13.11.12

CIA-Chef

Die Petraeus-Affäre wird zur tragischen Seifenoper

Jetzt ist neben Ex-CIA-Chef auch ein weiterer General in den Skandal verwickelt. US-Kommandeur John Allen soll Petraeus Freundin Jill Kelley "unziemliche" E-Mails geschrieben haben.

Foto: Infografik Die Welt
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Zwei Vier-Sterne-Generäle, zwei attraktive Frauen und ein FBI-Agent mit nacktem Oberkörper: Das sind die Hauptdarsteller des Skandals, der Washington derzeit mit der Zuverlässigkeit einer Daily Soap täglich Weiterungen und Wendungen präsentiert. Mit dem Rücktritt von CIA-Chef David Petraeus (60) und seinem Eingeständnis einer außerehelichen Affäre mit seiner Biografin Paula Broadwell (40) hatte es am Freitag begonnen.

Am Wochenende lernte die Öffentlichkeit in Jill Kelley (37) die Frau kennen, die von Broadwell anonyme E-Mails erhalten hatte, offensichtlich mit der Aussage, sie solle ihre Finger von dem General lassen. Das FBI ermittelte und stieß dabei auf die Affäre Broadwells mit Petraeus.

Aber in der Nacht auf Dienstag betrat ein zweiter prominenter Vier-Sterne-General die Bühne, von dem die in South Tampa, Florida lebende Kelley möglicherweise nicht die Finger ließ: John R. Allen (58), der im Juni 2011 in Afghanistan Petraeus als Oberkommandierender der US- und Isaf-Kräfte ablöste, soll seit dem Jahr 2010 E-Mails im Umfang von bis zu 30.000 Seiten mit Kelley ausgetauscht haben, darunter solche mit "unziemlichem Inhalt".

Nackter Oberkörper in E-Mail-Postfach

Und dann tauchte auf dem Computer von Kelley, die als ehrenamtliche Verbindungsfrau zum in Tampa stationierten Oberkommando der Spezialkräfte zahlreiche Partys für Spitzenmilitärs organisierte, auch noch das Foto eines FBI-Agenten mit nacktem Oberkörper auf. Diesen Bundespolizisten, offensichtlich ein alter Freund, hatte Kelley über die anonymen E-Mails informiert, als deren Absender später Broadwell entlarvt wurde.

Der Agent, der inzwischen internen Ermittlungen ausgesetzt ist, verständigte Kollegen von einer für Cyber-Kriminalität zuständigen FBI-Einheit in Tampa. Weil ihm die Ermittlungen zu langsam liefen, beschwerte er sich schließlich bei dem republikanischen Kongressabgeordneten Dave Reichert aus Washington (State).

Dieser Abgeordnete brachte den FBI-Informanten mit Eric Cantor zusammen, dem republikanischen Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus. Dass dadurch Cantor schon Ende Oktober über die Affäre Petraeus informiert war, während die für Geheimdienstbelange zuständigen Parlamentarier erst nach der Wahl davon erfuhren, hatte in den vergangenen Tagen für Irritationen gesorgt.

Anhörung im im Fall P4

Am Mittwoch und Donnerstag wird der Fall in einer mutmaßlich alles andere als geschäftsmäßigen Anhörung des Geheimdienstausschusses des Senats zum Teil hinter verschlossenen Türen erörtert. Dass alle Beteiligten verheiratet sind, unglücklicherweise aber nicht miteinander, erweitert die Gemengelage aus Bewunderung, Sex und Leidenschaft.

Holly Petraeus, seit 38 Jahren mit dem vormaligen CIA-Direktor und früheren Oberkommandierenden im Irak und in Afghanistan verheiratet, ist so offenkundig wie nachvollziehbar stinksauer. "Wütend wäre eine Untertreibung", beschrieb Steve Boylan, ein Freund der Familie, dem Sender ABC die Reaktion der Frau, mit der "P4", wie der Ex-General wegen der Zahl seiner Sterne genannt wird, zwei erwachsene Kinder hat.

Ruinierte Ehen, zertrümmerte Karrieren

Neben verratenen Gefühlen und möglicherweise ruinierten Ehen hat die Sexaffäre in der Schnittfläche von Militärs und Geheimdiensten auch Karrieren zertrümmert. Petraeus, der am Mittwoch den kurz zuvor wiedergewählten Präsidenten Barack Obama um seine Entlassung bat und zwei Tage später die Zustimmung bekam, galt als möglicher Kandidat der Republikaner fürs Weiße Haus.

Der General, der durch seine erfolgreiche Taktik gegen die Aufständischen im Irak hohen Respekt in beiden politischen Lagern erwarb, war im April als möglicher "running mate" gehandelt worden.

Broadwell, seine wohlwollende Biografin, twitterte zu einem entsprechenden Artikel in "Foreign Affairs" unter Anspielung auf dieses überparteiliche Ansehen: "Petraeus als Vizepräsident? Aber für Romney oder Obama?"

General Allen droht Prozess

Allen droht mehr als ein Karriereknick. Der General hält sich derzeit in Washington auf, wo am Donnerstag im Senat die Anhörung zu seiner geplanten Ernennung zum Nato-Oberbefehlshaber in Europa (Saceur) starten sollte. Obama hat diesen Prozess zunächst "auf Eis gelegt". Allen bleibt Oberkommandierender in Afghanistan.

Aber sollte er auch Ehebruch begangen haben, droht ihm nach dem US-Militärrecht ein Prozess. Artikel 134 sieht dies für den Fall vor, dass ein Seitensprung das Ansehen der Streitkräfte in Misskredit bringt.

Petraeus muss diese Konsequenzen nicht fürchten, wenn sich die Darstellung bestätigt, dass seine Affäre mit Broadwell erst nach seinem Ausscheiden aus dem Militär und dem Antritt als CIA-Chef im Sommer 2011 begann. Das Verhältnis, wollen Freunde des Generals wissen, endete vor vier Monaten.

Broadwell hatte Petraeus auch während seines vorangegangenen Afghanistan-Einsatzes über mehrere Monate begleitet, angeblich wegen der Biografie. Ab Mai schickte sie jene fünf bis zehn anonymen E-Mails von verschiedenen Orten an Kelley.

Eifersüchtige E-Mails

Die Natur dieser E-Mails wird als "kindisch" und "eifersüchtig" beschrieben. Broadwell soll Kelley beschimpft haben, sie habe Verhältnisse mit Generälen, die in Tampa, dem Sitz des Einsatzführungskommandos der Spezialkräfte, "kommen und gehen". Petraeus wie Allen waren dort vorübergehend stationiert. Als Petraeus von FBI-Ermittlern über Inhalt und Ton der E-Mails seiner Ex-Geliebten informiert wurde, soll er "erschüttert" reagiert haben.

Auch für Broadwell, die als aufstrebender Star im sicherheitspolitischen Gewerbe galt, ist die Affäre noch nicht ausgestanden. Von Montagabend bis Dienstagmorgen um ein Uhr filzten FBI-Beamte ihr Haus in North Carolina, in dem sie mit ihrem Mann und den zwei kleinen Söhnen lebt.

Die Familie war nicht daheim, als die Beamten Akten, Computer und Taschen mit Unterlagen abtransportierten, angeblich mit dem Einverständnis von Broadwell. Offenkundig geht es nicht nur um Sex, sondern um die Frage, ob und von wem sie geheime Unterlagen bekam. Washingtons Acht-Sterne-Daily-Soap geht also weiter.

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