16.11.12

Kirche

Priester gibt Beteiligung an Hass-Webseite zu

Offiziell hat sich die Katholische Kirche von der katholisch-fundamentalistischen Plattform "kreuz.net" immer distanziert. Doch nun hat ein Priester eingeräumt, dort publiziert zu haben

Foto: Die Welt

Das Logo der Webseite, die für Wirbel sorgt: kreuz.net fällt durch Hetze gegen Homosexuelle und Nicht-Katholiken auf
Das Logo der Webseite, die für Wirbel sorgt: kreuz.net fällt durch Hetze gegen Homosexuelle und Nicht-Katholiken auf

Wer ein Beispiel für eine Hass-Website sucht, ist bei "Kreuz.net" richtig. Auf der 2004 gestarteten Internetplattform frönt ein Netzwerk rassistisch-katholisch geprägter Autoren hemmungslos einem verqueren Weltbild. Gehetzt wird nicht nur gegen Homosexualität, Abtreibung und Sterbehilfe, sondern auch gegen das Zweite Vatikanische Konzil und Martin Luther ("Erfinder der Lügen-Propaganda").

Wer hinter der Webseite steckt, ist unbekannt. Die Macher behaupten, "hauptberuflich im kirchlichen Dienst" tätig zu sein. Im Impressum wird eine Adresse in den USA genannt. Weil die Texte im Schutz der Anonymität veröffentlicht werden, kennen weder die Autoren noch die Leserkommentatoren bei der Wortwahl Grenzen. Auch antisemitische Töne werden gern angeschlagen.

Bischofskonferenz distanziert sich

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich mehrfach ausdrücklich von "kreuz.net" distanziert. Die Seite habe "keinen offiziellen Charakter", erklärte der Sprecher Matthias Kopp. "Kontinuierliche antisemitische Entgleisungen und andauernde billig-polemische Hetzereien gegen deutsche Bischöfe sind unerträglich." Einige Artikel bei "kreuz.net" legen freilich gute innerkirchliche Verbindungen nahe. Dessen ungeachtet erklärte der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, noch im Oktober, man sei sich sicher, dass niemand aus dem kirchlichen Dienst für das Hetzportal tätig sei.

Als Kommentator unterwegs

Nun hat jedoch erstmals ein Priester eingeräumt, zumindest als Kommentator mehrfach auf der Webseite unterwegs gewesen zu sein. Es handelt sich um den Mühltaler Pfarrer Hendrick Jolie, Sprecher des konservativen Netzwerks katholischer Priester. Der "Spiegel" hatte in einem Artikel Ende Oktober auf mehrere kirchliche Funktionäre hingewiesen, die auf der Seite schreiben, darunter auch Jolie. Der stritt zunächst alles ab.

In einer von ihm mitunterzeichneten "Klarstellung" des "Netzwerks katholischer Priester" heißt es, Jolie sei "kein ausgewiesener Autor" des Internetportals. Vielmehr habe "kreuz.net" häufig auf von ihm an anderer Stelle veröffentlichte Texte zurückgegriffen und diese – quasi eigenmächtig – auf die Seite gestellt.

In einer Rundmail distanzierte sich Jolie erneut, bedauerte aber zugleich "dass durch meinen leichtfertigen Umgang mit dem anonymen Portal Kreuz.net der Eindruck entstehen konnte, ich selbst stünde rassistischem, anti-jüdischem oder homophoben Gedankengut nahe".

"Guter Mann, dieser S."

Am Donnerstag ruderte Jolie dann wieder zurück. In einer "ergänzenden Stellungnahme" behauptet er, er habe in Emails an die Redaktion vor allem die Löschung einiger "mit meinem Namen bezeichneten Beiträge auf besagter Plattform gefordert". Mit "leichtfertig" meine er "den Umstand, dass ich durch Postings im Kommentarbereich möglicherweise den Eindruck erweckt habe, Stil und Inhalt dieser Seite zu billigen."

Es sei für ihn "selbstverständlich", sich von jeglicher Form von Diffamierung und Diskriminierung zu distanzieren. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet von mehreren Kommentaren, die Jolie stets mit "frecher Jolie" unterzeichnet habe. In einem soll er einen österreichischen Pfarrer, der Zölibatsgegner mit Hitler verglich, als "guter mann, dieser s." bezeichnet haben.

Bistum will Erklärung veröffentlichen

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte Kirchenangestellten, die auf kreuz.net publizieren, mit arbeitsrechtlichen Schritten gedroht. Das für Jolie zuständige Bistum Mainz veröffentlichte am Freitag eine Erklärung. Darin wird der Priester zunächst in Schutz genommen. Man habe in seinen Veröffentlichungen "nie eine Hetzte vor allem gegen Ausländer, Muslime, Juden, Homosexuelle usw feststellen können". Der Pfarrer gelte in seiner Gemeinde als engagierter Seelsorger und sei auch offen für die ökumenische Zusammenarbeit. Das Bistum kündigt aber auch an, den Email-Verkehr zwischen Jolie und der "kreuz.net"-Redaktion prüfen und ein "förmliches Gespräch" mit ihm führen zu wollen. Erst dann lasse sich eine verantwortliche Bewertung der Vorwürfe vornehmen.

"Kopfgeld" auf Macher ausgesetzt

So lange wollen andere nicht warten. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, hat den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, aufgefordert, unverzüglich eine Untersuchung gegen Jolie einzuleiten und "die entsprechenden kirchenrechtlichen Konsequenzen zu ziehen".

Der auf Schwulen-Literatur spezialisierte Bruno-Gmünder-Verlag hatte bereits Anfang Oktober 15.000 Euro Belohnung für Hinweise auf die Macher von "kreuz.net" ausgesetzt. Der Verlag reagiert damit auf die Art und Weise, mit der der zuvor verstorbene Moderator Dirk Bach auf der Hass-Website verunglimpft wurde.

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