19.11.12

"Dredd 3D"

Explodierende Köpfe in drei Dimensionen

Ein ballernder Supercop, ein Überwachungsstaat und viele Special Effects: Die Neuverfilmung des Action-Epos "Dredd 3 D" ließ auf sich warten. Herausgekommen ist ein gewaltverherrlichendes Ärgernis.

Quelle: Universum
09.11.12 1:48 min.
17 Jahre nach der bunten und selbstironischen Comicverfilmung von Judge Dredd, ist die neue 3D-Adaption um den harten Straßenrichter Dredd sehr actiongeladen, aber atmosphärisch etwas zu kühl geraten.

Viel mehr als eine kantige Kinnlade sieht man von ihm nie. Judge Dredd trägt zu seiner Uniform einen Helm mit Sichtschutz, Tag und Nacht, denn einer wie er ist immer im Dienst. Er ist eine menschliche Kampfmaschine, die in der postapokalyptischen Megacity One mit ihren 800 Millionen Einwohnern für Recht und Ordnung sorgt, mit allen Mitteln.

Denn in der tristen Zukunft herrscht schon lange das Gesetz des Stärkeren, Gut und Böse unterscheiden sich nur dadurch, dass die Guten ihr brutales Handeln durch kryptofaschistische Gesetze rechtfertigen. Da stört jedes Stück an Individualität oder Persönlichkeit nur. Dredd ist ein Judge – Polizist, Richter und Henker in einem – ein profaschistischer Soldat in einem Überwachungsstaat.

Seine Ansichten sind so stahlhart wie der Helm, den er Tag und Nacht trägt. Emotionen zeigt er nie, aber auch so ist klar, dass er keineswegs erfreut ist, als ihm eine Anfängerin zur Seite gestellt wird. Diese Anderson hat zwar den Aufnahmetest nicht bestanden, verfügt aber dank Genmanipulation über telepathische Fähigkeiten.

Kopfgeld auf die Soldaten

Gemeinsam sollen sie in einem riesigen Wohnkomplex, der von der psychopathischen Ex-Prostituierten Ma-Ma und ihren Schergen regiert wird, für Ordnung sorgen. Die lässt das Hochhaus abriegeln und setzt ein Kopfgeld auf die beiden Judges aus.

Bereits in den Neunzigern Jahren wurde der Comic "Dredd" verfilmt, damals mit Sylvester Stallone in der Rolle des kompromisslosen Ordnungshüters. Die Leser der Vorlage nahmen den Machern vor allem übel, dass sie die Grundregel des Comics brachen und dem eigentlich gesichtslosen Soldaten im Laufe des Films den Helm abnehmen ließen.

Einer wie Stallone will schließlich auch seine Visage zeigen, das glaubt er seinen Fans schuldig zu sein. Zumindest diesen Fehler vermeidet die Neuadaption: Das Gesicht des jetzigen Hauptdarstellers bekommt man in keiner Sekunde zu sehen, lediglich die Mundwinkel darf Karl Urban böse nach unten ziehen.

Ein zynisches Ärgernis

"Dredd 3D" bleibt nah an der Vorlage und ist, anders als der Stallone-Vorgänger, nicht ironisch überzogen. Genüsslich zelebriert der Film die blutige Selbstjustiz der Judges, lässt Schusswunden aufplatzen und Köpfe in Zeitlupe auf der Leinwand explodieren. Fast unvermeidlich haut dieser Blockbuster den Zuschauern die Bilder dreidimensional um die Ohren.

Am spektakulärsten sind die allerdings nicht in den Actionsequenzen und ultrabrutalen Gewaltorgien, sondern als Visualisierung der Drogentrips, bei denen das Gehirn der Konsumenten auf ein Prozent seiner Geschwindigkeit gedrosselt wird. Dann fliegen glitzernde Wassertropfen in Zeitlupe durch den Raum. Technisch und visuell mag "Dredd 3D" auf hohem Niveau sein, dabei ist es nichts weiter als ein zynisches, gewaltverherrlichendes Ärgernis.

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