03.12.12

Extremismus

Ungarn demonstrieren gegen Antisemitismus

Nachdem ein rechtsextremer Politiker im Parlament eine "Judenliste" gefordert hatte, protestierten am Sonntag Tausende gegen den Antisemitismus in Ungarn. Die Regierung unterstützt den Protest.

Foto: dapd

Tausende Ungarn demonstrierten am Sonntag gegen Marton Gyongyosi. Der Politiker der rechtsextremen Jobbik-Partei hatte die Einführung einer „Judenliste“ in Ungarn gefordert
Tausende Ungarn demonstrierten am Sonntag gegen Marton Gyongyosi. Der Politiker der rechtsextremen Jobbik-Partei hatte die Einführung einer "Judenliste" in Ungarn gefordert

Mehrere tausend Menschen haben am Sonntag in Ungarn gegen nationalsozialistische Tendenzen in ihrem Land protestiert. Anlass der Kundgebung, zu der jüdische Gruppen und Bürgerrechtler aufgerufen hatten, war eine Rede des rechtsextremen Politikers im Parlament, in der er sich dafür ausgesprochen hatte, alle Juden im Hinblick darauf überprüfen zu lassen, ob sie eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellten.

Regierung und Opposition vereint

Zu der Demonstration vor dem Parlament kamen Politiker von Regierung und Opposition. Gyongyosi hatte am Montag erklärt, es sei an der Zeit, festzustellen, wie viele Menschen jüdischen Ursprungs im Parlament und in der Regierung seien, die eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellten.

Später entschuldigte sich Gyongyosi bei "unseren jüdischen Landsleuten". Gleichzeitig fügte er hinzu, Ungarn müsse wachsam sein im Hinblick auf das zionistische Israel und "denen, die ihm von hier aus dienen".

Boykott angekündigt

Im Holocaust, der von den Nationalsozialisten betriebenen Vernichtung der europäischen Juden, wurden schätzungsweise 550.000 ungarische Juden umgebracht.

Der Vorsitzende der ungarischen Sozialisten, Attila Mesterhazy, kündigte an, seine Partei werde alle Sitzungen des außenpolitischen Ausschusses des Parlaments boykottieren, so lange Gyongyosi dessen stellvertretender Vorsitzender sei.

Quelle: dapd/fbr
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