17.11.12

Schwere Angriffe

Israel zerbombt Sitz der Hamas-Regierung in Gaza

Die Luftwaffe verschärft die Angriffe. Vorbereitungen für eine Bodenoffensive gehen weiter. 75.000 Reservisten sollen sich bereit halten.

Foto: AFP

Von dem Sitz der Hamas-Regierung blieb nach den Angriffen kaum etwas übrig
Von dem Sitz der Hamas-Regierung blieb nach den Angriffen kaum etwas übrig

Die israelische Luftwaffe hat ihre Angriffe auf Ziele im Gazastreifen in der Nacht zum Sonnabend wieder verschärft. Nach palästinensischen Angaben bombardierte sie mehrfach die Zentrale der radikalislamischen Hamas-Regierung in Gaza-Stadt, Augenzeugen berichteten von schwersten Schäden an dem Gebäude. Gleichzeitig wächst die Gefahr einer israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen.

Die israelische Luftwaffe habe den Sitz von Premierminister Ismail Hanija beschossen, teilte auch ein israelischer Armeesprecher am frühen Morgen mit. Insgesamt hätten die Angriffe 85 "Terror-Zielen" gegolten, darunter Werkstätten zum Bau von Raketen. Weitere Ziele waren die Polizeizentrale der Hamas im Westen von Gaza-Stadt, das im Norden der Stadt gelegene Hauptquartier der Inneren Sicherheit sowie das Haus eines Vertreters des Innenministeriums im Flüchtlingslager Dschabalja.

Amtssitz, Moschee und Stromversorgung zerstört

Nach Angaben der Hamas und von Bewohnern legten die israelischen Bombardements Hanijas Amtssitz in Schutt und Asche und beschädigten mehrere benachbarte Häuser. Vor dem Amtssitz hatten führende Hamas-Mitglieder am Freitagmorgen noch Ägyptens Ministerpräsidenten Hischam Kandil zu einem kurzen Solidaritätsbesuch im Gazastreifen empfangen. Eigentlich wollte Kandil zwischen beiden Seiten schlichten und für einen Waffenstillstand werben. Doch eine für den Besuch verabredete Feuerpause hielt nicht, Kandil beendete ihn daraufhin vorzeitig.

Eine gewaltige Explosion erschütterte in der Nacht auch das Hauptquartier der Polizei in Gaza-Stadt. Krankenwagen brachten Verletzte vom Ort der Detonation weg. Zudem sei bei einem Luftangriff eine Moschee zerstört worden, teilten die Behörden im Gazastreifen mit. Im Süden des Gazastreifens griffen israelische Kampfflugzeuge Schmugglertunnel nach Ägypten an, wie Bewohner der Region berichteten. Zudem zerstörte die Luftwaffe fünf Transformatoren. Über 400.000 Menschen im Gazastreifen seien ohne Strom, teilten die Versorgungsbetriebe mit.

Mobilisierung von bis zu 75.000 gebilligt

Seit der gezielten Tötung von Hamas-Militärchef Hamas-Militärchefs Ahmed al-Dschabaari am Mittwoch steuert der Dauer-Konflikt zwischen Israel und der islamistischen Bewegung, die seit 2007 den Gazastreifen kontrolliert, auf einen offenen Krieg zu. Auf ununterbrochene israelische Luftangriffe folgten hunderte Raketenangriffe auf israelisches Gebiet. Erstmals wurden auch Tel Aviv und Jerusalem beschossen, zu Schaden kam dabei jedoch niemand. Seit Mittwoch wurden drei Israelis und mindestens 30 Palästinenser getötet. Die Hamas zeigte sich weiter unbeugsam.

Unterdessen beschleunigte Israel die Vorbereitungen zu seiner angedrohten Bodenoffensive gegen die Hamas. Nach der Einberufung von 16.000 Reservesoldaten am Donnerstag und Freitag billigte das Kabinett am Freitagabend laut israelischem Fernsehen die Mobilisierung von bis zu 75.000 Reservisten. Korrespondenten berichteten von Panzern, gepanzerten Truppenfahrzeugen und Planierraupen, die in der Grenzregion zum Gazastreifen zusammengezogen würden. Diese wurde zum militärischen Sperrgebiet erklärt.

Obama lobt Mursi

Angesichts der wachsenden Gefahr einer Gewaltexplosion im Nahen Osten verstärkten die USA ihre Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Konflikts. US-Präsident Barack Obama telefonierte mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und dem ägyptischen Staatschef Mohammed Mursi, um nach Wegen zu suchen, die Lage zu entschärfen, wie das Weiße Haus mitteilte. Der Präsident bedauerte den Tod von Israelis und Palästinensern. Er lobte Mursis Bemühungen um eine Entspannung der Situation, bekräftigte aber gleichzeitig Israels Recht auf Selbstverteidigung.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta ließ sich unterdessen von seinem israelischen Kollegen Ehud Barack über den neuesten Stand informieren. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte einen Besuch der Palästinensergebiete an.

Merkel appelliert an Ägypten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte am Freitag am Rande der Regierungskonsultationen in Moskau an die ägyptische Führung, "den Einfluss auf die Hamas geltend zu machen, damit es zu keiner weiteren Eskalation kommt". Verantwortlich für den jüngsten Ausbruch der Gewalt sei die Hamas mit ihren Raketenangriffen. "Es gibt für diese Gewalt keinerlei Rechtfertigung, zumal die israelische Zivilbevölkerung massiv betroffen ist", sagte die Kanzlerin.

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