19.11.12

Konfliktherde

Wie die EU-Staaten Nahost befrieden wollen

Die Nato wird Raketen an der türkisch-syrische Grenze stationieren. Gefordert wird zudem eine Waffenruhe zwischen Israel und Palästinensern.

Quelle: Reuters
19.11.12 2:11 min.
Die Bundeswehr könnte als Folge des Bürgerkriegs in Syrien vor einem Türkei-Einsatz stehen. Eine Anfrage, Patriot-Raketen zur Verfügung zu stellen, werde solidarisch geprüft, sagte de Maiziere.

Kämpfe an der türkisch-syrischen Grenze sowie zwischen Israelis und Palästinensern – gleich zwei blutige Konflikte haben die EU am Montag zum Handeln gedrängt.

Bundesverteidigungsminister Thomas De Maizière (CDU) rechnete vor Beginn des Treffens mit seinen europäischen Ressortkollegen in Brüssel damit, "dass es heute eine Anfrage der türkischen Regierung an die Nato gibt zur Stationierung von Patriot-Raketen an der türkischen Grenze". Alle Pläne zur Verteidigung der Türkei lägen bereit, ergänzte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Die EU-Außenminister riefen derweil in Brüssel zu einer sofortigen Waffenruhe in Nahost auf.

Deutschland, das neben den Niederlanden und den USA als einzige Nation über Patriot-Raketen verfüge, sei "45 Jahre lang der Hauptnutznießer von Bündnissolidarität gewesen", sagte De Maizière. "Wenn jetzt ein Bündnispartner uns um eine solche Maßnahme bittet, dann ist es für uns klar, dass wir dem offen und solidarisch gegenüberstehen." Dabei gehe es aber um eine rein "vorsorgliche und defensive Maßnahme auf dem Nato-Gebiet".

Sollten Patriot-Raketen an die türkisch-syrische Grenze verlegt werden, würden diese wohl auch auf türkischem Boden von deutschen Soldaten geschützt, sagte De Maizière. Vor diesem Hintergrund spreche vieles dafür, dass ein Bundestagsmandat nötig werde. Falls nicht, wolle die Bundesregierung das Parlament aber dennoch "selbstverständlich beteiligen".

Rasmussen zufolge war eine offizielle Anfrage der Türkei zumindest bis Montagvormittag noch nicht im Brüsseler Hauptquartier der Militärallianz eingegangen. Sollte es dazu kommen, werde sie "als dringliche Angelegneheit" behandelt.

Allerdings legte auch der Nato-Generalsekretär Wert auf die Feststellung, dass es dabei allein um eine "defensive Maßnahme" gehe. Eine Flugverbotszone über den syrischen Kampfgebieten stehe nicht zur Debatte. Über die Situation an der Grenze zur Türkei sei er "sehr besorgt", gleiches gelte für die eskalierende Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern.

De Maizière kündigt Konzept für Mali-Mission an

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sieht den Schlüssel zur Beendigung der Kämpfe in Nahost vor allem in Händen der militanten Israel-Gegner im Gazastreifen. "Die wichtigste Voraussetzung für einen Waffenstillstand ist ein Ende der Raketenangriffe von Gaza in Richtung Südisrael", sagte er in Brüssel. Die internationale Gemeinschaft müsse nun gemeinsam "auf Umsicht, auf Verhältnismäßigkeit und auf Deeskalation dringen".

Ähnlich äußerte sich der schwedische Außenminister Carl Bildt: "Wir rufen zu einem sofortigen Waffenstillstand auf, in beide Richtungen", immerhin sei nun schon "der zweite Gaza-Krieg in wenigen Jahren" im Gange. Es werde "immer dringender, dass wir einen Friedensprozess auf den Weg bringen, der seinen Namen verdient".

Westerwelle rief die ägyptische Staatsführung unter Präsident Mohammed Mursi dazu auf, ihre Einflussmöglichkeiten auf die radikalislamische Hamas zu nutzen. Außerdem müsse dringend der mutmaßlich über Ägypten laufende Waffenschmuggel in den Gazastreifen unterbunden werden. Nach dem Treffen der EU-Außenminister wollte Westerwelle weiter in den Nahen Osten reisen, wo Gespräche mit Vertretern der israelischen Regierung und der palästinensischen Autonomiebehörde geplant sind.

Mit Blick auf die Lage in Syrien appellierte Westerwelle an die Opposition, nach ihrer Einigung auf eine gemeinsame Plattform noch vor Jahresende ein Treffen zu arrangieren. "Uns geht es ja nicht nur darum, dass ein Regime überwunden wird, das für viele Grausamkeiten verantwortlich ist, sondern dass auch ein wirklich demokratischer Neuanfang stattfinden kann – und dazu zählt auch die religiöse Pluralität, die geschützt werden muss."

Nach Angaben De Maizières wollen die Verteidigungsminister am Montag zudem das Konzept für einen möglichen EU-Kriseneinsatz in Mali verraten. Eine endgültige Entscheidung dazu werde aber erst im Dezember getroffen. Die Vereinten Nationen würden nun zunächst auf einen Einsatz afrikanischer Truppen dringen – danach aber werde sich Deutschland an der geplanten Entsendung von Militärausbildern nach Mali beteiligen, wenn denn "eine klare Trennung" zwischen der europäischen Ausbildungsmission und dem Kampfeinsatz der Afrikaner gewährleistet sei.

Quelle: dapd/sei
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Ein saniertes und ein unsaniertes Wohnhaus in der Neuen Bahnhofstraße am 09.04.2013 in Berlin in Friedrichshain. Foto: Jens Kalaene/dpa
13:01Mietspiegel
Berliner Durchschnittsmiete steigt um mehr als sechs Prozent

Der Berliner Mietspiegel ist erneut gestiegen, wenn auch weniger stark als zuvor. Wer möglichst stabile Mieten möchte, sollte aktuell in Wohnungen ziehen, die zwischen 1950 und 1990 errichtet wurden. mehr...


Der vermeintliche Täter Roy B., soll einen Suizidversuch unternommen haben. Ein Rettungsarzt hatte den Mann gerettet. Zuvor hatte das Mädchen Sharlyn die Kripo-Beamten zu der Wohnung geführt
12:14Kidnapper
Mutmaßlicher Entführer von Sharlyn in Psychiatrie eingewiesen

Der vermeintliche Entführer der 8-jährigen Sharlyn ist nun in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert worden. Er hatte am Pfingstmontag das Mädchen von einem Spielplatz zu sich nach Hause gelockt. mehr...


Mit dem Männergefängnis am Heidering leistet sich das klamme Berlin ein neues Gefängnis
12:21Technische Mängel
Verlegung von Gefangenen in JVA Heidering erneut geplatzt

Berlin hat eine Baustelle mehr. Neben den andauernden Problemen am BER, hat nun das neue Männergefängnis am Heidering mit der Technik zu kämpfen. Die geplanten Verlegungen müssen verschoben werden. mehr...


Die 13.000 BVG-Beschäftigten können sich über ein Lohnplus von knapp 4,8 Prozent in zwei Jahren freuen
07:16Kommentar
Die BVG ist einen bemerkenswerten Kompromiss eingegangen

Die Berliner Verkehrsbetriebe und die Gewerkschaften haben sich rasch auf einen neuen Tarifabschluss geeinigt. Nun ist die Landespolitik gefordert, die sich klar zu ihrer BVG bekennen muss. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
USA Bär spaziert durch Vorort von Los Angeles
London Islamisten töten britischen Soldaten
DW In Norditalien kommt die Erde nicht zur Ruhe
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote