10.11.12

US-Soldat vor Gericht

Die Gardine schützte Sadikallah nicht vor der Kugel

Im März soll ein US-Soldat ein blutiges Massaker in zwei Dörfern in Afghanistan verübt haben, bei dem 16 Kinder und Erwachsene starben. Vor Gericht berichten afghanische Zeugen von brutalen Szenen.

Foto: AFP

11. März 2012: Männer aus einem afghanischen Dorf sind fassungslos wegen des blutigen Amoklaufs in ihrem Dorf
11. März 2012: Männer aus einem afghanischen Dorf sind fassungslos wegen des blutigen Amoklaufs in ihrem Dorf

Verbrannte Leichen, kleine Jungen, die sich hinter einem Vorhang verstecken. Und Schreie: "Wir sind Kinder! Wir sind Kinder!" So schilderten Augenzeugen das Massaker vom 11. März, bei dem der US-Soldat Robert Bales in zwei afghanischen Dörfern 16 Zivilpersonen getötet haben soll.

Wegen der Gewalttat muss sich der Feldwebel derzeit vor einem Gericht auf einem Militärstützpunkt im US-Staat Washington verantworten. Die Zeugenaussagen aus Afghanistan gelangen dabei per Videoübertragung in den Gerichtssaal. Sie schildern den Horror, den afghanische Dorfbewohner mitten in der Nacht erlebten.

Bei der Anhörung auf dem Stützpunkt Lewis-McChord soll darüber entschieden werden, ob sich der 39-jährige Bales vor einem Militärgericht wegen Mordes an neun Kindern und sieben Erwachsenen verantworten muss. Im Falle einer Verurteilung droht ihm die Todesstrafe.

Die Anhörung begann am vergangenen Montag. Damit auch Zeugen aus Afghanistan ihre Aussage vor Gericht machen konnten, fand eine Anhörung in der Nacht auf Samstag statt. In der nächtlichen Sitzung beschrieben die afghanischen Zeugen die Bewohner der angegriffenen Dörfer und zählten die Namen der Todesopfer auf. Während der einzelnen Zeugenaussagen zeigte der mutmaßliche Massenmörder Bales keine erkennbare Reaktion.

In der Abstellkammer versteckt

Der etwa 13 oder 14 Jahre alte Sadikallah sagte als jüngster Zeuge aus. Er erzählte den Teilnehmern der Anhörung, wie er und ein weiterer Junge sich in einer Abstellkammer hinter einem Vorhang versteckt hätten. Die Gardine habe ihn aber nicht vor der Kugel geschützt, die ihn am Kopf gestreift und bei ihm einen Schädelbruch verursacht habe. Der Schütze habe eine Waffe und eine Lampe gehabt. Seine Identität sei ihm aber unklar, berichtete Sadikallah.

Sein älterer Bruder Kadratullah suchte in der Nacht zum 11. März in einem anderen Teil des Hauses Schutz vor dem Amokläufer. Als der Schütze ihn und andere Kinder entdeckt habe, hätten sie geschrien "Wir sind Kinder! Wir sind Kinder!", sagte Kadratullah.

Der Vater von Sadikallah und Kadratullah wurde in dem Haus als erste Person von Schüssen des Angreifers getroffen. Schüsse und bellende Hunde hätten ihn geweckt, berichtete Hadschi Mohammed Naim. Daraufhin habe er seine Frau gebeten, eine Laterne anzuzünden. Er habe gesehen, wie der Schütze über eine Mauer des Anwesens geklettert sei. "Er sprang von der Mauer und ich sah das Licht auf seinem Kopf. Er hat einfach angefangen, auf mich zu schießen", erzählte Naim.

Verbrannte Leichen in Haus entdeckt

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft griff Bales zunächst eines von zwei afghanischen Dörfern an, ehe er auf seinen Stützpunkt in der Provinz Kandahar zurückkehrte.

Anschließend sei er wieder losgezogen, um ein zweites Dorf anzugreifen. Zwischen den Angriffen will Bales nach eigenen Angaben einen Kameraden auf dem Stützpunkt geweckt und ihm von seiner Bluttat erzählt haben. Er habe dem Soldaten gesagt, dass er weitere Menschen töten werde, aber der Kamerad habe ihm nicht geglaubt und weiter geschlafen.

Am Morgen nach dem Massaker sei er auf dem Grundstück seines Cousins eingetroffen, sagte der Augenzeuge Chamal Adin. Der bärtige Mann schilderte dem Gericht, was er im Dorf Nadschiban nach der Bluttat gesehen habe. Er habe die Mutter seines Cousins tot an einem Türeingang liegen sehen. Sie sei in den Kopf geschossen worden.

Im Haus habe er zudem die Leichen von sechs der sieben Kinder seines Cousins sowie von dessen Frau gefunden, berichtete Adin weiter. Auch weitere Familienangehörige seien tot gewesen. Das Feuer, das die Leichen verbrannt habe, sei bei seinem Eintreffen zwar aus gewesen. Er habe aber noch immer den Rauch gerochen.

Quelle: dapd/sara
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