13.11.12

Iran

Inhaftierte Anwältin hungert für ihre Kinder

Seit 27 Tagen isst die in Teheran inhaftierte Menschenrechtsanwältin Sotoudeh aus Protest gegen Repressionen nichts mehr. Nach langer Zeit durfte sie jetzt ihre Kinder wiedersehen.

Foto: dpa

Im Dezember 2010 protestiert die Friedensnobelpreis-Trägerin Shirin Ebadi für die Freilassung von Nasrin Sotoudeh vor dem Sitz der Vereinten Nationen in Genf
Im Dezember 2010 protestiert die Friedensnobelpreis-Trägerin Shirin Ebadi für die Freilassung von Nasrin Sotoudeh vor dem Sitz der Vereinten Nationen in Genf

27 Tage lang hat Nasrin Sotoudeh nichts mehr gegessen – aus Protest gegen die unmenschlichen Haftbedingungen im Teheraner Evin-Gefängnis und gegen die Repressionen, die ihre Familie treffen.

Jetzt durfte die inhaftierte Menschenrechtanwältin endlich für ein paar Minuten ihren beiden Kinder sehen. "Mami hat gesagt: Heb diesen Kuss auf und geb ihn deinem Papa!", soll ihr Sohn Nima laut eines Facebook-Eintrags von Sotoudehs Mann Reza Khandan nach dem Besuch bei seiner Mutter gesagt haben.

Die zwölfjährige Mehraveh und der fünfjährige Nima durften laut des Facebook-Eintrags von Montagabend ganz unerwartet ihre Mutter besuchen. Noch am Vortag soll ihnen ein Besuch verweigert worden sein. Ihren Hungerstreik setzte Sotoudeh allerdings trotz der Begegnung mit ihren Kindern fort.

Seit ihrer Verurteilung im Januar 2011 sitzt die bekannte Anwältin im Evin-Gefängnis eine sechsjährige Strafe wegen Angriffs auf die nationale Sicherheit und Propaganda gegen die Staatsführung ab.

Sie hatte sich immer für die Rechte von politischen Gefangenen nach den Protesten gegen das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen 2009 engagiert und für Frauenrechte und gegen die Todesstrafe für Minderjährige gekämpft. Das war der iranischen Führung ein Dorn im Auge. Ende Oktober wurde Sotoudeh für ihren Einsatz für die Menschenrechte mit dem Sacharow-Preis des EU-Parlaments ausgezeichnet.

Weiterhin im Hungerstreik

Nicht nur Sotoudeh leidet in Haft immer wieder unter Repressionen. Sie durfte in den vergangenen drei Monaten nur durch eine Glasscheibe Kontakt zu ihrer Familie haben. Ihrem Mann und ihrer zwölfjährigen Tochter wurde im Juli mitgeteilt, dass sie nicht mehr ins Ausland reisen dürfen.

Laut Amnesty International wurde Reza Khandan im Januar 2011 sogar für eine Nacht im Evin-Gefängnis festgehalten, weil er sich für seine Frau eingesetzt hatte.

Diese Repressionen gegen ihre Familie will Sotoudeh nicht hinnehmen. Deswegen führt sie den Hungerstreik nach dem Treffen mit ihren Kindern weiter. Und das, obwohl ihr Gesundheitszustand sich mittlerweile sehr verschlechtert haben soll. Seit ihrer Verurteilung hat sie schon mehrfach aufgehört zu essen, um auf die Haftbedingungen aufmerksam zu machen.

"Nasrin, die Zukunft des Iran braucht dich!"

Im sozialen Netzwerk Facebook haben einige Nutzer Fotos gepostet, auf denen sie ein Bild Sotoudehs in den Händen halten neben dem geschrieben steht: "Nasrin, die Zukunft des Iran braucht dich! Bitte beende deinen Hungerstreik", heißt es darauf.

Auf der ganzen Welt gab es in den letzten Wochen sogar Protestaktionen gegen die Inhaftierung der Anwältin – unter anderem in Paris, New York, Hamburg und Montreal. Auch die Friedensnobelpreis-Trägerin Shirin Ebadi demonstrierte für die Freilassung von Sotoudeh. Jahre zuvor war es die Sotoudeh gewesen, die vor Gericht für Ebadi gekämpft hat.

Berüchtigtes Gefängnis von Teheran

Nasrin Sotoudeh ist nicht die einzige Gefangene im berüchtigten Evin-Gefängnis, die versucht mit einem Hungerstreik auf ihre menschenunwürdige Situation aufmerksam zu machen.

Erst Ende Oktober waren neun weitere inhaftierte Frauen im Evin-Gefängnis in einen Hungerstreik getreten. Bei einer unangekündigten Durchsuchung sollen Wärter sie geschlagen und beleidigt haben. Mittlerweile haben sie den Streik beendet und wollen rechtlich gegen das Gefängnis vorgehen.

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