16.11.12

Gotovina und Markac

Freispruch für kroatische Ex-Generäle vor UN-Tribunal

Sensationeller Freispruch in Den Haag: Sie wurden zu 24 und 18 Jahren Gefängnis verurteilt, jetzt sind Gotovina und Markac wieder frei.

Foto: dapd

Kroaten umjubeln den Freispruch des Generals Ante Gotovina
Kroaten umjubeln den Freispruch des Generals Ante Gotovina

Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat die beiden kroatischen Generäle Ante Gotovina und Mladen Markac am Freitag überraschend von der Anklage schwerster Verbrechen freigesprochen. Es sei nicht erwiesen, dass die Vertreibung von rund 200.000 Serben am Ende des kroatischen Bürgerkrieges (1991-1995) durch die beiden wichtigsten Offiziere des damaligen Heeres geplant war, sagte der Vorsitzende Richter Theodor Meron zur Begründung.

Ganz Kroatien reagierte auf den Freispruch der beiden Generäle mit unbeschreiblichem Jubel. Zehntausende Menschen feierten auf den zentralen Plätzen aller größeren Städte. Die Menschen lagen sich nach dem Urteil weinend und singend in den Armen.

Die beiden 57 Jahre alten Generäle wurden sofort auf freien Fuß gesetzt. In erster Instanz waren sie zu 24 und 18 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der kroatische Staatspräsident schickte sein Dienstflugzeug, um die beiden heute immer noch als Kriegshelden verehrten Offiziere aus Den Haag nach Hause zu bringen.

Milanovic begrüßt das Urteil

"Kroatien ist unschuldig", jubelten die Zeitungen. Kroatische Journalisten in den TV-Sendern stockten bei der Übertragung des völlig unerwarteten Urteils wiederholt vor Rührung. "Das schreibt Geschichte", reagierten zufriedene Bürger, unter ihnen auch viele Kriegsinv

Kroatiens Regierungschef Zoran Milanovic begrüßte dagegen das Urteil. Die Angeklagten seien "offensichtlich unschuldig", erklärte er. Ihr Freispruch sei "wichtig für Kroatien". Gleichzeitig räumte Milanovic ein, dass im Krieg auch auf kroatischer Seite "Fehler" gemacht worden seien. Dafür sei aber der kroatische Staat verantwortlich "und nicht Markac und Gotovina". Zagreb sei bereit, "seine Schuld gegenüber denen, denen Unrecht durch den kroatischen Staat widerfahren ist, zu begleichen".

Serbien empört über Gontovina-Freispruch

Die Berufungskammer des UN-Kriegsverbrechertribunals hatte Gontovina und Markac am Freitag freigesprochen. Die beiden waren von dem Tribunal im vergangenen Jahr in erster Instanz wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit beim Vorgehen gegen die serbische Bevölkerung in Kroatien zu 24 beziehungsweise 18 Jahren Haft verurteilt worden.

Der Freispruch ist in Serbien auf Empörung gestoßen. Mit dem Freispruch von Gotovina und dem mitangeklagten Ex-General Mladen Markac habe das Gericht "jede Glaubwürdigkeit verloren", sagte der für die Zusammenarbeit mit dem Tribunal zuständige serbische Minister Rasim Ljajic der Nachrichtenagentur Beta am Freitag. "Die Entscheidung von heute ist ein Beweis für selektive Justiz, die schlimmer ist als Ungerechtigkeit."

Viel Kroaten sehen Gontovina als Volksheld

Gontovina war Befehlshaber der "Operation Sturm", bei der kroatische Armeeeinheiten 1995 die von ethnischen Serben kontrollierte Region Krajina eroberten. Das UN-Tribunal hatte den beiden Ex-Generälen vorgeworfen, für den Tod von 324 Zivilisten und Soldaten verantwortlich zu sein, die sich bereits ergeben hatten, sowie 90.000 Serben zum Verlassen der Krajina gezwungen zu haben.

Viele Kroaten sehen den ehemaligen General noch immer als Volksheld. Auf dem Hauptplatz in Zagreb wurde die Urteilsverkündung am Freitag auf einem riesigen Bildschirm vor tausenden Menschen direkt übertragen werden.

Quelle: dpa/AFP/nbo
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