15.11.12

Naher Osten

Israel will bis zu 30.000 Reservisten einberufen

Mit dem Raketeneinschlag hat der Konflikt Tel Aviv erreicht. Israel droht den Palästinensern mit einer Großoffensive und rüstet auf.

Foto: dapd

Eine Rauchsäule steigt nach dem Einschlag einer israelischen Rakete in Gaza Stadt auf
Eine Rauchsäule steigt nach dem Einschlag einer israelischen Rakete in Gaza Stadt auf

Die gewaltsame Auseinandersetzung zwischen Israel und den Palästinensern hat Tel Aviv erreicht. In der israelischen Großstadt sei eine Rakete eingeschlagen, meldete der israelische Armee-Rundfunk am Donnerstag. Opfer habe es keine gegeben. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Rakete iranischer Bauart. Nur diese sind in der Lage, die Strecke zwischen dem Gazastreifen und Tel Aviv zu überbrücken.

Angesichts dieser Eskalation rüstet Israel nun auf. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak billigte die Einberufung von bis zu 30.000 Reservisten. Diese könne jederzeit erfolgen, sagte ein Armeesprecher am Donnerstagabend. General Joaw Mordechai sagte dem Fernsehsender Channel 2, die Armee sei dabei, "die Kampagne auszuweiten".

Israel hatte den militanten Palästinensergruppen bereits zuvor mit einer großangelegten Militäroffensive gedroht. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Donnerstag, dass er alles Notwendige tun werde, um sein Volk vor Angriffen zu schützen. Zuvor hatte eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete drei israelische Zivilisten im Süden des Landes getötet. Israels Streitkräfte führen seit Mittwoch eine massive Offensive gegen Extremisten im Gazastreifen, bei der bislang nach palästinensischen Angaben mindestens 13 Menschen getötet wurden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) rief zur Deeskalation auf.

Israel ist zu einer Bodenoffensive bereit

Netanjahu gab sich am Donnerstag entschlossen, militante Gruppen im Gazastreifen zerschlagen zu wollen. Er hoffe, die Hamas habe das verstanden, sagte er. Laut Angaben von ranghohen israelischen Vertretern ist das Land bereit zu einer Bodenoffensive im Gazastreifen, sollte dies als notwendig erachtet werden.

Das Militär hatte seine Angriffe am Mittwoch mit der gezielten Tötung des Militärchefs der Hamas, Ahmed Dschabari, begonnen. Später wurde der Beschuss durch die Luftwaffe, Panzer und Kanonenboote ausgeweitet. Mehr als 50 israelische Angriffe trafen den Angaben zufolge Lager und Startrampen für Raketen sowie zwei Trainingscamps islamistischer Kämpfer. Dabei konnten demnach zahlreiche Raketen zerstört werden. Mehr als hundert Menschen wurden verletzt.

"Allah ist groß, die Rache kommt"

Die Hamas und andere Islamistengruppen ließen sich davon nicht einschüchtern und feuerten nach israelischen Angaben mehr als 180 Raketen auf Israel ab. Eine Rakete flog demnach bis zu einem Vorort der Hauptstadt Tel Aviv, richtete aber keinen Schaden an.

Bei der Beerdigung Dschabaris skandierten 400 wütende Palästinenser "Allah ist groß, die Rache kommt" und schossen in die Luft. Der Hamas-Abgeordnete Muschir al Masri sagte in seiner Trauerrede, dass dieses "Verbrechen" sie nicht schwächen werde. "Es wird uns stärker machen und noch entschiedener, dem Weg des Heiligen Krieges und Widerstandes zu folgen." Der Feind habe den Kampf eröffnet und "soll die Konsequenzen tragen", sagte al Masri.

Ausnahmezustand in Israel und Gazastreifen

Im Gazastreifen rief die regierende Hamas den Notstand aus. Schulen blieben geschlossen, die meisten Straßen in Gaza-Stadt waren am Donnerstag verwaist, viele der 1,6 Millionen Einwohner in der Küstenregion suchten zu Hause Schutz. Die israelischen Streitkräfte hatten sie mit Flugblättern davor gewarnt, in die Nähe von Hamas-Standorten, Raketenlagern oder Abschussrampen zu gehen.

Auch die Menschen im Süden Israels, wo gleichfalls der Ausnahmezustand ausgerufen wurde, sollten zum Schutz vor den Raketen der Islamisten ihre Häuser möglichst nicht verlassen. 40 Kilometer um den Gazastreifen blieben die Schulen geschlossen, die Menschen sollten nicht zur Arbeit gehen. Die Polizei verstärkte aus Angst vor Terroranschlägen im ganzen Land die Patrouillen.

Angst vor Ausweitung des Konflikts

Auf internationaler Ebene wuchs derweil die Angst vor einer Ausweitung des Konflikts. "Es ist notwendig, dass jetzt auf Deeskalation gesetzt wird, dass vor allen Dingen besonnen und umsichtig gehandelt wird", sagte Westerwelle am Rande eines Treffens von Außen- und Verteidigungsministern aus fünf EU-Ländern in Paris. Der Außenminister sprach von einer "außerordentlich gefährlichen Lage". Es sei von "großer Bedeutung", dass keine neue "Spirale der Gewalt" entstehe.

In New beriet der UN-Sicherheitsrat über die Lage. Ägypten forderte unterdessen von den USA, auf Israel einzuwirken, um "die israelische Aggression zu stoppen". Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi warnte vor einer Destabilisierung der Region. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas brach eine Europareise ab und kehrte ins Westjordanland zurück.

US-Präsident Barack Obama hatte bereits kurz nach den Luftangriffen mit Netanjahu und dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi gesprochen. Dabei habe Obama seine Unterstützung für das Recht Israels auf Selbstverteidigung bekundet, teilte das Weiße Haus am Mittwoch (Ortszeit) mit. Obama habe die Regierung in Jerusalem allerdings auch dazu aufgefordert, zivile Opfer bei dem Militäreinsatz zu vermeiden.

Palästinenser fordern Hilfe von internationaler Gemeinschaft

UN-Generalsekretär Ban rief beide Seiten zur Ruhe auf und verlangte die Einhaltung des humanitären Völkerrechts. Die Palästinenser forderten Hilfe von der internationalen Gemeinschaft.

Quelle: rtr/alu
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