14.11.12

Toter Militärführer

Ahmed Dschabari war der "General" der Hamas

Sein größter Erfolg war die Entführung Gilad Schalits im Juni 2006. Doch Ahmed Dschabari war weit mehr als nur der Anführer der Issedine-al-Kassam-Brigaden, des militärischen Flügels der Hamas.

Von Michael Borgstede
Foto: pa/dpa/HAMAS MEDIA OFFICE
Israeli air strike kills Hamas military chief Jabari
Ahmad Dschabari (2.v.r.) war einer der wichtigsten Führer der Hamas

Ahmad Dschabari hielt nicht viel von Öffentlichkeitsarbeit. Zu Interviews war er selten bereit, Fotos von ihm sind rar. Ein Handy trug er schon aus Sicherheitsgründen nicht bei sich und über seinen jeweiligen Aufenthaltsort wussten nur seine engsten Vertrauten Bescheid.

Nur einmal, vor einem Jahr, ist der Stolz mit ihm durchgegangen: Bei der Überführung des entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit nach Ägypten im Rahmen eines Gefangenenaustausches ließ Dschabari es sich nicht nehmen, den abgemagerten jungen Mann persönlich über die Grenze zu geleiten.

Er hatte die Entführung am 25. Juni 2006 schließlich selbst geplant. Und er wusste, dass er zumindest in jenem Moment keinen israelischen Anschlag zu fürchten brauchte.

Schon vier Anschläge Leben gescheitert

Am Mittwochnachmittag fiel Ahmed Dschabari dann doch einer israelischen Rakete zum Opfer. In den Jahren zuvor waren mindestens vier Anschläge auf sein Leben gescheitert: 2004 kamen bei einem solchen Fehlschlag sein Sohn, sein Bruder und drei weitere Verwandte ums Leben.

Für Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist der Tod des Terrorführers ein großer Erfolg. Sicher weiß man auch in Israel, dass ein Nachfolger gewiss nicht lange auf sich warten lassen wird.

Und doch war Ahmed Dschabari weit mehr, als nur der Anführer des militärischen Flügels der Hamas, der Issedine-al-Kassam-Brigaden.

In Gaza-Stadt geboren

Dschabari wurde 1960 in einem Dorf in der Nähe von Gaza-Stadt geboren. Mit 17 schloss er sich der Fatah-Bewegung an, wurde 1982 von den Israelis verhaftet und zu 13 Jahren Haft verurteilt. Im israelischen Gefängnis lernte er aber nicht nur Hebräisch, er wurde auch streng religiös und schloss sich der noch relativ jungen islamistischen Hamas an.

Unter seinen damaligen Mithäftlingen befanden sich die späteren Hamas-Führer Abdel Asis Rantisi und Nizar Rajan, die beide ebenfalls israelischen Luftangriffen zum Opfer gefallen sind. Auch Salah Shehada, dessen Tochter Dschabari später heiraten würde, lebt nicht mehr.

Er war bis zu seinem Tod 2002 Anführer der Issedine-al-Kassam. Nachdem auch sein Nachfolger bei einem Angriff schwer verletzt wurde stieg Dschabari de facto zum Chef der Organisation auf.

Sie nennen ihn den "General"

Seitdem sollen die Brigaden sehr viel straffer organisiert sein, es geht disziplinierter und professioneller zu. Dschabari, den sie intern auch den "General" nennen, intensivierte die Beziehungen zum Iran und war bei der Schaffung neuer Schmuggelrouten für Waffen und Raketen beteiligt.

Bei der brutalen Machtübernahme der Hamas im Juni 2007 soll Dschabari eine entscheidende Rolle gespielt haben. Sein Verhältnis zur Fatah war eh nicht mehr das Beste: 1998 hatten die Sicherheitskräfte von Präsident Jassir Arafat ihn wegen der Beteiligung an einem Anschlag für zwei Jahre hinter Gitter gebracht.

Als im Herbst 2010 die Verhandlungen zwischen dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auf einem guten Weg schienen, drohte Dschabari, den Friedensprozess mit Terroranschlägen aus der Bahn zu werfen.

Entführung Gilad Schalits sein größter Erfolg

Sein größter Erfolg aber war die Entführung Gilad Schalits im Juni 2006. Der israelische Journalist und Hamas-Fachmann Schlomi Eldar schreibt in seinem jüngsten Buch, die Aktion habe Dschabari zum wahren und angefochtenen Führer der Hamas in Gaza gemacht.

Viele Palästinenser bestätigen diese Einschätzung: Ahmad Dschabari habe in den vergangenen Jahren von der politischen Führung um Ismael Hanija längst keine Befehle mehr entgegen genommen und praktisch im Alleingang die politische Richtung diktiert.

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