10.11.12

Sex-Affäre

FBI-Ermittlungen bringen CIA-Direktor Petraeus zu Fall

Der frühere Vier-Sterne-General soll über eine Affäre mit seiner Biografin gestolpert sein. Aufgedeckt wurde sie durch das FBI.

Foto: dapd

US_Präsident Barack Obama mit David Petraeus bei einem Termin im Juni 2010
US_Präsident Barack Obama mit David Petraeus bei einem Termin im Juni 2010

CIA-Direktor David Petraeus hat wegen einer außerehelichen Affäre überraschend seinen Rücktritt erklärt. Aus Kreisen des FBI wurde bekannt, dass Ermittler den E-Mail-Verkehr des 60-Jährigen überwacht hatten und ihm so auf die Schliche kamen.

Dem zufolge handelt es sich bei der Frau, mit der Petraeus eine Beziehung pflegte, um seine Biografin Paula Broadwell. Die FBI-Informanten blieben anonym, weil sie keine Erlaubnis hatten, öffentlich zu dem Fall Stellung zu nehmen. Broadwell, die auch Reserveoffizierin der US-Streikräfte ist, war zunächst nicht für einen Kommentar zu erreichen.

US-Präsident Barack Obama akzeptierte das Rücktrittsgesuch des früheren Vier-Sterne-Generals am Freitag und erklärte: "Ich bin vollkommen überzeugt, dass der CIA weiter Erfolg haben und seine unentbehrlichen Aufgaben verrichten wird." Übergangsweise werde der bisherige Vize des CIA, Michael Morell, den Auslandsgeheimdienst leiten, sagte Obama.

Petraeus erklärte gegenüber den CIA-Mitarbeitern, er habe mit der Affäre ein "extrem schlechtes Urteilsvermögen" an den Tag gelegt. Sein Verhalten sei als Ehemann und Direktor einer Organisation wie der CIA nicht hinnehmbar. Mit Ehefrau Holly, mit der sei fast vier Jahrzehnten verheiratet war, hat Petraeus zwei Kinder.

In den USA ist Petraeus ein Star

Der Sohn eines holländischen Kapitäns war in der US-Armee ein Star. Der Fallschirmjäger besuchte die Eliteschmiede der US-Armee in West Point. An der Universität Princeton erwarb er einen Doktortitel in Politikwissenschaft mit einer Studie, die das Debakel der US-Streitkräfte in Vietnam behandelt. Petraeus war 2006 auch maßgeblich an der Erstellung eines Armeehandbuchs zum Kampf gegen Aufständische beteiligt. Die dort dargelegten Leitlinien sollte er bald selbst in die Tat umsetzen.

Zuletzt geriet sein Geheimdienst aber im Zusammenhang mit der tödlichen Attacke auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi in die Schlagzeilen: Die CIA soll Obamas Regierung tagelang Fehleinschätzungen über die Hintergründe des Angriffs geliefert haben. Kommenden Donnerstag sollte Petraeus dazu eigentlich vor einem Senatsausschuss aussagen.

General mit dem Ruf eines Intellektuellen

Als die Präsidentschaft von Obamas Vorgänger George W. Bush im Irak-Chaos unterzugehen drohte, beauftrage dieser Petraeus im Jahr 2007, eine Wende herbeizuführen. Damals entlud sich die Rivalität zwischen Schiiten und Sunniten in einem blutigen Bürgerkrieg, während das Terrornetzwerk al Qaida das Zweistromland zu einer Basis in seinem Feldzug gegen den Westen zu machen drohte. Petraeus schraubte die US-Truppenstärke auf 170.000 Soldaten hoch, die Gewalt im Irak nahm unter seinem Oberkommando ab.

Ab Oktober 2008 führte Petraeus das Zentralkommando der US-Streitkräfte, dem die Truppen im Nahen Osten und in Zentralasien unterstehen. Im Juni 2010 machte Obama ihn dann zum Nachfolger von General Stanley McChrystal, der wegen abfälliger Interviewäußerungen über die US-Regierung seinen Posten an der Spitze der internationalen Afghanistan-Truppe räumen musste. Auch am Hindukusch wurde unter Petraeus' Kommando die Zahl ausländischer Soldaten auf fast 150.000 erhöht, um die aufständischen Taliban zu besiegen.

Als Obama den früheren CIA-Chef Panetta zum Verteidigungsminister beförderte, engagierte er Petraeus für die Leitung des Auslandsgeheimdienstes. Der Senat bestätigte im Sommer 2011 die Berufung mit einer überwältigenden Mehrheit von 94 der hundert Senatoren. Während seiner Zeit bei der CIA zog sich Petraeus aus der Öffentlichkeit weitgehend zurück.

Dem General mit dem Ruf eines Intellektuellen wurden politische Ambitionen nachgesagt. Als der gescheiterte republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney im Sommer nach einem Vizekandidaten fahndete, spekulierten die Medien auch über den Namen Petraeus. Der Soldat selbst wies dies stets zurück. Nach dem unehrenvollen Abschied von der Spitze der CIA stellt sich diese Frage nun wohl ohnehin nicht mehr.

Verhalten von Petraeus Bruch der Sicherheitsregeln

Wenige Tage nach seiner Wiederwahl musste Obama mit dem Rücktritt einen schweren Rückschlag hinnehmen. Das Verhalten des CIA-Direktors bedeutete einen klaren Verstoß gegen Sicherheitsregeln und hätte für die USA ein Sicherheitsrisiko bedeutet, wenn feindliche Mächte von der Affäre gewusst hätten. Es ist möglich, dass Petraeus sich vor einem Militärgericht verantworten muss.

Obama nannte ihn dennoch "einen der herausragendsten Generäle seiner Generation". Petraeus habe männliche und weibliche Soldaten im Irak und in Afghanistan durch eine bemerkenswerte Phase geführt und die USA sicherer und stärker gemacht. Auf die Gründe für den Rücktritt ging Obama indes nicht direkt ein. Seine Gedanken und Gebete seien nun bei David und Holly Petraeus, erklärte er nur.

Seine Frau Holly lernte er einst als Kadett in der Militärakademie West Point kennen. Gemeinsam mit der US-Regierung unterstützte sie die Familien von Militärangehörigen.

In der vergangenen Woche war Petraeus nach Libyen und Jordanien gereist. Von dort hatte er die Reaktion der CIA auf den tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi koordiniert, der noch immer nicht restlos aufgeklärt werden konnte. Nun wird in Washington angenommen, dass bei nicht öffentlichen Sitzungen des Kongresses kommende Woche der vorläufige Nachfolger Morell zum dem Thema Stellung bezieht.

Quelle: dapd/AFP/sei
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