15.11.12

Südeuropa

Schwere Krawalle bei Protesten gegen Sparpolitik

In den Krisenländern haben sich Hunderttausende ihrem Ärger Luft gemacht. In Spanien, Portugal und Griechenland kam es zu Ausschreitungen.

Foto: dapd

Heftige Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizisten gab es in Italien.

8 Bilder

Schwere Krawalle haben die europaweiten Protesten gegen die Sparpolitik überschattet. In Spanien wurden bei gewaltsamen Zwischenfällen während eines Generalstreiks insgesamt mehr als 74 Menschen verletzt, darunter 18 Polizisten. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden gab es 142 Festnahmen.

In Madrid und Barcelona lieferten sich radikale Gruppen in der Nacht zum Donnerstag Straßenschlachten mit der Polizei. Randalierer setzten Müllcontainer und Polizeifahrzeuge in Brand. In beiden Städten wurden dabei 30 Menschen verletzt und 28 mutmaßliche Gewalttäter festgenommen. Auch in Lissabon artete eine Protestkundgebung von Tausenden von Menschen am Rande eines Generalstreiks in Gewalt aus. In Rom sprachen Reporter am Mittwoch von Guerilla-ähnlichen Szenen.

Millionen Beschäftigte hatten am Mittwoch in mehreren Euro-Krisenländern die Arbeit niedergelegt. In Spanien und Portugal brachten 24-stündige Generalstreiks ganze Wirtschaftsbereiche zum Erliegen. Von den Aktionen waren auch der internationale Flug- und Bahnverkehr betroffen. Ein Verkehrschaos blieb jedoch weitgehend aus.

Am Abend protestierten Hunderttausende Spanier und Portugiesen auf friedlich verlaufenen Massendemonstrationen gegen die Sparpolitik ihrer Regierungen. In Spanien bezifferte das Innenministerium die Zahl der Demonstranten auf 800.000. Die Gewerkschaften sprachen allein in Madrid und Barcelona von zwei Millionen. In beiden Städten kam es im Anschluss an die Kundgebungen zu Auseinandersetzungen zwischen radikalen Gruppen und der Polizei. Die Beamten gingen mit Tränengas, Gummigeschossen und Schlagstöcken gegen Randalierer vor.

Steinregen geht auf Polizisten nieder

In Lissabon wurden Polizisten in der Nähe des Parlaments mit Steinen, Flaschen, Böllern und Farbbeuteln beworfen. Zunächst wehrten die Polizisten die Wurfgeschosse nur mit ihren Schilden ab, um die Gewalt nicht weiter anzuheizen. Schließlich versuchten Demonstranten, die Polizisten mit einer Menschenkette zu schützen. Schließlich feuerten die Beamten nach Angaben der Nachrichtenagentur Lusa Schüsse in die Luft ab, um die Randalierer auseinander zu treiben.

In Rom warfen Schüler und Studenten Steine, Flaschen und Sprengsätze auf die Polizei, die Sicherheitskräfte rückten mit gepanzerten Fahrzeugen vor.

In Spanien brachte der Generalstreik die Produktion in den Autowerken von Konzernen wie Volkswagen, Seat, Opel oder Nissan weitgehend zum Erliegen. Die Gewerkschaften bezifferten die Beteiligung am Generalstreik auf über 70 Prozent der Beschäftigten. Bei den Bahnen, U-Bahnen und Bussen war ein Mindestbetrieb vereinbart worden. In Portugal waren vor allem der Verkehrsbereich und der öffentliche Dienst betroffen. In Lissabon fuhr die U-Bahn nicht, im ganzen Land blieben Züge und Busse stehen. Auch die Post, Krankenhäuser und Bildungseinrichtungen wurden bestreikt.

In Griechenland legten Zehntausende Beschäftigte, hauptsächlich Staatsbedienstete, für drei Stunden die Arbeit nieder. Auch in Paris protestierten mehrere Tausend Menschen unter dem Motto "Für Beschäftigung und Solidarität – gegen Sparmaßnahmen". Rund 250 Demonstranten versammelten sich am Brandenburger Tor in Berlin. Der Europäische Gewerkschaftsbund hatte den Mittwoch zum "Solidaritätstag" erklärt.

Durch die Streiks kam es zu erheblichen Behinderungen und Ausfällen im Bahn- und Flugverkehr. Dutzende Verbindungen von und nach Deutschland wurden gestrichen. In Spanien und Portugal sagten die Fluggesellschaften Hunderte Flüge ab. In Belgien legte ein 24-stündiger Streik der Bahnmitarbeiter den Zugverkehr weitgehend lahm. Die Deutsche Bahn setzte auf der ICE-Verbindung von Aachen nach Lüttich Ersatzbusse ein. Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys zwischen Deutschland und Belgien verkehrte nicht.

Quelle: dpa/mim
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Kristall Sauna Therme   Ludwigsfelde in Brandenburg bei Berlin   das grov¸e Angebot fv r Baden Wellness und Sauna vor. FKK und Sportbad.
23.05.13Ludwigsfelde
Freizeitbad vor den Toren Berlins warnt vor Sextätern

Die Kristall Saunatherme in Ludwigsfelde geht nach sexuellen Übergriffen in dem FKK-Bad in die Offensive: In Zusammenarbeit mit der Polizei installierten die Verantwortlichen Videokameras. mehr...


Rammstein-Frontman Till Lindemann auf der Bühne in Moskau
23.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Freitag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Freitag, den 24. Mai. mehr...


In Häusern aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieben die Mietpreise relativ stabil. Im Durchschnitt stiegen die Mieten in Berlin um mehr als sechs Prozent
23.05.13Kommentar
Warum Berlin die hohen Mieten nicht hinnehmen darf

Die Berliner Durchschnittsmiete ist im Mietspiegel um mehr als sechs Prozent gestiegen. Vor allem Normalverdiener leiden darunter. Noch können und sollten wir aber gegensteuern, findet Jachim Fahrun. mehr...


Im Olympiastadion steht ein weiteres Sporthighlight bevor: das Champions-League-Finale 2015
23.05.13Fußball
Finale 2015 der Champions League im Olympiastadion

Dieses Jahr bekommt Berlin die Fanmeile zum Champions-League-Finale – in zwei Jahren wird das Spiel hier im Olympiastadion stattfinden. Berlins Fußball-Präsident verspricht: "Wir können Fußball". mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
USA Bär spaziert durch Vorort von Los Angeles
London Islamisten töten britischen Soldaten
Deutsche Welle In Norditalien kommt die Erde nicht zur Ruhe
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote