01.12.12

Pro-Mursi-Demo

Ägyptens Muslimbrüder demonstrieren ihre Macht

Nach den tagelangen Protesten gegen Ägyptens Präsident Mursi schlagen die Muslimbrüder zurück: Zehntausende demonstrieren für mehr Scharia.

Foto: dpa

Unter Mursis Anhängern waren nicht nur Muslimbrüder, sondern auch Salafisten
Unter Mursis Anhängern waren nicht nur Muslimbrüder, sondern auch Salafisten

Auf die heftigen Proteste gegen Ägyptens Präsidenten Mohammed Mursi reagieren die Islamisten mit einer Machtdemonstration. Zehntausende Anhänger des Staatsoberhauptes strömten am Samstag aus dem ganzen Land in die Hauptstadt Kairo, um dessen Regierungsstil zu unterstützen. Unter dem Motto "Gesetzlichkeit und Scharia" forderten sie einen größeren Einfluss des islamischen Rechts auf den Alltag in Ägypten.

Nach Angaben der Muslimbruderschaft – aus deren Reihen Mursi kommt – riefen 23 Parteien und Bewegungen zu der Veranstaltung für "Gesetzlichkeit und Scharia" auf, neben anderen auch die Salafisten. Viele Anhänger der Islamisten wurden in Bussen zum Kundgebungsort vor der Kairoer Universität gebracht. Auf Transparenten und Plakaten stellten sie sich hinter den neuen Verfassungsentwurf und die Entmachtung der Richter. Demonstranten forderten: "Säubere das Land – und wir sind mit Dir, unser Führer" und stellten klar: "Der Koran ist unsere Verfassung."

Westerwelle besorgt über Entwicklungen in Ägypten

Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich besorgt über die Lage am Nil. Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte der FDP-Politiker, dass der "Verfassungsprozess derzeit Gefahr läuft, die Gesellschaft zu spalten statt zu einen". Es sei problematisch, dass sich wichtige gesellschaftliche Gruppen wie Säkulare und Christen außen vor fühlten. Grundlage für eine dauerhafte und friedliche Entwicklung in Ägypten könne nur eine "pluralistisch angelegte Verfassung" sein.

Gegner des Staatsoberhauptes setzten derweil in geringerer Zahl ihren Protest auf dem zentralen Tahrir-Platz auf der anderen Seite des Nils fort. In der Hafenstadt Alexandria kam es nach Angaben der ägyptischen Tageszeitung "Al-Masry Al-Youm" zu Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis. Laut Bericht wurden zehn Menschen verletzt.

Strengere Auslegung des islamischen Rechts befürchtet

Der Streit um die künftige ägyptische Verfassung und Mursis autoritärer Führungsstil haben das Land zutiefst gespalten. Am frühen Freitagmorgen hatte die von Islamisten beherrschte Verfassungsgebende Versammlung im Schnellverfahren alle 234 Artikel eines Entwurfs gebilligt, mit dem die Rolle der islamischen Religionsgelehrten bei der Gesetzgebung gestärkt werden soll. Kritiker befürchten eine strengere Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia, die weiterhin wichtigste Quelle der Gesetzgebung bleibt.

In einem Referendum sollen die Ägypter innerhalb von zwei Wochen über die Verfassung abstimmen, die in Abwesenheit der christlichen Parlamentarier sowie vieler liberaler und linker Abgeordneter erarbeitet wurde. Diese hatten das Gremium zuvor aus Protest gegen die islamistische Dominanz verlassen.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter erklärten die Muslimbrüder, sowohl die Gegner des Verfassungsentwurfes als auch die Befürworter hätten sich laut und deutlich geäußert. Nun sei die Zeit, das Volk an der Wahlurne entscheiden zu lassen, in welche Richtung das Land gehen solle. Einer Mehrheit für den Entwurf der Islamisten gilt als sicher.

Quelle: dpa/ap
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