15.11.12

Kurden-Konflikt

Deutsche Linken-Politikerin in Istanbul verhaftet

Die frühere deutsche EU-Abgeordnete Feleknas Uca wollte kurdischen Häftlingen in der Türkei mit Vitaminpräparaten helfen. Nach ihrer Einreise wurde sie verhaftet – wegen Unterstützung von Terroristen.

Foto: Wikipedia / sozialisten.de / CC3

Feleknas Uca saß bis 2009 für die Linke und die PDS im Europaparlament. in der Türkei wurde sie verhaftet, weil sie Vitaminpräparate nicht verzollt hatte
Feleknas Uca saß bis 2009 für die Linke und die PDS im Europaparlament. in der Türkei wurde sie verhaftet, weil sie Vitaminpräparate nicht verzollt hatte

Die deutsch-kurdische Politikerin Feleknas Uca ist in der Türkei verhaftet worden, offenbar weil sie hungerstreikenden kurdischen Häftlingen in türkischen Gefängnissen mit Vitaminpräparaten helfen wollte.

Seit dem 12. September befindet sich eine wachsende Zahl von Häftlingen in sieben Gefängnissen im Hungersteik; nach Angaben der Kurdenpartei BDP waren es am 14. November aktuell 818 Teilnehmer. Zu Beginn der Aktion am 12. September waren es nur 64 gewesen.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte bei seinem jüngsten Deutschlandbesuch das Ganze als "Show" abgetan und behauptet, es gebe eigentlich nur einen einzigen wirklich hungernden Häftling. Die deutschen Medien hatten im Übrigen weder die skurrile Bemerkung Erdogans, noch das Ausmaß des Hungerstreiks besonders erwähnt, der Akzent lag auf der neuen Macht der Türkei und ihres Premiers.

Nun scheint es – nach Angaben der BDP – so weit zu sein, dass die ersten Hungernden in Todesgefahr schweben. "Wir fürchten, dass der Verlust von Leben unmittelbar bevorsteht", erklärte BDP-Chef Selahattin Demirtas am 14. November.

Häftlinge sitzen nicht wegen Gewalttaten

Der Hungerstreik verfolgt mehrere Ziele. Das erste ist wohl, der Weltöffentlichkeit zu zeigen, wie viele Menschen aus politischen Gründen in türkischen Gefängnissen sitzen.

Die Türkei gehört zu den Ländern mit den meisten Häftlingen der Welt. Die Regierung sieht in ihnen zwar Terroristen, nicht etwa politische Gefangene, aber die mehreren Tausend Betroffenen sind zumeist im Rahmen von Verfahren gegen die KCK verurteilt worden, eine Vereinigung kurdischer Zivilorganisationen und Ortsverwaltungen.

Dabei ging es nicht um Gewalttaten. Die Regierung sah in der KCK vermutlich eine Vorstufe zu einer separatistischen Parallelverwaltung der kurdischen Gebiete der Türkei.

Offiziell geht es den Hungerstreikenden um das Ende der Isolationshaft für den inhaftierten PKK-Chef Abdullah Öcalan und die Einführung von muttersprachlichem Unterricht auf Kurdisch an staatlichen Schulen – eine Forderung, die Erdogan abgelehnt hat - sowie das Recht auf Verteidigung vor Gericht auf Kurdisch. Die Verfassung verbietet all das – denn sie schreibt als einzige Staatssprache Türkisch vor.

Uca wurde wegen Vitaminpräparaten verhaftet

Feleknas Uca, die früher für PDS und Linkspartei im Europaparlament saß, wurde nach ihrer Einreise in Istanbul verhaftet, weil sie "248 Vitaminpräparate" nicht verzollt habe. Die Präparate gelten als Mittel, um Spätfolgen bei Hungerstreik zu verhindern. Ihr wird nun Unterstützung einer Terrororganisation vorgeworfen (der PKK).

Sie weigerte sich, mit der Polizei auf türkisch zu sprechen, und lehnte auch einen angebotenen Übersetzer ab, um auf Deutsch zu kommunizieren. Sie bestehe darauf, nur Kurdisch zu sprechen.

Viel spricht für eine konzertierte Aktion, um mediale Aufmerksamkeit zu maximieren – zugleich verbreiten die Organisatoren der Medienkampagne zum Hungerstreik Unterschriftenlisten, worin prominente deutsche Persönlichkeiten ihre Unterstützung für die Kurden bekunden; Journalisten werden mit Infos zum Hungerstreik bombardiert, Redaktionen mit gleichlautenden Leserbriefen überschwemmt.

Parallel zum Hungerstreik läuft seit dem Frühsommer eine PKK-Offensive im Südosten des Landes. Weite Teile der Region sind selbst für das Militär nicht mehr ohne weiteres zugänglich, die PKK ist dazu übergegangen, hier und da "Checkpoints" zu errichten, die meistens schnell wieder verschwinden.

Die PKK-Angriffe und der Hungerstreik sind die größte militärisch-politische Offensive der PKK und ihrer zivilen Partner seit dem Bürgerkrieg in den 90er Jahren.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Der Karneval der Kulturen 2013 tanzt durch Kreuzberg.
14:47Stadtfest
Karneval der Kulturen – Kreuzberg feiert, tanzt und lacht

In Berlin-Kreuzberg ist es heute wieder bunt und voll: 4400 Tänzer, Musiker und andere Akteure inszenieren den Karneval der Kulturen. 75 Gruppen sind laut Veranstalter bei dem Multikulti-Umzug dabei. mehr...

Die dänische Sängerin Emmelie de Forest hat den ESC gewonnen
08:29Malmö 2013
Eurovision Song Contest - Dänin vorn, Deutschland enttäuscht

Emmelie de Forest war die Favoritin der Buchmacher, und gewann mit ihrem Hippie-Chic tatsächlich den Eurovision Song Contest. Deutschland stürzt mit Euro-Trash-Klängen von Cascada auf Platz 21 von 26. mehr...


Flughafenchef Hartmut Mehdorn will den Airport Tegel bis 2018 offen halten und den BER etappenweise ans Netz gehen lassen. Mit seinen Plänen sind nicht alle Gesellschaftler zufrieden
07:22Hauptstadtflughafen
Was die Aufsichtsratsmitglieder von Hartmut Mehdorn halten

BER-Chef Mehdorn hat sich mit seinen neuen Hauptstadtflughafen-Plänen wenig Freunde gemacht. Besonders die Tatsache, dass er Tegel bis 2018 offen halten will, stößt vielen Politikern sauer auf. mehr...


In der U2 haben am Sonnabend mehrere Männer auf einen schlafenden Jugendlichen eingeschlagen
09:39Kriminalität
Schlägertruppe prügelt in U2 auf schlafenden 17-Jährigen ein

In einer Berliner U-Bahn kam es wieder zu roher Gewalt: Eine Gruppe von mehreren Männern wählte sich willkürlich einen schlafenden Jugendlichen als Opfer, und prügelte wild auf ihn ein. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote