15.11.12

Gaza-Streifen

Wie Israel und Hamas den Gazakonflikt im Netz austragen

Israelische Streitkräfte und Hamas nutzen Twitter und Facebook, um über militärische Erfolge zu informieren und Propaganda zu verbreiten.

Foto: israel defense forces

Israelische Streitkräfte veröffentlichten dieses Bild nach dem Militäranschlag auf Hamas-Kommandant al-Dschabari
Israelische Streitkräfte veröffentlichten dieses Bild nach dem Militäranschlag auf Hamas-Kommandant al-Dschabari

Was im Augenblick in Israel vor sich geht, schlägt nicht nur in Medienberichterstattungen hohe Wellen. Auch in sozialen Netzwerken wird der Krieg mitverfolgt. Und das in Echtzeit. Schon als die ersten Bomben auf Gaza fielen, twitterten die israelischen Militärs über die aktuelle Operation: "Alle Optionen sind auf dem Tisch. Wenn nötig, sind die Streitkräfte bereit, Bodeneinsätze in Gaza durchzuführen".

Das Internet wird geschickt als Informationskanal genutzt, um eigene Nachrichten zu platzieren. Von unabhängiger Kriegsberichterstattung ist das Vorgehen weit entfernt. Live-Blogs informieren Interessierte rund um die Uhr mit den neusten Meldungen aus dem Krisengebiet. Jedoch grenzen die hier veröffentlichten Meldungen stark an Propaganda.

Auch auf dem Videoportal YouTube laden israelische Streitkräfte Videos hoch, die eigene militärische Erfolge dokumentieren. Der tödliche Angriff auf einen Kommandanten der Hamas, Ahmed al-Dschabari, wurde von den Betreibern der Seite inzwischen gelöscht. Der Clip zeigte, wie eine Rakete das Auto des Hamas-Kämpfers in die Luft sprengt. Den als "Nadelspitzen-Angriff" bezeichneten Militärschlag hatten über 400.000 Nutzer angeklickt. "Eliminiert" steht seitdem unter einem Bild der Streitkräfte mit al-Dschabaris Konterfei, das im Netz kursiert.

Nutzer von Facebook und Twitter veröffentlichen ebenfalls Berichte über die Aktionen des israelischen Militärs und der Hamas. "Ich wünsche unseren Freunden in Amerika einen guten Morgen", schreibt ein israelischer Twitterer: "Während ihr geschlafen habt, wurden drei Israelis getötet, als eine Rakete in ihr Haus einschlug." Unter Schlagworten wie #GazaUnderAttack berichten Palästinenser, unter #IsraelUnderAttack und #PillarOfDefense (Säule der Verteidigung) stellen israelische Truppen ihre Sicht der Dinge ins Netz. Israelische Flugblätter werden gleich von mehreren Nutzern hochgeladen. Diese warnen vor der Hamas und bezeichnen sie als internationale Terrororganisation.

Oft widersprechen sich beide Seiten

Die Hamas nutzt die sozialen Netzwerke ebenfalls für die Darstellung eigener Militärerfolge. "Um 13.45 Uhr haben Al-Qassam-Truppen zwölf Raketen auf eine Militärbasis auf dem Gelände der Isnad-Sofa-Basis abgeschossen", berichtet ein Nutzer (Al Qassam ist eine militärische Unterorganisation der Hamas, Anm. d. Red.). Der überwiegende Teil der Nachrichten ist nicht verifizierbar. Oft widersprechen sich beide Seiten und nutzen die große Aufmerksamkeit im Netz, um die eigene Sicht auf die Ereignisse darzustellen.

Al-Qassam-Brigaden posten Rache-Botschaften an die Mörder al-Dschabaris. Auch Mitgefühl wird über Tweets vermittelt. Ob es sich dabei um Tatsachen handelt, ist für die Veröffentlicher unerheblich. Eine Nutzerin schreibt: "Israel greift gerade Gaza an. Bisher unbestätigt - Sechs Tote, meist Jugendliche, und 25 Verletzte". Ebenso werden Fotos von verletzten Kindern hochgeladen.

Propaganda und Kriegsberichterstattung über soziale Netzwerke ist ein relativ junges Phänomen. Auf diese Weise können frühestmöglich große Menschengruppen zielgerichtet beeinflusst werden. Obwohl die israelische Kriegsführung im Netz wesentlich professioneller ist als die der Hamas, sorgen auch Netzberichte der Bewohner des Gaza-Streifens für Aufmerksamkeit.

Aus den Palästinensergebieten schreiben User über Stromausfälle in Gaza und Explosionen in der Nähe. Die israelische Netzpropaganda ist ausgefeilt, doch der militärische Arm der Hamas hält dagegen – ein zweiter Krieg auf digitaler Ebene.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Mehr Obst und Gemüse: Viele Schulen wünschen sich gesünderes Essen für ihre Schüler
07:16Schulessen
Berliner Senat verdirbt Eltern den Appetit

Die Reform des Schulessens wird am Donnerstag im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses abgestimmt. Eltern sollen künftig 37 Euro statt 23 Euro zahlen. Sie hoffen jetzt auf eine soziale Staffelung. mehr...


Sängerin Beyoncé ist in der O2 World in Friedrichshain zu Gast
22.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Donnerstag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Donnerstag, den 23. Mai. mehr...


Die 13.000 BVG-Beschäftigten können sich über ein Lohnplus von knapp 4,8 Prozent in zwei Jahren freuen
07:16Kommentar
Die BVG ist einen bemerkenswerten Kompromiss eingegangen

Die Berliner Verkehrsbetriebe und die Gewerkschaften haben sich rasch auf einen neuen Tarifabschluss geeinigt. Nun ist die Landespolitik gefordert, die sich klar zu ihrer BVG bekennen muss. mehr...


Am Dienstagnachmittag gegen 17.30 Uhr wurde 82 Jahre alter Mann in einer Supermarkt-Filiale erstochen
07:14Mord an Fleischtheke
Verdächtiger wird voraussichtlich in Psychiatrie eingewiesen

Nach der tödlichen Messerattacke auf einen 82-Jährigen in einer Kaufland-Filiale im Wedding muss geklärt werden, ob der mutmaßliche Täter voll schuldfähig ist. Sein Motiv ist weiterhin unklar. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Oklahoma Wiedersehen nach dem schweren Tornado
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
US-Kongress Apple verteidigt Steuersparmodell
Xbox One Microsoft stellt neue Spielkonsole vor
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote