16.11.12

Luftalarm

Hamas feuert erneut Rakete nach Tel Aviv ab

Wieder heulen die Alarmsirenen. Die Vorbereitungen für eine Bodenoffensive laufen nun auf Hochtouren. Israel ruft 16.000 Reservisten ein.

Foto: REUTERS

Israel bereitet weiter die Bodenoffensive vor - nun werden auch Reservisten einberufen
Israel bereitet weiter die Bodenoffensive vor - nun werden auch Reservisten einberufen

Eine vom Gazastreifen abgefeuerte Rakete ist am Freitag im Meer nahe Tel Aviv gelandet. Das berichteten Polizei und Augenzeugen übereinstimmend. In der israelischen Metropole Tel warnten Alarmsirenen am Freitag erneut die Bevölkerung vor einem Angriff gewarnt. Am Donnerstag waren im Großraum Tel Aviv erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder Raketen eingeschlagen, die nach palästinensischen Angaben durch den bewaffneten Arm des islamischen Dschihad abgefeuert wurden.

Am Freitagmorgen zerschlugen sich dann Hoffnungen auf eine vorübergehende Waffenruhe. Israel warf der radikalislamischen Hamas vor, eine Feuerpause während eines Besuchs des ägyptischen Regierungschefs Hischam Kandil im Gazastreifen nicht einzuhalten, und bombardierte erneut Ziele in dem Gebiet. Bei einem israelischen Luftangriff im Norden des Gazastreifens wurden nach palästinensischen Angaben zwei Palästinenser getötet.

Israel ruft 16.000 Reservisten ein

Die israelischen Streitkräfte haben nun mit der Einberufung von 16.000 Reservisten begonnen. Die ersten Soldaten hätten ihren Einberufungsbescheid bereits erhalten, sagte eine Armeesprecherin. Verteidigungsminister Ehud Barak hatte einen solchen Schritt am Donnerstag genehmigt. Nach Informationen der israelischen Armee stehen bis zu 30.000 Reservisten zur Verfügung.

Seit Mittwoch beschießt Israel Stellungen der Hamas im Gazastreifen. Israelische Kampfjets flogen bis Freitagmorgen mehr als 460 Luftangriffe. Im selben Zeitraum hätten militante Palästinenser knapp 300 Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert. Nach palästinensischen Angaben wurden bei den Angriffen bis Freitag mindestens 20 Palästinenser getötet und mehr als 230 verletzt. Drei Israelis starben durch einen Raketeneinschlag in ein Wohnhaus.

Ziel der israelischen Angriffe ist es, den fortdauernden Beschuss aus dem Gazastreifen zu stoppen. Eine Bodenoffensive hat sich Israel ausdrücklich vorbehalten und durch die Stationierung von Panzern und Truppentransportern im Grenzgebiet am Donnerstagabend auch schon vorbereitet. Die Entscheidung über einen Einmarsch soll aber noch nicht gefallen sein.

Briten warnen vor Bodenoffensive

Großbritannien warnte Israel vor den Folgen einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Die israelische Regierung müsse sich bewusst machen, dass dies in der Vergangenheit zu einem großen Verlust an Unterstützung und Sympathie in aller Welt geführt habe, sagte Außenminister William Hague am Freitag in London. Ob Großbritannien eine Bodenoffensive der Israelis im Gazastreifen offiziell verurteilen würde, wollte Hague nicht sagen. "Wir müssen die Aktionen beider Seiten beurteilen, nicht nur einer", sagte er.

Hague und Premierminister David Cameron sehen die Hauptverantwortung für die Eskalation der Gewalt bei der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas. Der zunehmende Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen auf Israel sei nicht hinnehmbar, sagte ein Sprecher der Downing Street.

Deutschland appelliert an Ägypten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte sich hinter Israel. Sie forderte die Verantwortlichen im Gazastreifen auf, sofort den Beschuss Israels einzustellen. Es gebe keinerlei Rechtfertigung für den Abschuss von Raketen auf israelisches Gebiet, unter dem die Zivilbevölkerung massiv leide, sagte Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in Berlin. "Israel hat das Recht und die Pflicht, seine Bevölkerung in angemessener Weise zu schützen." Die Bundesregierung appellierte zugleich an Ägypten, "seinen Einfluss auf die Hamas geltend zu machen und sie zur Mäßigung und zur Einstellung der Gewalt zu bewegen." Auf die Frage, ob es israelische Anfragen nach zusätzlichen Waffenlieferungen an Deutschland gebe, sagte der Sprecher: "Nein."

Quelle: dpa/AFP/dapd/ap
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