11.11.12

Syrien und Gaza

Israels Armee holt zum Gegenschlag aus

Mehrere Granaten aus Syrien treffen die Golanhöhen, Dutzende Raketen aus dem Gazastreifen schlagen im Süden ein: Israel will sich die Aggressionen an den Grenzgebieten nicht länger gefallen lassen.

Von Michael Borgstede
Quelle: Reuters
13.11.12 0:49 min.
Israelische Kampfflugzeuge haben erneut Ziele im palästinensischen Gazastreifen angegriffen. Zuvor waren Raketen auf israelisches Gebiet gefeuert worden. Es sei ein Waffendepot getroffen worden.

Erstmals seit dem Jom-Kippur-Krieg 1973 hat die israelische Armee eine Artilleriesalve auf syrisches Territorium abgefeuert. Es soll sich um Warnschüsse in ein unbewohntes Gebiet gehandelt haben, es gab deshalb weder Verletzte noch wurde Schaden angerichtet.

Zuvor war erneut eine syrische Mörsergranate auf die 1967 von Israel eroberten und de facto annektierten Golanhöhen abgefeuert worden. Die Granate sei aus der Gegend des Dorfes Bir al-Adschami abgefeuert wurden, sagte ein Armeesprecher. Wahrscheinlich habe es sich um einen Fehlschuss bei den Kämpfen zwischen der syrischen Armee und den Aufständischen gehandelt.

Erneute Beschwerde bei Vereinten Nationen

In den vergangenen Wochen hat es immer wieder derartige Zwischenfälle gegeben: Seit September sind mehrmals Granaten auf den nördlichen Golanhöhen eingeschlagen. Am vergangenen Montag wurde ein israelisches Armeefahrzeug von einem Querschläger getroffen, am dritten November waren drei syrische Panzer in die demilitarisierte Zone eingedrungen, und erst vor zwei Tagen schlugen drei Granaten in der Gegend des israelischen Dorfes Alonei Habashan ein.

Daraufhin hatte Strategieminister Mosche Jaalon die syrische Regierung gewarnt. "Das syrische Regime ist für das verantwortlich, was sich entlang der Grenze ereignet", sagte Jaalon, der auch einer der Stellvertreter von Regierungschef Benjamin Netanjahu ist. Sollten sich die Zwischenfälle ausweiten, werde Israel seine Bürger und "die Souveränität des israelischen Staates zu verteidigen wissen". Auch Verteidigungsminister Ehud Barak hatte nur wenige Stunden vor dem Zwischenfall angekündigt: "Wenn eine Granate fällt, werden wir zu reagieren wissen."

Israel legte zudem erneut Beschwerde bei den Vereinten Nationen ein. Sollte der Beschuss nicht enden, sehe man sich zu eine "wirklichen Reaktion" gezwungen.

"Bereit, unsere Reaktion zu verstärken"

Bisher hatte man in Israel versucht, sich aus dem seit 19 Monaten andauernden syrischen Bürgerkrieg herauszuhalten. Man wollte dem Regime von Präsident Assad keinen Vorwand liefern, durch einen Konflikt mit Israel von seinen internen Schwierigkeiten abzulenken. "Wir haben kein Interesse daran, zwischen die Armee und die Rebellen zu geraten", stellte ein Armeesprecher auch am Sonntag wieder klar. Aus Armeekreisen ist allerdings zu hören, in Zukunft werden jeder Beschuss direkt beantwortet.

Ob es sich bei den syrischen Granaten tatsächlich nur um Querschläger handelt und nicht möglicherweise um einen gezielten Beschuss, wollte der Armeesprecher nicht beantworten: "Die Richtlinien lauten, dass auf jeden Beschuss, der uns gefährden und der potenziell andauern könnte, eine Reaktion erfolgt", sagte er.

Mehr Sorge als eine mögliche Eskalation im Norden des Landes bereitet den Israelis momentan aber der andauernde Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Allein seit Samstag schlugen mehr als 80 Raketen im Süden des Landes ein. Bei der wöchentlichen Kabinettssitzung kündigte Regierungschef Netanjahu eine aggressive Reaktion an. Die Welt müsse verstehen, dass Israel die Angriffe nicht mit verschränkten Armen über sich ergehen lassen werden, warnte er. "Wir sind bereit, unsere Reaktion zu verstärken."

Armee reagiert auf Beschuss mit Luftangriffen

Am Samstag hatte eine Granate ein israelisches Militärfahrzeug getroffen und vier Soldaten zum Teil schwer verletzt. Am Sonntagmorgen dann wurden vier Israelis von einer Rakete verletzt. Mehrere Gebäude wurden beschädigt, eine Fabrik im Industriegebiet von Sderot wurde getroffen, die Schulen blieben am Sonntag im Süden des Landes wieder einmal geschlossen und die Bewohner wurden aufgefordert, sich niemals weiter als 15 Sekunden Laufabstand von einem sicheren Zufluchtsort zu entfernen.

Die Armee reagierte auf den Beschuss mit neun Luftangriffen auf die Abschussbasen der Raketen, unter den sechs getöteten Palästinensern sollen zwei Zivilisten gewesen sein, mehr als 30 Menschen wurden verletzt.

In Israel werden längst verstärkt Rufe nach einer Militäraktion gegen den Beschuss laut: Der Likud-Minister Juli Edelstein fordert einen "Entscheidungsschlag" gegen die Terroristen, der ehemalige Verteidigungsminister und heutige Vorsitzende der Kadima-Partei, Schaul Mofas, sagt, der Gazastreifen verlange nach einer "gründlichen Behandlung".

Nach Medienberichten haben die militanten Organisationen in Gaza in den vergangenen Tagen zunehmend zielsichere Katjuscha-Raketen eingesetzt und so deutlich mehr Schaden angerichtet als in der Vergangenheit.

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