03.12.12

Pier Luigi Bersani

Ein Ex-Kommunist greift in Rom nach der Macht

Pier Luigi Bersani ist ein alter Hase der Politik und könnte bald Italiens Premier werden: Er hat die Urwahl des Mitte-Links-Bündnisses gewonnen und setzt auf Erfahrung. Die Linke ist im Aufwind.

Foto: Reuters

Früherer Kommunist mit liberalem Anstrich und Zigarre: Pier Luigi Bersani
Früherer Kommunist mit liberalem Anstrich und Zigarre: Pier Luigi Bersani

Er ist ein pragmatischer Linker mit wirtschaftlicher Kompetenz, erfahren im römischen Gerangel um Macht und Einfluss. Der Norditaliener Pier Luigi Bersani (61), Chef der Mitte-Links-Partei PD (Partito Democratico), hat sich bei den Urwahlen überraschend klar als Kandidat für das Amt des italienischen Premiers durchgesetzt. Das tief in der Rezession steckende Land wählt im Frühjahr sein Parlament neu. Solange ist der parteilose Mario Monti Italiens Regierungschef.

Bersani will versuchen, in der Folge linker Premiers wie zuletzt Romano Prodi in den Regierungspalazzo Chigi in Rom einzuziehen. Seine Chancen sind zwar durchaus nicht schlecht. Die derzeitige politische Gemengelage Italiens mit einem nicht vom Volk gewählten Technokraten Monti ist allerdings noch ziemlich unübersichtlich. Das Land steht jedenfalls vor einer spannenden Wahl, bei der auch der im November 2011 abgetretene Silvio Berlusconi doch nochmals mitmischen könnte.

Pier Luigi Bersani ist ein Mann des linken Establishments, ein ganz "normaler", bodenständiger, etwas paternalistischer Politiker aus Bettola bei Piacenza in der Emilia-Romagna. Er zeigt sich gern mit dicken toskanischen Zigarre zwischen den Lippen. Dies ist eines seiner Markenzeichen, verleiht im etwas Staatsmännisches.

SPD-Parteichef Sigmar Gabriel etwa schätzt seinen Kollegen, den studierten Philosophen aus einfachen Verhältnissen. Wird mit Bersani ein früheres Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens nach einem Wahlsieg Premierminister?

Einen Generationenwechsel gibt es nicht

Erst Regionalpräsident im Norden, entwickelte er sich zu einem der linken Hoffnungsträger in einem stark von Silvio Berlusconi geprägten nationalen Umfeld. Zwischen 1996 und 2008 sammelte Bersani dann unter drei Mitte-Links-Regierungen als Minister für Industrie, Transport und Wirtschaft Erfahrungen und Lorbeeren, vor allem als Reformer und Liberalisierer. Bei der vor fünf Jahren gegründeten "Demokratischen Partei" PD kamen als Chefs zwar zunächst Walter Veltroni und danach Dario Franceschini ans Ruder. Im Oktober 2009 übernahm dann Bersani.

In der Urwahl, die nicht zuletzt auch von der hohen Beteiligung her ein Erfolg war, setzte sich Bersani deutlich gegen den um Jahrzehnte jüngeren Matteo Renzi (37) durch. Einen Generationenwechsel gibt es also nicht. In einer TV-Direktkonfrontation hatte der Florentiner Bürgermeister, angetreten als unideologischer Modernisierer, zwar die bessere Figur gemacht. Bersani punktete mit einem ruhigen Auftritt, ganz der abgeklärte Politiker.

Zuverlässig will er wirken und die Wahlen auch nicht gewinnen, indem er den Italienern jetzt "Märchen" erzählt.

Das Mitte-Links-Bündnis, zu dem noch eine Reihe kleinerer Parteien und Gruppen zählen, hat sich in den vergangenen zwölf Monaten zu der ersten Kraft in Italien gemausert. In Umfragen liegt der PD allein weit vor allen anderen. Heillos zerstritten und weit abgeschlagen ist Berlusconis einst starke Mitte-Rechts-Partei PdL (Volk der Freiheit).

Bersani – "Das Schwierige beginnt jetzt"

Der von Staatspräsident Giorgio Napolitano eingesetzte Monti habe Italien in der Welt wieder glaubwürdig gemacht, das sei unumkehrbar, so hatte Bersani der Nachrichtenagentur dpa in einem Interview gesagt: Eine von seiner Partei geführte Regierung werde aber versuchen, "mehr Fairness, mehr Rechte und mehr Jobs zu schaffen." Sonst bleibe das Land im Notstand.

Wachstumsmaßnahmen nach dem harten Sparkurs Montis, Kampf der Steuerhinterziehung und eine Steuerpolitik für mehr Beschäftigung, Jobs für die jüngere Generation – das sind Ziele des pro-europäischen Bersani. Im Ausland dürfte er sich rasch bekannter machen. Reisen in die Hauptstädte Paris, London und Berlin sollen in Planung sein.

"Das Schwierige beginnt jetzt", sagte Bersani nach dem Urwahlsieg. Er muss das Bündnis zusammenschweißen, so breit wie möglich machen – und mit einer großen Unbekannten rechnen: Mario Monti. Denn es ist noch völlig unklar, ob sich nach den Parlamentswahlen nicht doch eine Mehrheit für eine Rückkehr des Reformers in den Palazzo Chigi findet.

Bersani stützt den früheren EU-Kommissar Monti in seiner Arbeit, will ihn aber nicht in das Amt zurückkehren sehen. Ist doch Monti bereits für eine höhere Aufgabe im Gespräch. Denn das "Belpaese" sucht im kommenden Jahr schon bald nach den Parlamentswahlen auch einen Nachfolger für Staatschef Napolitano.

Quelle: dpa/AFP/mcz
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