30.11.12

Wikileaks-Informant

Manning bat in Hab-Acht-Stellung um Klopapier

Der mutmaßliche Wikileaks-Informant Bradley Manning hat vor Gericht sein Schweigen gebrochen. Der US-Soldat berichtete von Suizidgedanken und Schikanen: Selbst die Brille sei ihm weggenommen worden.

Foto: dapd

In dieser Gerichtszeichung beschreibt Bradley Manning (r.) die Haftbedingungen in Quantico
In dieser Gerichtszeichung beschreibt Bradley Manning (r.) die Haftbedingungen in Quantico

Der mutmaßliche Wikileaks-Informant Bradley Manning hat in der Voranhörung zu seinem Prozess erstmals selbst ausgesagt. Nach seiner Festnahme im Irak 2010 sei seine Welt zusammengebrochen. Er habe mehrfach an Selbstmord gedacht, sagte der 24-Jährige vor einem Militärgericht in Fort Meade.

Dem Soldaten wird vorgeworfen, geheime US-Militärdokumente zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan sowie rund 260.000 vertrauliche Depeschen der US-Diplomatie an die Enthüllungswebsite Wikileaks weitergegeben zu haben. Er soll die geheimen Daten während seiner Stationierung im Irak von Militärrechnern heruntergeladen haben.

Mannings Verteidigung argumentiert, allein wegen der harten Haftbedingungen Mannings müsse ihr Mandant freigesprochen werden.

"Meine Welt brach zusammen"

Kurz nach seiner Festnahme im Mai 2010 war Manning zunächst in Kuwait und dann für neun Monate in Quantico im US-Bundesstaat Virginia in Untersuchungshaft, bevor er nach heftigen Protesten der Öffentlichkeit ins Gefängnis von Fort Leavenworth (Kansas) verlegt wurde. Dort wurden seine Haftbedingungen deutlich gelockert.

In Kuwait sei er in einer 1,80 mal 2,40 Meter großen Zelle eingesperrt und völlig von der Außenwelt abgeschnitten gewesen, sagte Manning in seiner fünfstündigen Anhörung aus. Immer wieder sei seine Zelle durchsucht und verwüstet worden. "Meine Welt brach zusammen, ich begann, völlig aus dem Gleichgewicht zu geraten", berichtete er. Wiederholt habe er auch an Selbstmord gedacht und dies auch mitgeteilt.

Nach seiner Verlegung nach Quantico blieb er trotz Widerspruchs von Psychiatern den strikten Regeln für selbstmordgefährdete Häftlinge unterworfen, wie Manning weiter berichtete: "Wenn ich Toilettenpapier benötigte, musste ich Hab-Acht-Stellung einnehmen und ,Häftling Manning bittet um Toilettenpapier' brüllen."

Ohne Unterwäsche auf extrem unbequemer Matratze

Oftmals habe er auch nackt aufrecht in seiner Zelle stehen müssen, sagte Manning weiter aus. Man habe ihm seine Brille weggenommen, ohne die er nur schlecht sehen könne.

Nachts habe er ohne Unterwäsche auf einer extrem unbequemen Matratze geschlafen, die für selbstmordgefährdete Insassen angefertigt wurde, sagte Manning. Der grobe Stoff seiner Häftlingsbekleidung habe zudem einen Hautausschlag ausgelöst.

Zuvor hatten zwei Psychiater der US-Armee ausgesagt, Mannings harte Haftbedingungen in Quantico seien unnötig gewesen und gegen ihren medizinischen Rat angeordnet worden.

Ein UN-Berichterstatter für Folter hatte erklärt, Manning sei in Quantico grausam und unmenschlich behandelt worden. Mannings Verteidigung argumentiert nun, die Haftbedingungen in den neun Monaten seien bereits eine Art "vorweggenommene Bestrafung" gewesen, was selbst nach den Regeln des Militärs nicht zulässig sei.

Verteidiger erwägen Teilgeständnis Mannings

Insgesamt ist Manning in 22 Punkten angeklagt. Die Verteidigung will erreichen, dass der Hauptvorwurf fallengelassen wird, Manning habe mit seinen Enthüllungen "dem Feind geholfen."

Sie zieht ein Teilgeständnis in Betracht, wenn die Anklagepunkte abgeschwächt werden. Richterin Denise Lind erklärte sich grundsätzlich mit diesem Vorschlag einverstanden. Allerdings könnte die Militärgerichtsbarkeit das Teilgeständnis im weiteren Verfahren zurückweisen.

Der Prozess soll am 4. Februar 2013 beginnen.

Quelle: AFP/jw
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