25.11.12

Klimakonferenz

Die Furcht vor einer Phantomdiskussion in Doha

Vor der Klimakonferenz überschlagen sich die Stimmen: Umweltminister Altmaier sieht das Tempo, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, als unzureichend an. Andere zweifeln am Ziel selbst.

Foto: AFP

Ein Gasbohrloch 40 Kilometer nördlich von Doha, der Hauptstadt von Katar. Vor dem Klimagipfel kritisieren Forscher und Politiker das Zwei-Grad-Ziel
Ein Gasbohrloch 40 Kilometer nördlich von Doha, der Hauptstadt von Katar. Vor dem Klimagipfel kritisieren Forscher und Politiker das Zwei-Grad-Ziel

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sorgt sich vor Beginn der UN-Klimakonferenz um eine außer Kontrolle geratene Erderwärmung. "Das aktuelle Tempo des internationalen Klimaschutzes ist absolut unzureichend, um das angestrebte Zwei-Grad-Ziel tatsächlich zu erreichen", sagte Altmaier vor der am Montag in Katar beginnenden zweiwöchigen Konferenz. "Fest steht, dass wir im Moment weltweit einen ungebrochenen Boom erleben bei den CO2-Emissionen". SPD, Grüne und Umweltverbände warfen der Regierung vor, selbst zu wenig zu tun.

Führende Klimaforscher mahnten dagegen, sich von unrealistischen Zielen zu verabschieden. Die Erwärmung der Erde auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen sei "politisch kaum durchsetzbar", sagte Jochem Marotzke, der Vorsitzende des Deutschen Klimakonsortiums, dem "Spiegel". Selbst ein Drei-Grad-Ziel "wäre natürlich weltweit mit gewaltigen Anstrengungen verbunden", betonte Marotzke, der das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg leitet.

"Das Zwei-Grad-Ziel muss dringend fallen gelassen werden", forderte auch der Klimapolitikexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Oliver Geden. Eine Phantomdiskussion, wie sie in Doha wieder zu befürchten sei, verstelle lediglich den Blick auf pragmatische Lösungen. Zielführender sei es, wenn einzelne Länder, aber auch Unternehmen oder Städte sich verbündeten, um klimafreundliche Konzepte umzusetzen.

Töpfer fordert von Koalition mehr Entschlossenheit

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) mahnte stärkere Anstrengungen beim Klimaschutz an. "Die internationale Staatengemeinschaft muss in Doha einen neuen Versuch starten, um die prognostizierte Aufheizung der Erdatmosphäre um zwei Grad oder mehr zu verhindern", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Gelinge das nicht, würden sich Überschwemmungen und Dürren häufen, mit fatalen Folgen für Millionen.

Weiger betonte, es reiche nicht, sich auf der bereits zugesagten Verringerung von CO2-Emissionen einiger weniger Staaten auszuruhen. In Doha müssten sowohl ein Kyoto-Nachfolge-Abkommen für die nächsten Jahre als auch die Grundlagen für einen neuen internationalen Klimaschutzvertrag für die Zeit nach 2020 vereinbart werden.

Deutsche Politiker übten unterdessen harsche Kritik an der Klimapolitik der Bundesregierung. Ex-Umweltminister Klaus Töpfer (CDU) forderte Union und FDP auf, die Energiewende entschlossener als bisher anzugehen. Der Grünen Klimapolitiker Hermann Ott sagte dem Magazin: "Von der selbsternannten Klimakanzlerin Angela Merkel ist nichts übrig geblieben."

Schellnhuber fordert Verschlankung des Treffens

Auch der klimapolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Frank Schwabe, kritisierte in Berlin: "Klima-Vorreiter ist Deutschland schon lange nicht mehr – weder in der Europäischen Union noch weltweit." Hauptverantwortliche dafür sei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Als die öffentliche Aufmerksamkeit hoch war, inszenierte sich Merkel als Klimakanzlerin. Jetzt agiert sie lustlos und uninspiriert."

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber, forderte eine deutliche Verschlankung des Treffens. "Den Bombast abzuschneiden von den sogenannten Gipfeln würde die Glaubwürdigkeit deutlich erhöhen", sagte Schellnhuber. Erwartet würden in Doha erneut rund 15.000 Teilnehmer, reichen würden dagegen 300. Der Aufwand der Konferenzen stehe in keinem Verhältnis zu deren Ergebnis.

Quelle: dapd/dpa/sara
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