesweit mindestens 100 Menschen, berichteten die Regimegegner. Am Dienstag seien 160 Menschen getötet worden, meldete die in London ansässige Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter. Unter den Toten sollen 40 Soldaten sein.

Keine Anhaltspunkte für konkrete Asylangebote

Die USA traten Spekulationen entgegen, dass es bereits konkrete Asylangebote für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gebe.

Ungeachtet von Berichten über mehrere Kontaktaufnahmen Assads in Lateinamerika gebe es keine Anhaltspunkte für ein formelles Angebot, den Diktator aufzunehmen. Das erklärte der Sprecher des Außenministeriums in Washington, Mark Toner.

Der US-Regierung sei bekannt, dass Assads Mitarbeiter Kontakt zu Ländern wie Kuba, Venezuela und Ecuador aufgenommen hätten. Sie kenne jedoch keine Details. Die USA hätten den betreffenden Ländern klargemacht, dass sie Verantwortung gegenüber der syrischen Bevölkerung trügen.

Bericht über militärisches Eingreifen der Nato

In der Nato-Führung wird einem Medienbericht zufolge bereits über ein militärisches Eingreifen in den Konflikt nachgedacht. Zwischen mehreren europäischen Außenministern und dem Generalsekretär des Militärbündnisses, Anders Fogh Rasmussen, habe es bei einem informellen Abendessen am Dienstag zu diesem Thema eine heftige Auseinandersetzung gegeben, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstag.

Laut Teilnehmern sagte Rasmussen demnach unter Hinweis auf US-Geheimdienstberichte über syrische Chemiewaffen, die Nato könne den "Kopf nicht weiter in den Sand stecken".

Unter den Ministern wurde dies dem Bericht zufolge als Versuch Rasmussens gewertet, den Weg für die militärische Führung zu öffnen, Pläne für ein direktes oder indirektes Eingreifen in Syrien zu entwickeln. Er wurde demnach von den USA, Großbritannien und der Türkei unterstützt.

Deutschland ist gegen den Vorstoß

Gegen den Vorstoß hätten sich mehrere europäische Länder, darunter Deutschland, die Niederlande und Tschechien, gewandt. Sie hätten vor einer Überbewertung der angeblichen Geheimdiensterkenntnisse gewarnt und darauf bestanden, dass der Konflikt in Syrien nur friedlich und nur über die Vereinten Nationen gelöst werden könne, heißt es in der "SZ".

Die Nato hatte am Dienstag grünes Licht für die Stationierung von Patriot-Raketenabwehrsystemen in der Türkei gegeben und zugleich den "defensiven Charakter" der Maßnahme betont.

Die Türkei hatte die Stationierung Ende November als Schutzmaßnahme gegen mögliche Angriffe aus Syrien beantragt, nachdem die Spannungen mit Damaskus zugenommen und wiederholt Granaten von syrischem Gebiet in der Türkei eingeschlagen waren.

Kreise sprechen von 400 Bundeswehrsoldaten

An dem Patriot-Einsatz in der Türkei soll sich auch die deutsche Bundeswehr beteiligen. Das Bundeskabinett entscheidet am Donnerstag ab 8 Uhr über die deutsche Beteiligung. Dazu sollen "Patriot"-Raketenabwehrstaffeln der Bundeswehr entlang der Grenze stationiert werden. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwochabend aus Sicherheitskreisen erfuhr, könnte der Einsatz mit 400 Bundeswehrsoldaten deutlich umfangreicher ausfallen als vermutet.

Der Bundestag soll bereits kommende Woche über die Mission abstimmen. Mit dem Mandat soll auch der Einsatz von Awacs-Aufklärungsflugzeugen abgedeckt werden, die ohnehin schon in der Region stationiert sind. Die Hightech-Flieger sind zu einem großen Teil mit deutschen Soldaten besetzt.

Zu einer "Patriot"-Batterie gehören bis zu acht mobile Abschussrampen mit jeweils bis zu acht Raketen, ein Radargerät und ein Gefechtsstand. Für den Betrieb sind etwa 85 Soldaten notwendig.

Schutz türkischen Gebiets

Wie viele deutsche Staffeln tatsächlich in den Einsatz geschickt werden, ist noch unklar. Bisher war von zweien die Rede. Die Zahl der Soldaten, die tatsächlich in den Einsatz geschickt werden, könnte also deutlich unter 400 liegen.

Die "Patriot"-Raketen mit einer Reichweite von 68 Kilometern sind für die Abwehr von Flugzeug-, Raketen oder Drohnenangriffen geeignet. Der Einsatz soll ausschließlich dem Schutz türkischen Gebiets dienen. Zur Durchsetzung einer Flugsverbotszone über Syrien dürfen die "Patriot"-Raketen nicht eingesetzt werden.

Quelle: dpa/AFP/mcz
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Anschlag in Ottawa "Kanada wird sich niemals einschüchtern lasse…
Es wird kalt Plötzlich Winter - erster Schnee in Deutschland
Tarifstreit Bahn verhandelt mit EVG statt GDL
Anschlag in Kanada Video zeigt Schießerei zwischen Polizei und Täter
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großbritannien

Ein Hauch von Bauch – Auftritt von schwangerer…

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote