20.11.12

Nordkorea

Was uns Kim Jong-uns Sonnenbrille sagen soll

Man könnte ihn für den wiedergeborenen Kim Jong-il halten: Nordkoreas Diktator Kim Jong-un geht reiten – und trägt dabei eine Sonnenbrille im Stil seines Vaters. Das hat natürlich etwas zu bedeuten.

Foto: AFP

Das Foto zeigt Kim Jong-un mit Sonnenbrille in der Mitte. Dritter von links ist Pak Bong-ju, der ehemalige Premierminister
Das Foto zeigt Kim Jong-un mit Sonnenbrille in der Mitte. Dritter von links ist Pak Bong-ju, der ehemalige Premierminister

Kim Jong-un hat sich die voluminöse Sonnenbrille geschnappt, die sein Vater und auch seine Mutter gerne trugen, und ist mit seinem engsten Kreis in Pjöngjang reiten gegangen. Man könnte ihn mit der Brille glatt für den wiedergeborenen Kim Jong-il halten, und das ist ja auch ein Zweck der Übung.

Wie immer soll ein solcher Auftritt Botschaften vermitteln, in diesem Fall die Aussage: Ich bin wirklich der Boss, der legitime Nachfolger mit aller Machtfülle meines Vaters. Das war ja zeitweilig etwas zweifelhaft, als die Meldungen über eine angebliche Schießerei bei der Absetzung des Generalstabschefs Ri Yong-ho kamen.

Der ehemalige Generalstabschef, berichtet jetzt die südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo" unter Berufung auf die üblichen informierten (Geheimdienst-) Kreise, soll die Schießerei überlebt haben und steht nun in einem Mineralbad-Kurort in der fernen Nordostprovinz des Staates unter Hausarrest.

Bei dem "Kurort" könnte es sich um Onpo handeln. Dort gibt es ein Sanatorium, etwas weiter westlich aber auch ein Sperrgebiet für die Führung mit etlichen Villen. Der Villenkomplex wurde vor zwei Jahren erheblich ausgebaut. Marschall Ri wartet wahrscheinlich dort sein weiteres Schicksal ab.

Ein Hinweis an Peking

Derweil setzt Kim mit Pferd und Sonnenbrille noch ein weiteres kleines Zeichen. Zu dem Reit-Event bat er neben den üblichen Verdächtigen, nämlich seinen Marschällen und Politbossen, auch Pak Bong-ju hinzu. Das ist der 73 Jahre alte Vizedirektor der ZK-Abteilung für die Konsumgüterindustrie – eigentlich ein sehr nachgeordneter Posten.

Die Aufgabe hat Pak aber erst seit kurzem inne, seit seiner Rehabilitierung. Bis 2007 war er Nordkoreas Premierminister. Dann wurde er gestürzt, denn Pak galt damals als allzu sehr reformgeneigt und etwas zu sehr chinafreundlich.

Angeblich wollte Kim Jong-un schon im September in die chinesische Hauptstadt reisen. Peking blockte unter Verweis auf den KP-Parteitag ab. Kim hat die Ablehnung wohl richtig aufgefasst: Erst muss er noch ein paar Zeichen seines Reformwillens liefern. Wenn der junge Kim jetzt demonstrativ den erfahrenen Pak in den inneren Kreis zurückholt, ist das ein Hinweis an Peking: Wir könnten über Reformen reden.

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