26.11.12

UN-Klimagipfel

Treffen im Ölstaat Katar - Die Welt zu Gast beim Klimasünder

Das Kyoto-Protokoll läuft aus, und statt zu sinken, erreichen die CO2-Emissionen Rekordwerte. In Katar wird man daran wohl nichts ändern.

Foto: dapd

Das Steinkohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine: Politiker und Fachleute diskutieren ab Montag in Doha im Land Katar über den Klimawandel
Das Steinkohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine: Politiker und Fachleute diskutieren ab Montag in Doha im Land Katar über den Klimawandel

Eigentlich müsste die UN-Klimakonferenz in Katar ganz nach dem Geschmack von Peter Altmaier sein. 193 Staaten diskutieren dort, ringen um Fortschritte. Doch das sonst vom Bundesumweltminister präferierte konsensuale Lösungsmodell kommt hier an seine Grenzen.

Seit Jahren passiert im größten Vermittlungsausschuss der Welt viel zu wenig. Die Prognosen vor dem am Montag im Öl- und Gas-Staat beginnenden Treffen sind ernüchternd: Statt auf zwei Grad Erderwärmung steuert die Welt derzeit auf verheerende vier Grad zu.

Altmaier sitzt im Café des Bundestags, bis tief in die Nacht hat er am Vorabend wieder auf Veranstaltungen für die Energiewende geworben. Die ist gegen den weltweiten Klimaschutz fast noch ein Kinderspiel.

Der CDU-Minister zweifelt mittlerweile zunehmend an der Erreichbarkeit des Zwei-Grad-Ziels. 2010 war im mexikanischen Cancún auf Basis von Wissenschaftler-Empfehlungen diese rote Linie für den Klimaschutz beschlossen worden. Alle Staaten sollten dafür sorgen, dass diese maximal erträgliche Erwärmung nicht überschritten wird.

Altmaier spricht nun bei Sandwich und Cola von seiner Hoffnung auf eine "globale Trendumkehr". Aber so richtig überzeugend hört sich das auch nicht an. "Fest steht, dass wir im Moment weltweit einen ungebrochenen Boom erleben bei den CO 2 -Emissionen", gibt er zu. Das Klimaschutztempo sei absolut unzureichend, um das Ziel zu schaffen.

Selbst die deutsche Bundesregierung ist uneinig

Die Fakten: Hurrikan "Sandy" verwüstet New York. Das Grönland-Eis schmilzt im Rekordtempo. Und eine eisfreie Nordostpassage könnte zwar den Schiffsverkehr revolutionieren, zeigt aber die ganze Dimension der Erderwärmung. Immer wieder gibt es ob der Nachrichten ein kurzes Aufflackern der Klimadebatte, ebenso wenn der UN-Klimagipfel tagt.

Aber selbst die Regierung droht ihre Vorreiterrolle zu verlieren. Altmaier wirft Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vor, eine Verschärfung des EU-Emissionshandels, bei dem Unternehmen für den CO 2 -Ausstoß Verschmutzungsrechte kaufen müssen, zu blockieren. 900 Millionen Zertifikate sollen zurückgehalten werden, damit die Preise für die Zertifikate wieder steigen. Sonst fehlen Anreize, weniger CO 2 auszustoßen. Rösler sieht auch Altmaiers Vorhaben skeptisch, den Ausstoß von Treibhausgasen in der EU bis 2020 nicht um 20, sondern um 30 Prozent zu reduzieren. Ohne einheitliche Position kann Deutschland beides nicht unterstützen. Umso leichter positioniert sich die Opposition. "Deutschland entwickelt sich immer mehr zum Bremser in der Klimapolitik", meint SPD-Chef Sigmar Gabriel.

Schuldenkrise und sture Polen verhindern Klimaziele

Schon heute hat die EU einen Emissionsrückgang um 18 Prozent erreicht. Neben dem deutschen Dissens ist es besonders Polen, das wegen seiner Kohlekraftwerke hier auf stur schaltet. Und die Schuldenkrise verhindert auch eine europäische Energiewende, wie Altmaier sie gerne hätte. Ländern wie Griechenland fehlt einfach das Geld, um alte Dieselgeneratoren durch Sonnenkollektoren zu ersetzen.

Was ist unter diesen Voraussetzungen in Doha zu erwarten? Das Ende des Jahres auslaufende Kyoto-Protokoll, das bisher einzige Klimaschutzabkommen mit verbindlichen Verpflichtungen zur Reduzierung der Emissionen, soll noch einmal für acht Jahre verlängert werden. Erst ab dem Jahr 2020 soll es einen Weltklimavertrag für alle geben. Doch die Verhandlungen stehen vor drei großen Problemen.

Die drei großen Probleme auf der UN-Klimakonferenz

Problem I: Da Kanada lieber klimaschädliche Ölsande ausbeuten will und auch Japan und Russland wohl nicht mehr mitmachen, ist ein Kyoto II eher ein zahnloser Tiger. Neben der EU wollen noch folgende Länder mitmachen: Australien, Schweiz, Liechtenstein, Monaco, Island, Norwegen, Kroatien, Kasachstan, Ukraine, Weißrussland. Damit werden nur noch 15 Prozent der weltweiten Emissionen erfasst. Die EU könnte aber wohl nur mit höheren Minderungszusagen als bisher (Stichwort 30 Prozent) den Druck auf andere Staaten erhöhen, auch mehr zu tun.

Problem II: Unter dem ersten Kyoto-Protokoll haben sich die mitmachenden Industriestaaten zu CO 2 -Reduktionen verpflichtet und ein entsprechendes Kontingent an Ausstoß-Erlaubnissen erhalten. Osteuropäische Länder – allen voran Russland – haben diese aber wegen des Wirtschaftseinbruchs nicht ausgeschöpft. Ihre überschüssige "heiße Luft" wollen sie behalten und künftig als CO 2 -Gutschriften an Kyoto-Länder verkaufen. De facto würde das die Wirkung des Protokolls massiv schwächen. Bundesregierung und EU-Kommission sind dagegen.

Problem III: 2011 war bei der Klimakonferenz in Durban (Südafrika) beschlossen worden, dass es ab 2020 erstmals einen Weltklimavertrag geben soll, der alle 193 UN-Staaten zu verbindlichen Minderungen beim CO 2 -Ausstoß verpflichtet. An den Details soll in Doha gefeilt werden, bis 2015 soll er stehen. Doch was passiert, wenn sich Entwicklungs- und Industrieländer nicht einigen können, wer welche Lasten zu tragen hat? Was bieten Länder wie China und die USA, die rund jede zweite Tonne CO 2 ausstoßen, bis 2020 an eigenen Klimaschutzzusagen?

"Industrie- und Entwicklungsländer müssen mehr tun"

Martin Kaiser, Klimachef von Greenpeace Deutschland, appelliert an die beteiligten Staaten, nicht auf einen globalen Klimavertrag zu warten. "Die Industrie- und Entwicklungsländer müssen – wie schon letztes Jahr in Durban vereinbart – bereits ab jetzt mehr und mehr tun", sagt er. Ein Schlüssel dazu seien Finanzzusagen für Entwicklungsländer, die etwas für den Klimaschutz machen möchten. Kaiser: "Leider haben die EU-Finanzminister bisher keine konkreten Zusagen in Aussicht gestellt."

Altmaier hofft in Doha übrigens vor allem auf Bewegung von den USA, schließlich hatte Präsident Barack Obama in seiner Siegesrede die Klimaschutzverantwortung für kommende Generationen betont. Doch zugleich setzen die USA durch die Ausbeutung von Gas aus tiefen Gesteinsschichten gerade auf eine fossile Energiewende. Und China? Von der neuen Führung wird keine ambitioniertere Klimapolitik erwartet. Eine Trendumkehr bleibt so vermutlich Wunschdenken.

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Das Zwei-Grad-Ziel
  • Abkommen

    Auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro vereinbarten die Staaten 1992, den Ausstoß der Treibhausgase so zu begrenzen, dass sich „die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können“ und „die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird“.

  • 2 Grad

    Aus Sicht von Klimaforschern kann dieses Ziel erreicht werden, wenn die mittlere globale Temperatur nicht stärker als 2 Grad über den Wert vor der Industrialisierung steigt. Andernfalls drohen nach Forscheransicht ein komplettes Abschmelzen des Grönlandeises sowie Dürren und Unwetter, wie sie die Zivilisation noch nicht erlebt habe. Auf dem Klimagipfel 2010 in Mexiko haben die Staaten das Ziel offiziell vereinbart.

  • Bericht

    Laut eines Berichts der UN-Umweltbehörde Unep werde der Ausstoß an Treibhausgasen ohne massiven Umschwung zum Klimaschutz bis 2020 auf 58 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) steigen, so Unep-Exekutivdirektor Achim Steiner. Um das Zwei-Grad-Klimaziel zu halten, dürfe der Ausstoß bis dahin jedoch nicht mehr als 44 Gigatonnen betragen.

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