15.11.2012, 17:01

Thessaloniki Demonstranten übergießen deutschen Konsul mit Kaffee

Foto: Nikolas Giakoumidis / dapd

Griechische Demonstranten haben in Thessaloniki eine Konferenz mit deutschen Teilnehmern gestürmt und Konsul Hoelscher-Obermaier attackiert.

Dutzende griechische Demonstranten haben in Thessaloniki eine Bürgermeisterkonferenz mit deutschen Teilnehmern gestürmt und während einer Rangelei den deutschen Generalkonsul in der Stadt mit Kaffee übergossen.

Der Protest am Donnerstag richtete sich gegen die Anwesenheit des parlamentarischen Staatssekretärs im Arbeitsministerium, Hans-Joachim Fuchtel (CDU). Er ist deutscher Sondergesandter für Griechenland. Leidtragender der Handgreiflichkeiten war Generalkonsul Wolfgang Hoelscher-Obermaier.

"Diese Leute sind nicht hierhergekommen, um uns zu helfen, sondern um unsere Todesstrafe zu verkünden", sagte Themis Balasopoulos, Chef der Gewerkschaft der Kommunalangestellten. Die Demonstranten skandierten "Nazis raus", als sie die Teilnehmer der Konferenz von griechischen und deutschen Bürgermeistern bedrängten und am Zugang hindern wollten. Über Lautsprecher spielten sie Nazi-Hymnen und griechische Radioaufnahmen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs ab. Insgesamt demonstrierten laut Polizei rund 300 Menschen vor dem Konferenzgebäude in der nordgriechischen Stadt. Hoelscher-Obermaier blieb unverletzt und wurde von Polizeibeamten aus dem Gedränge geleitet.

Generalkonsul spricht von Missverständnis

Am Vortag der Demonstration hatte Staatssekretär Fuchtel Medienberichten zufolge gesagt, ein Beamter in Deutschland erledige die gleiche Arbeit wie drei städtische Beamte in Griechenland. Hoelscher-Obermaier sprach gegenüber Journalisten von einem Missverständnis und davon, nach dem Vorfall noch mehr als zuvor pro-griechisch eingestellt zu sein. Der Angriff auf ihn habe ihn nicht empört.

Die Polizei verfolgte die Protestierenden durch das Konferenzzentrum. Verhaftungen wurden zunächst nicht bekannt. Vor dem Gebäude beteiligte sich die Bundestagsabgeordnete Annette Groth (Linke) an der Demonstration. "Nicht ihr solltet den Preis für diese Krise zahlen, sondern die Reichen", sagte Groth. Weiter sagte sie zu den Demonstranten: "Ich verstehe euch, auch ich war wütend und arbeitslos." Gegen "Faschismus und bestimmte Interessen" müsse gekämpft werden.

Der Sprecher der Linksfraktion, Hendrik Thalheim, erklärte dazu, dass sich die Bundestagsabgeordnete mit der Demonstration an sich solidarisiert habe, nicht aber mit dem gewaltsamen Vorgehen einzelner Demonstranten. "Frau Groth lehnt Gewalt ab", sagte Thalheim in Berlin.

In Griechenland wird Deutschland häufig für die harten Sparmaßnahmen verantwortlich gemacht, die das Land erfüllen muss, um Finanzhilfe zu erhalten. Deutschland zählt zu den größten Geldgebern. Erst vergangene Woche hatte das Parlament in Athen ein weiteres Sparpaket verabschiedet. Bei einem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gingen im Oktober rund 50.000 Bürger auf die Straße.

(dapd/afp/bee)
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