22.11.12

Bettencourt-Affäre

Sarkozy acht Stunden vor Untersuchungsrichter

Als Präsident genoss Nicolas Sarkozy Immunität. Jetzt wurde er im Parteispendenskandal erstmals von einem Richter befragt. Es geht um schwarze Kassen, Bargeldbriefe und Wahlkampfspenden.

Foto: dapd

Nicolas Sarkozy wurde von einem Untersuchungsrichter befragt
Nicolas Sarkozy wurde von einem Untersuchungsrichter befragt

Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy hat sich im Parteispendenskandal erstmals einer stundenlangen Vernehmung durch einen Untersuchungsrichter stellen müssen. Der unabhängige Ermittler Jean-Michel Gentil befragte den 57-Jährigen am Donnerstag zur Korruptions- und Spendenaffäre um die L"Oréal-Erbin Liliane Bettencourt . In ihr geht es unter anderem um den Verdacht, Sarkozy könnte seinen erfolgreichen Wahlkampf 2007 mit illegalen Bargeldspenden aus dem Milliardenvermögen der Bettencourt-Familie finanziert haben.

Hintergrund der Ermittlungen sind unter anderem Zeugenaussagen von ehemaligen Angestellten im Hause Bettencourt. Eine frühere Buchhalterin behauptet, dass sie für eine Wahlkampfspende 150.000 Euro Bargeld organisieren sollte. Andere Mitarbeiter wollen prall gefüllte Umschläge gesehen haben.

Gegen einen Vertrauten Sarkozys läuft wegen der sogenannten Bettencourt-Affäre bereits seit längerem ein Anklageverfahren. Sarkozy konnte bis vor kurzem nicht befragt werden, weil er als Präsident Immunität genoss. Er bestreitet alle Vorwürfe.

Bettencourt hat ein Vermögen von etwa 24 Milliarden Dollar

Die Ermittler äußerten sich am Donnerstag zunächst nicht zu der Vernehmung, die am späten Nachmittag bereits rund acht Stunden andauerte. Sie hatten allerdings bereits im Sommer Büro- und Wohnräume Sarkozys durchsucht, um mögliche Hinweise auf Gesetzesverstöße zu finden. Der UMP-Politiker war im Vorfeld der Wahl im Jahr 2007 mindestens einmal bei den Bettencourts zu Gast. Er muss nun ein Anklageverfahren fürchten.

Die 90 Jahre alte Bettencourt steht mittlerweile unter Vormundschaft ihres Enkels Jean-Victor Meyers. Die Milliardärin leidet nach Einschätzung von Ärzten an einer Mischung aus Alzheimer und anderen Demenzformen.

Bettencourt verfügt nach Schätzungen des US-Magazins "Forbes" über ein Vermögen von etwa 24 Milliarden US-Dollar (18,6 Mrd. Euro). Sie hatte sich mit ihrer Tochter in den vergangenen Jahren einen erbitterten Streit über ihren Gesundheitszustand geliefert. Françoise Bettencourt-Meyers hatte die Zurechnungsfähigkeit ihrer Mutter wiederholt infrage gestellt.

Lösungsvorschlag zu Streit in der UMP

Im Streit um den Parteivorsitz der konservativen UMP, deren Mitglied Sarkozy ist, zeichnete sich eine Lösung ab. Der frühere Außenminister Alain Juppé schlug vor, ein Gremium mit Vertretern der beiden verfeindeten Lager zu leiten, das innerhalb von zehn Tagen die Wahl des Parteichefs überprüfen soll. Ex-Regierungschef François Fillon, der die Wahl am Sonntag um 98 Stimmen verlor, begrüßte das Angebot. Auch UMP-Generalsekretär Jean-François Copé erklärte sich bereit, das Urteil der Juppé-Kommission zu akzeptieren.

"Es geht jetzt nicht mehr um den Vorsitz der UMP, sondern um die Existenz der UMP", begründete Juppé in einer Mitteilung seinen Vorstoß. Der Ex-Minister gab den beiden Gegnern bis zum Abend um 20.00 Uhr Zeit, um sein Angebot anzunehmen.

Fillon begrüßte die Idee von Juppé, den er selbst am Mittwoch als Übergangsparteichef vorgeschlagen hatte. "Diese Initiative ist der beste Weg, um die UMP aus der Sackgasse zu führen", teilte der gemäßigte Politiker mit, der bei den Wählern deutlich beliebter ist als Copé vom rechten Parteiflügel. "Jean-Francois Copé ist bereit, das Urteil, das Alain Juppé spricht, zu akzeptieren", sagte die rechte Hand Copés, Jérôme Lavrilleux, laut Fernsehberichten kurz nach der Reaktion Fillons.

Beide Seiten hatten sich gegenseitig Wahlbetrug vorgeworfen und mit juristischen Schritten gedroht. Mehrere Politiker hatten bereits vor einer Spaltung der UMP gewarnt, darunter auch Juppé. Die Wahl des Parteichefs ist eine Weichenstellung für die Präsidentschaftskandidatur 2017.

Quelle: dpa/dapd/smb
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Die dänische Sängerin Emmelie de Forest hat den ESC gewonnen
08:29Malmö 2013
Eurovision Song Contest - Dänin vorn, Deutschland enttäuscht

Emmelie de Forest war die Favoritin der Buchmacher, und gewann mit ihrem Hippie-Chic tatsächlich den Eurovision Song Contest. Deutschland stürzt mit Euro-Trash-Klängen von Cascada auf Platz 21 von 26. mehr...

Hertha BSC
18.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonntag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonntag, den 19. Mai. mehr...

-
18.05.13Kreuzberg
Karneval der Kulturen 2013 in Berlin – Alles was Sie wissen müssen

Der Karneval der Kulturen hat mit dem obligatorischen Straßenfest am Blücherplatz begonnen. Höhepunkt ist wieder der große Umzug am Pfingstsonntag. Infos zum Fest und die Übersicht der Straßensperrun… mehr...


Flughafenchef Hartmut Mehdorn will den Airport Tegel bis 2018 offen halten und den BER etappenweise ans Netz gehen lassen. Mit seinen Plänen sind nicht alle Gesellschaftler zufrieden
07:22Hauptstadtflughafen
Was die Aufsichtsratsmitglieder von Hartmut Mehdorn halten

BER-Chef Mehdorn hat sich mit seinen neuen Hauptstadtflughafen-Plänen wenig Freunde gemacht. Besonders die Tatsache, dass er Tegel bis 2018 offen halten will, stößt vielen Politikern sauer auf. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote