16.11.12

Nahost-Konflikt

Palästinenser feuern trotz Waffenruhe auf Israel

Die israelischen Streitkräfte bereiten sich offenbar auf eine Bodenoffensive im Gazastreifen vor. Palästinenser brechen die vereinbarte Waffenruhe zum Besuch des ägyptischen Ministerpräsidenten.

Quelle: Reuters
16.11.12 1:16 min.
Israel plant den Einmarsch in den Gazastreifen. Die Mobilisation der Armee hat begonnen. Mehr als 270 aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen sind auf israelischem Gebiet eingeschlagen.

Die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern hält trotz einer vorübergehend vereinbarten Waffenruhe an. Radikale Palästinenser feuerten zahlreiche Raketen auf den Süden Israels ab, wie die israelische Armee mitteilte. Die israelische Luftwaffe antwortete mit einem Angriff auf das Haus eines Hamas-Kommandeurs, wie aus Kreisen der Palästinensergruppe verlautete.

"Die Hamas respektiert nicht den Besuch des ägyptischen Ministerpräsidenten im Gazastreifen und verletzt die vorübergehende Feuerpause, in die Israel vor dem Besuch eingewilligt hat", erklärte ein Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Inmitten der eskalierenden Gewalt war der ägyptische Ministerpräsident Hischam Kandil zuvor im Gazastreifen eingetroffen, um die Chancen für einen dauerhaften Waffenstillstand auszuloten. Während des etwa dreistündigen Aufenthalts der ägyptischen Delegation wollte die israelische Armee ihre Angriffe auf den Gazastreifen aussetzen unter der Bedingung, dass auch die Hamas ihren Raketenbeschuss auf Israel stoppt.

Tieflader mit Panzern auf dem Weg

Angesichts des anhaltenden Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen bereiten sich die israelischen Streitkräfte offenbar auf eine Bodenoffensive gegen die Kämpfer der Hamas und weiterer militanter Palästinensergruppen vor. Am späten Donnerstagabend transportierten mindestens zwölf Tieflader Panzer und gepanzerte Truppentransporter ins Grenzgebiet.

Zahlreiche Soldaten wurden mit Bussen in die Region gebracht. Israelische Fernsehsender meldeten, die Invasion sei für den Freitag geplant. Die Streitkräfte dementierten die Berichte und erklärten, bislang sei noch keine Entscheidung über einen Einmarsch in den Gazastreifen gefallen.

Netanjahu droht mit Ausweitung des Einsatzes

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte mit einer "signifikanten Ausweitung" des Militäreinsatzes. Israel werde alles Nötige tun, um sich zu verteidigen, sagte der Regierungschef. Verteidigungsminister Ehud Barak genehmigte unterdessen die Einberufung von Reservisten.

Bis zu 30.000 zusätzliche Soldaten könnten somit mobilisiert werden, teilten die Streitkräfte mit. "Wir werden die Angriffe fortsetzen und ausweiten", sagte Generalstabschef Benny Gantz an. "Ich glaube, wir können unsere Ziele erreichen."

Die radikalislamische Hamas kündigte unterdessen an, Raketen vom Typ Fadschr 5 aus iranischer Produktion auf Israel abzufeuern. Die Geschosse verfügen über eine Reichweite von 75 Kilometern und könnten somit die Metropole Tel Aviv treffen. Die israelischen Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass die Hamas seit der bislang letzten Bodenoffensive im Gazastreifen vor vier Jahren massiv aufgerüstet hat und über etwa 12.000 Raketen verfügt.

"Innerhalb von vier Jahren sind wir stärker geworden, wir verfügen über eine Strategie und haben uns mit allen militanten Kräften im Gazastreifen zusammen getan", sagte Hamas-Sprecher Fausi Barhum.

Israelische Luftwaffe setzt Angriffe fort

Unterdessen setzte die israelische Luftwaffe ihre Angriffe auf den Gazastreifen fort. In der Nacht seien Stellungen in Al Schudschaija östlich von Gaza-Stadt, Rafah und Chan Junis getroffen worden, berichtete die israelische Zeitung "Haaretz" auf ihrer Internetseite. Die israelischen Streitkräfte teilten am Freitagmorgen über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, die Hamas habe seit Mittwoch über 420 Raketen auf den Süden Israels abgefeuert.

Bislang kamen bei den Kämpfen 19 Palästinenser und drei Israelis ums Leben. Am Donnerstag wurde in der südisraelischen Ortschaft Kirjat Malachi ein vierstöckiges Gebäude von einer palästinensischen Rakete getroffen. Dabei wurden zwei Männer und eine schwangere Frau getötet sowie drei Kinder verletzt.

Inmitten der zunehmenden Spannung bezog Ägypten eindeutig Position. Präsident Mohammed Mursi beorderte Ministerpräsident Hescham Kandil in den Gazastreifen. Er sollte dort am Freitag der radikalen Palästinenserorganisation Hamas die Unterstützung Ägyptens bekunden. Zuvor hatte Mursi schon angekündigt, er werde sich darum bemühen, die israelische Offensive gegen die Hamas zu stoppen. Er sprach dabei von einer inakzeptablen Aktion Israels.

Quelle: dapd/rtr/tma/ecb
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