28.11.12

Geldwäsche-Skandal

"Dieser Mensch schuldet mir viel Geld"

Er war einer der wichtigsten Zeugen in einem Veruntreuungsprozess gegen russische Beamte – jetzt ist Alexander Perepelitschny tot. Musste er im britischen Exil sterben, weil er zu viel wusste?

Von Julia Smirnova
Foto: dapd

Wer im Geldwäsche-Skandal nach Antworten sucht, lebt gefährlich. Das musste auch der russische Anwalt Sergei Magnitski erfahren
Wer im Geldwäsche-Skandal nach Antworten sucht, lebt gefährlich. Das musste auch der russische Anwalt Sergei Magnitski erfahren

Alexander Perepelitschny wollte unbemerkt leben, deshalb beantragte der wohlhabende russische Finanzhändler vor drei Jahren Asyl in Großbritannien. Dort lebte der 44-Jährige im Vorort der Kleinstadt Weybridge, bis er vor zwei Wochen plötzlich vor seinem Haus verstarb. Die Todesursache ist noch immer ungeklärt, Perepelitschny soll vor seinem Ableben kerngesund gewesen sein. Als sicher hingegen gilt, dass der Mann viele Feinde hatte, mit denen er nicht immer legale Geschäfte machte.

Der Tote war ein wichtiger Zeuge

Was Perepelitschnys Tod aber besonders brisant macht, ist die Tatsache, dass er der wichtigste Zeuge in einem Fall über Geldwäsche und Veruntreuung von russischen Staatsgeldern in Millionenhöhe war, in dem die Schweizer Staatsanwaltschaft ermittelt. Unter Verdacht stehen russische Beamte, die sich bereichert haben sollen.

Das Geflecht war vor vier Jahren von einem russischen Anwalt namens Sergej Magnitski aufgedeckt worden, der damals für den in London ansässigen Investmentfonds Hermitage Capital arbeitete. Magnitski beschuldigte Mitarbeiter des russischen Innenministeriums, gemeinsam mit korrupten Beamten für die Geldwäsche und Veruntreuung verantwortlich zu sein. Daraufhin wurde der Anwalt selbst festgenommen, er starb später qualvoll an einer unbehandelten Krankheit im Gefängnis.

Todesursache ist noch immer ungeklärt

Während die Polizei in Weybridge noch immer über die Todesursache von Alexander Perepelitschny rätselt, gehen die Spekulationen um dessen Rolle im Magnitski-Fall weiter. Einer der größten Feinde von Perepelitschny war bekanntlich Wladlen Stepanow, dessen Frau Olga Stepanowa eine russische Steuerbehörde leitete. Es steht mittlerweile fest, dass Stepanowa mehrere illegale Steuerrückzahlungen von rund einer Milliarde Euro billigte.

Im Mai des vergangenen Jahres schrieb ihr Ehemann in seinem Blog, dass acht Millionen Euro auf seinem Konto bei einer Schweizer Bank auf Betreiben der Schweizer Staatsanwaltschaft gesperrt worden waren. "Nur ein Mensch konnte die Informationsquelle sein – Alexander Perepelitschny. Dieser Mensch schuldet mir viel Geld", schrieb Stepanow wütend.

Er habe Perepelitschny Mitte der 90er kennengelernt und ihn für einen "Finanzgenie" gehalten. Seit 1995 sei dieser damit beauftragt gewesen, Stepanows Vermögen zu verwalten – unter anderem das Konto in der Schweiz. In der Finanzkrise von 2009 habe Perepelitschny viel Geld verloren und verstecke sich seither in London.

Investmentfonds brachte Ermittlungen ins Rollen

Der "Welt" liegen Aussagen eines Vertreters von Hermitage Capital vor, an die sich Perepelitschny 2010 wandte. Der Russe habe dem Investmentfonds Beweise dafür geliefert, dass sich namentlich genannte Beamte der russischen Steuerbehörde bereichert haben sollen. Der Fonds habe die Dokumente schließlich an die Schweizer Staatsanwaltschaft weitergeleitet, so kamen die Ermittlungen gegen Stepanow ins Rollen.

"Genau deshalb ist es notwendig, dass alle Umstände des Todes von Perepelitschny sorgfältig untersucht werden", so der Vertreter von Hermitage Capital. Tatsächlich ist Perepelitschny nicht der erste Zeuge oder Verdächtige im Magnitski-Fall, der unter mysteriösen Umständen ums Leben kam.

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