09.11.12

Nato-Bündnis

USA stationieren erstmals Soldaten in Polen

Es sind zunächst nur zehn Amerikaner, aber es sind die ersten US-Soldaten, die ständig in einem neuen Nato-Land in Osteuropa stationiert sind. Bald sollen Abwehrraketen folgen, Moskau horcht auf.

Von Gerhard Gnauck
Foto: Artur Zakrzewski (DPI MON)

Luftwaffenstützpunkt Lask bei Lodz in Zentralpolen: Ankunft der ersten amerikanischen Soldaten und Zeremonie mit polnischer sowie amerikanischer Flagge
Luftwaffenstützpunkt Lask bei Lodz in Zentralpolen: Ankunft der ersten amerikanischen Soldaten und Zeremonie mit polnischer sowie amerikanischer Flagge

Vor wenigen Wochen war Major Matthew Spears noch allein im Kontrollturm. Ab sofort hat er Gesellschaft: Auf dem Stützpunkt Lask bei Lodz in Zentralpolen wurde am Freitag die erste Einheit von Soldaten der US-Luftwaffe begrüßt. Hier sollen von heute an erstmals US-Soldaten in einem der seit 1999 zur Nato gehörenden Länder Ostmitteleuropas Dienst tun.

Admiral James Stavridis, Nato-Oberbefehlshaber Europa, und Polens Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak feierten die Ankunft der Amerikaner als wichtigen Schritt zu engerer Zusammenarbeit im Bündnis.

Es ist nur eine kleine Truppe: Dauerhaft werden zehn Amerikaner in Lask sein, einer der modernsten Militärflughäfen Polens. Sie sind formell ein Brückenkopf der "52. Operations Group" der US-Luftwaffe im pfälzischen Spangdahlem.

Das Kontingent soll auf 250 Mann wachsen

Wenn jedoch in Zukunft alle drei Monate F-16-Kampfflugzeuge oder Hercules-Transportmaschinen rotationsweise zu gemeinsamen Übungen nach Polen kommen, wird das amerikanische Kontingent auf etwa 250 Mann anschwellen. "In jedem Turnus wird es zwei Wochen lang Übungsflüge geben", erläutert Spears, der sich in Polen bereits gut auskennt.

Nachdem sich Warschau für den Kauf von F-16 für seine eigene Luftwaffe entschieden hatte, schulte er drei Jahre lang polnische Kollegen. Heute sind 16 polnische F-16 ebenfalls in Lask stationiert, die übrigen 32 auf dem Stützpunkt Krzesiny bei Posen (Poznan).

Die Ankunft der Amerikaner setzt vorläufig einen Schlusspunkt unter die jahrelange Diskussion, was die Regierungschefs des Transatlantischen Bündnisses im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands der Sowjetunion versprochen hatten.

Erinnerungen an den 2. Weltkrieg

Damals gab es nach Auffassung vieler russischer Politiker die mündliche Zusage, die Nato werde östlich von Deutschland keine neuen militärischen Einrichtungen aufbauen und keine größeren Einheiten entsenden.

Dagegen war es das strategische Ziel aller polnischen Regierungen, in irgendeiner Form Soldaten der Verbündeten auf dem eigenen Territorium zu haben. Dabei mag die Erinnerung an 1939 eine Rolle gespielt haben, als Großbritannien und Frankreich dem nationalsozialistischen Deutschland verbal den Krieg erklärten, aber ihrem Verbündeten Polen nicht zu Hilfe kamen.

Auch die Erinnerung an das Beispiel West-Berlin ist lebendig, wo winzige Einheiten der Alliierten mit ihrer bloßen Anwesenheit jahrzehntelang den Frieden sicherten.

Polen fühlt sich sicherer

"Die physische Anwesenheit von Soldaten eines anderen Staates ist eine starke Garantie, dass dieser sich im Kampf von Anfang an engagiert", schrieb am Freitag die liberale "Gazeta Wyborcza". "Jetzt können wir uns etwas sicherer fühlen."

Ausgerechnet US-Präsident Obama traf die Entscheidung, das "Aviation Detachment" zu entsenden, bei seinem Polen-Besuch im vergangenen Jahr. Obama wurde in Polen oft vorgeworfen, sich wenig um die Interessen der Verbündeten in Ostmitteleuropa zu kümmern.

In den vergangenen zwei Jahren hatten die US-Streitkräfte in Deutschland bereits eine Vorläufermission in Polen unterhalten: Rotationsweise wurde eine Batterie Patriot-Flugabwehrraketen nach Polen entsandt, "zu Schulungszwecken", wie es hieß.

Beteuerungen in Richtung Moskau

Polens Interesse an der Mitwirkung an einem Raketenabwehrschirm, den vor allem Präsident George Bush vorantrieb, hatte denselben Grund: Man hoffte, damit ebenfalls eine kleine Einheit Amerikaner ins Land zu holen. Obama hat die Pläne allerdings gestreckt.

Nach jetzigem Stand sollen SM-3-Abwehrraketen erst im Jahr 2018 in Polen stationiert werden, also nach Ende seiner zweiten Amtszeit. Diese Raketen seien darauf ausgerichtet, Sprengköpfe aus allen möglichen Richtungen zu bekämpfen, sagte der US-Botschafter in Moskau, Michael McFaul, der russischen Agentur Interfax in dieser Woche.

Er versuchte, russische Bedenken zu zerstreuen: "Die SM-3 sind nicht in der Lage, russische Interkontinentalraketen abzuschießen." Aus Russland gab es am Freitag zunächst keine Kommentare zu der polnisch-amerikanischen Zeremonie in Lask.

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